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Göttingen Verpflichtung zu 5000 neuen Wohnungen
Die Region Göttingen Verpflichtung zu 5000 neuen Wohnungen
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18:16 31.08.2018
„Wohnen ist Daseinsvorsorge“, erklärt Niedersachsens Umwelt- und Bauminister Olaf Lies. Quelle: Peter Heller
Göttingen

Göttingen als Wohnort sei ausgesprochen attraktiv, sagte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler. Dazu komme ein großer Bedarf an Wohnraum für Studenten. Und immer weniger Wohnungen unterlägen der Sozialbindung. Die Folgen seien zum Teil dramatisch, erläuterte Köhler. Von diesen etwa 7000 Wohnungen vor einigen Jahrzehnten gebe es derzeit noch etwa 3000. „Und in den kommenden fünf Jahren“, erklärte Köhler, „fallen von diesem Rest 1500 weitere aus der Bindung heraus.“ Die Folge: immer weiter steigende Mieten.

Zehn statt acht Euro pro Quadratmeter

Seit 2013 sind die Mieten im städtischen Durchschnitt von acht Euro pro Quadratmeter auf knapp zehn Euro gestiegen, hat Michael Mießner, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geographischen Institut der Universität Göttingen, ermittelt. Gleichzeitig sei der Anteil an günstigem Mietwohnraum bis 7,50 Euro pro Quadratmeter von knapp 45 Prozent (2013) auf aktuell rund 15 Prozent geschrumpft.

Dieser Entwicklung will das Bündnis nun entgegentreten. „Wir lassen die Menschen in unserer Stadt mit der Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt nicht allein“, erklärte Köhler. „Die Stadt handelt, doch die Akteure auf dem Wohnungsmarkt sind dabei genauso gefordert wie das Land und der Bund. Eigentum verpflichtet auch zum sozialen Zusammenhalt.“

5000 neue Wohnungen bis 2030

Ziel des Bündnisses ist es, bis zum Jahr 2030 mindestens 5000 neue Wohnungen zu schaffen. Das entspricht jährlich in etwa 420 Wohnungen. Davon sollen bis zum Jahr 2030 mindestens 1500 neue Wohnungen entstehen, die Personen der unteren Einkommensgruppe angeboten werden können mit einem Mietpreis von derzeit 5,60 Euro pro Quadratmeter. Zudem soll darauf hingearbeitet werden, durch Verlängerung auslaufender Mietpreisbindungen und den Ankauf von Belegungsrechten bis 2030 weitere 2500 Wohnungen im unteren Mietpreissegment zu halten.

Erreicht soll dieses Ziel durch ein Konzept, zu dem Neubau, Nachverdichtung in bestehenden Wohnquartieren und die Stellplatzsatzung gehören: Der Verzicht auf die übliche Parkplatzzahl soll weitere Neubau-Anreize liefern. Neben der Landesförderung durch die niedersächsische Förderbank NBank stellt die Stadt Göttingen zusätzlich eine Anreizförderung bei der Schaffung günstigen Wohnraums in Aussicht.

„Es muss Rendite geben“

„Wohnen ist Daseinsvorsorge, und der Staat darf diese Verantwortung nicht ausschließlich dem freien Spiel des Marktes überlassen“, sagte Niedersachsens Bauminister Olaf Lies. In der Vergangenheit sei es ein Fehler gewesen, derart große Wohnungsbestände der öffentlichen Hand der Privatwirtschaft zu überlassen. Er sei „entsetzt“ darüber, dass jetzt wieder behauptet werde, der freie Markt könne die derzeitige Wohnraumkrise lösen. Es würden zwar nicht wenige Wohnungen gebaut, die aber „vorwiegend renditeorientiert“ und damit für untere und mittlere Einkommen nicht erschwinglich. Die Regierung aus SPD und CDU reagiere und habe sich zum Ziel gesetzt, landesweit bis 2030 insgesamt 40000 Sozialwohnungen zu bauen. Lies: „Wir brauchen beim Wohnungsbau breite Vielfalt, aber eben auch bezahlbaren Wohnraum.“ Ganz auf den Markt als Regulativ verzichten will Lies allerdings auch nicht: „Beim Wohnungsbau muss es eine Rendite geben, die Investitionen auslöst. Sonst funktioniert das nicht.“

Unterzeichner des „Bekenntnisses“ sind neben der Stadt Göttingen die Immobilienunternehmen Adler AG, Cubus, Delta Bau AG, EBR Projektentwicklung, Kurth Immobilien und Vonovia, außerdem die Städtische Wohnungsbau, die Wohnungsgenossenschaft Göttingen und die Volksheimstätte. Dabei sind auch die Interessenverbände Haus + Grund, der Mieterverein und das Studentenwerk Göttingen.

Von Matthias Heinzel

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