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Göttingen Autotester Schulz verpasst Norderney-Fähre
Die Region Göttingen Autotester Schulz verpasst Norderney-Fähre
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13:00 18.05.2017
Endlich auf der Insel: Stopp am Hafen von Norderney, wo der Seenotkreuzer „Bernhard Gruben“ stationiert ist. Quelle: Schulz
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Göttingen

Eine lange Fahrt hat Tageblatt-Tester Edgar Schulz hinter sich, deren Ziel weit außerhalb der Nennreichweite des E-Golf von 300 Kilometern lag. Schulz besuchte seine Eltern auf der Nordseeinsel Norderney. Bis Hannover lief alles prima, berichtet der pensionierte Lehrer. Die von der App gemeldete Schnellladesäule am Friedrichswall gab es allerdings leider nicht. „Verdammter Mist, das kostet Zeit, die letzte Fähre geht um 18.15 Uhr“, sei es ihm durch den Kopf gegangen. Eine Ersatzsäule befindet sich am Trammplatz. Dort wird Schulz von einem städtischen Mitarbeiter, der in der Zeitung vom E-Autotest gelesen hat, mit Fragen zu Technik, Reichweiten und Kosten gelöchert. Er kennt auch eine Schnelllademöglichkeit am Friedrichswall. Also fix ein erneuter Ladesäulenwechsel, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Trotzdem gehen für das „Tanken“ weitere 75 Minuten ins Land.

Das Navi errechnete als kürzeste Strecke die Weiterfahrt auf der B6 über Delmenhorst bis nach Oldenburg. „Der Zeitverlust zwang mich“, berichtet Schulz, „bei Überholvorgängen öfter mal ‚auf den Pinsel‘ zu treten, um im Verkehrsfluss zu bleiben, was einige Ladekilometer fraß. Erneute Ernüchterung folgte an der Ladesäule in der Oldenburger Innenstadt: Zum ersten war es keine Schnellladestation und außerdem galt seine Karte nicht zum Freischalten. „Verdammte Technik, Sch... Ladesäulen“ habe er im Auto geflucht, schildert Schulz, inzwischen wieder auf Normalpuls. Das Laden gelang schließlich mit der „Rezeptions-Ladekarte“ der hilfsbereiten Pförtnerin der ewe-Elektrizitätswerke Oldenburg, vor deren Gebäude die Stromzapfstation steht. Sehr zur Freude des Testers auch noch kostenfrei.

Doch die Zeit verrann: Schulz‘ Navi vermeldete, dass er die letzte Fähre auf die Insel in Norddeich-Mole nach der notwendigen Ladezeit von rund zwei Stunden auf jeden Fall verpassen würde. Und so kam es dann auch. Schulz übernachtete in Norden in einem „Notquartier“. Der WSV Norden stellte dem passionierten Paddler im dortigen Gästezimmer des Bootshauses ein bequemes Bett zur Verfügung.

Am nächsten Morgen nahm der Tester um 6.15 Uhr die Früh-Fähre nach Norderney. Die Batterie des E-Golf hing über Nacht an einer Schuko-Steckdose und ist voll aufgeladen. Mit seinen Eltern fuhr er über die Insel zum Ostend denn dort beginnt der schönste Teil der Insel. Ein Naturschutzgebiet in dem Fahrzeuge aller Art und sogar Fahrräder verboten sind. „Wie leise der läuft“, schwärmte Schulz‘ Mutter, während der Volkswagen über die Inselstraßen summt. Und tatsächlich: „Das lauteste Geräusch an Bord ist das mitunter eingeschaltete Gebläse“, bestätigt der Tageblatt-Testfahrer.

Selbst auf einer Insel, die zu 85 Prozent zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gehört, scheint die Elektromobilität nicht gerade en vogue zu sein. Immer wieder wurde Schulz von Norderneyern angesprochen, die Fragen zu Reichweite, Batteriekapazität oder dem Fahrzeugpreis hatten. Ein Inselbewohner befand, der E-Golf sei als Taxi auf der Insel genau das Richtige. Nun ja, man wird sehen. Bei Fragen blieb es dann auch nicht und Schulz gewährte den Neugierigen einen Blick unter die Motorhaube.

Am späten Nachmittag rollte der Golf wieder auf die Fähre Richtung Festland. Der Wahl-Göttinger ahnte nichts von einem ganz ungewollten Test. „Wieder so ein Idiot, der seine Alarmanlage nicht ausgeschaltet hat“, dachte Schulz auf Deck, als er die pulsierende Sirene hörte. Das passiert häufig bei Wellengang, weiß er, aber die See war glatt wie ein Spiegel. Tatsächlich erwies sich sein Test-E-Golf als Krawallo, dessen Diebstahlsicherung möglicherweise ein wenig zu sensibel eingestellt ist.

Schulz‘ Fazit der Reise: Es sollte mehr Schnellladestationen geben und eine zentrale App oder Plattform im Internet, wo alle Ladesäulen detailliert und aktuell erfasst sind. Darüber hinaus wäre eine Karte, die an allen Stationen freischalten kann, wünschenswert.

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