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Göttingen „90 Prozent der Laufkundschaft ist weg“
Die Region Göttingen „90 Prozent der Laufkundschaft ist weg“
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00:20 28.06.2018
Manche Geschäftsleute reagieren mit Rabattaktionen auf die Baustelle vor ihrer Haustür. Quelle: Foto: Hinzmann
Göttingen

Am vergangenen Donnerstag schaffte es das Thema „Baustelle Jüdenstraße-Süd“ bis in den Bauausschuss. Von Pannen bei der Planung, Verzögerung bei der Materiallieferung und mangelhafter Kommunikation mit den Anwohnern war die Rede. Piraten-Ratsfrau Dana Rotter hatte sich in der Bürgerfragestunde zu Wort gemeldet – als zweite Vorsitzende der Vereins Kreuzberg on KulTour ist sie Anliegerin und von den Behinderungen tagtäglich direkt betroffen.

Anfangs sei das eine ganz normale Baustelle gewesen, erzählt Rotter auf Nachfrage. Natürlich habe es Lärm und Staub gegeben, aber zumindest konnte die Kundschaft noch die Geschäfte erreichen. Nach Plan sollte dafür immer eine Gehwegseite passierbar bleiben. Doch plötzlich wurde auf beiden Seiten gearbeitet – angeblich weil Pflastersteine nicht geliefert werden konnten. Wenig später waren in mehreren Geschäften die Telefonleitung gekappt, vorübergehend fielen Strom- und Wasserversorgung aus. „Ein bedauerlicher Fehler des ausführenden Bauunternehmens“, heißt es dazu aus dem Rathaus.

„Ich will nicht jammern“

All das haben die Geschäftsinhaber über sich ergehen lassen. „Ich will nicht jammern, ich bin ja noch hier“, sagt einer, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Ob er aber bis zum Ende der Bauphase durchhalte, wolle er jetzt nicht vorhersagen. Viele Stammkunden würden ihm noch immer die Treue halten. Aber damit allein können die Geschäfte in diesem Abschnitt der Jüdenstraße nicht überleben. Seit die Bushaltestelle verlegt und die rot-weißen Warnbarken aufgestellt wurden, fehlen die Passanten. „90 Prozent der Laufkundschaft ist weg.“

Baustelle Jüdenstraße-Süd

Ein großes Problem sei, dass man von außen nicht mehr erkennen könne, ob die Geschäfte erreichbar und geöffnet sind, sagt Rotter. In Eigeninitiative haben die Geschäfte kleine gelbe Wegweiser aufgestellt, um die Kundschaft durch die Schotterpiste zu leiten. Doch die Situation werde durch die Erweiterung der Baustelle auf den Kreuzungsbereich noch schwieriger.

Ferienzeit ist Bauzeit

Briefmarkenfachhandel Norbert Schwiegk, dem das Geschäft auf der Ecke zur Roten-Straße gehört, hat bisher von außen auf die gesperrte Fläche geschaut, jetzt steht er mittendrin. „Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass sie erst einen Abschnitt fertig machen und dann mit dem nächsten beginnen.“ So wäre sein Geschäft zumindest von einer Seite immer erreichbar gewesen. Da aber die Bauplaner die verkehrsarme Ferienzeit nutzen müssen, fallen die Baustellen zusammen. Schwiegk versucht der Situation noch etwas Positives abzugewinnen: „Dafür fahren dann keine Busse mehr vor der Tür herum.“

Die werden tatsächlich ab Dienstagmorgen 5 Uhr bis voraussichtlich Mitte August durch die Mauerstraße in die Wendenstraße zum Albanikirchhof umgeleitet. Wie der Anliegerverkehr bei gesperrter Kreuzung fließen soll, ist den Betroffenen nicht klar. Auch die Anlieferung, die schon jetzt zum Teil zu Fuß erfolgt, muss wohl noch weitere Umwege in Kauf nehmen.

Gute Nachricht zum Schluss

Eine gute Nachricht gibt es für die Einzelhändler in der Jüdenstraße dann aber doch noch. Die Nachfrage im Bauausschuss hat sich gelohnt. Die Stadtverwaltung hat schnell reagiert: Sprecher Dominik Kimyon erklärte am Montag: „Wir werden ab morgen den Gehweg mit einer dünnen Asphaltdecke belegen, auch die vorhandene Beschilderung werden wir optimieren.“

Von Markus Scharf

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