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Göttingen Auszubildende untersuchen Wohnraummangel
Die Region Göttingen Auszubildende untersuchen Wohnraummangel
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17:07 18.05.2017
Quelle: Lieske
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Göttingen

"Knapp 2000 Stunden Arbeit stecken in dem Projekt", verdeutlicht Projektleiter Hubert Vogel den Einsatz seiner Schüler. Seit August 2016 arbeiteten sie an ihrer Studie. "Man ist stolz, dass man es hingekriegt hat", sagt Teamleiter Ingo Windhorst.

Außer den beteiligten Auszubildenden und Unterstützern interessierten sich unter anderem Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) und Dezernent Siegfried Lieske für die Ergebnisse. Nach einleitenden Worten von Stadträtin Petra Broistedt, die noch einmal die Wichtigkeit des Themas verdeutlichte, erläuterten die Auszubildenden ihre Ergebnisse in detaillierten Beiträgen.

In drei Phasen erhoben sie Daten in Göttingen und in den Städten Arnheim und Newcastle. Ziel war es, durch diesen internationalen Vergleich kommunale Lösungsansätze für das Problem des Wohnraummangels zu finden. Die Untersuchung stützte sich auf die vier Felder Stadtentwicklung, Bestandsimmobilien, Neubau und Suburbanisierung. Die Städte in den Niederlanden und England wurden gewählt, weil ihre Größe der Göttingens in etwa entspricht.

Nach einer ausführlichen Datenrecherche zogen die Auszubildenden mit selbst entwickelten Fragebögen aus zur Datenerhebung. Ergänzt wurden die Erkenntnisse aus den Erhebungen mit Experteninterviews vor Ort, einzig in Arnheim kamen diese nicht zustande. Bei der Datenerhebungen stießen die Auszubildenden mitunter auf unerwartete Hürden, etwa den landestypischen Dialekt im Nordosten Englands, wie Vogel berichtet.

Bei den Ergebnisse zeigten sich teils deutliche regionale Unterschiede. So ist Befragten in Göttingen im Bereich der Stadtentwicklung vor allem Wohnraum für Familien wichtig. In Newcastle sprachen sich 77 Prozent der Befragten für mehr Grünflächen in ihrer Stadt aus. Dazu passt das Ziel Newcastles, die grünste Stadt Europas werden zu wollen. Einkaufsmöglichkeiten sind allerdings allen Befragten wichtig. Befragt wurden in Newcastle 94 Bürger, in Arnheim 54 und in Göttingen 108.

Doch wie soll Wohnraum geschaffen werden? Als eine Möglichkeit stellen die Auszubildenden die Nutzung von bestehenden Immobilien vor. Gebäude, die ursprünglich nicht als Wohnraum gedacht waren, könnten zu einem solchen umgewandelt werden. Als so genanntes "Best Practice"-Beispiel nennen die Auszubildenden den Ausbau alter Kasernengebäude auf den Zietenterassen. In Newcastle gebe es ein Projekt zum Ausbau ehemaliger Hafenanlagen. Dieser Nutzung seien allerdings Grenzen gesetzt, da sich nicht jedes Gebäude wirtschaftlich als Wohngebäude umbauen lasse, dann sei Abriss und Neubau oft die bessere Lösung. In Arnheim etwa gebe es deshalb ein Team, das Leerstände auflistet und auf mögliche Umbaumaßnahmen hin prüft.

Die Steigerung der Attraktivität von suburbanen Regionen (Dörfer, Vorstädte) könne ebenfalls eine Möglichkeit zur Linderung der Wohnungsnot in Städten sein, erläuterten die Auszubildenden. Als ein Beispiel führten sie das Projekt "Fachwerk-Fünfeck" aus der Region an. Wichtig sei auch, die Infrastruktur in diesen Regionen zu stärken. Als Alternative zu herkömmlichen Bussen nannten die Auszubildenden das Projekt "Eco Bus", bei dem der Fahrgast festlegt, wo er aussteigen möchte. In Arnheim gebe es für Radfahrer kostenlose bewachte Parkplätze. 

Projekte wie diese gibt es an der Arnoldi-Schule schon seit rund  16 Jahren. Unter anderem durch solche länderübergreifenden Aktionen erhielt die Schule den Titel "Europaschule", erläutert Windhorst. "Wir hoffen auf eine Fortführung in den nächsten Jahren", sagt Vogel mit Blick in die Zukunft.

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