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Göttingen Sturzursache bleibt weiter unklar, Urteil vertagt
Die Region Göttingen Sturzursache bleibt weiter unklar, Urteil vertagt
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00:17 02.11.2017
Noch kein Urteil Berufungsprozess vor dem Landgericht Göttingen: Weitere Zeugenvernehmungen bringen keine Klarheit. Quelle: dpa
Göttingen

Mit der Vernehmung von drei weiteren Zeugen ist der Prozess gegen ein Mitglied der selbst ernannten, rechten „Volksbewegung Niedersachsen“ vor dem Landgericht Göttingen in den zweiten Verhandlungstag gegangen. Der 28-Jährige soll den Sprecher der linken Wohnrauminitiative zu Fall gebracht und dabei schwer verletzt haben.

Strittig ist weiterhin, ob der Anhänger der „Volksbewegung“ den Sturz des Opfers ausgelöst hat oder nicht. Das Opfer hatte im Juli 2015 fotografiert, wie der Angeklagte und ein weiterer Mann Schmierereien unter anderem mit AfD-Bezug am Verbindungshaus der Landsmannschaft Verdensia in der Theaterstraße entfernten. Die beiden Verbindungsstudenten bemerkten das und sprinteten über die Straße, um die Fotos entfernen zu lassen und weitere zu verhindern. Es folgte eine Rangelei, in deren Verlauf das Mitglied der Wohnrauminitiative mit seinem Fahrrad stürzte und sich dabei derart unglücklich das Knie verdrehte, dass ein Kreuzband und ein Meniskus rissen.

Keine eindeutige Antwort

Auch die neuen Zeugenaussagen gaben am Montag keine eindeutige Antwort. Weder der Polizist, der den zweiten Verbindungsstudenten vernommen hatte, noch ein Beamter, der vor Ort am Verbundingshaus im Einsatz war, konnten den konkreten Hergang des Sturzes rekonstruieren.

Ebenfalls als Zeuge geladen war der ehemalige Hausmeister der Landsmannschaft. Der war nach einem vorangegangenen Prozess vor dem Amtsgericht zu dem Vorfall wegen Falschaussage verurteilt worden. Er hatte nach dem Vorfall vor dem Verbindungshaus zunächst gegenüber der Polizei diverse Angaben zum Geschehen gemacht. Als er dann in dem Prozess vor dem Amtsgericht Göttingen als Zeuge aussagen sollte, behauptete er plötzlich, nichts gesehen zu haben. Am Montag betonte er, damals nicht im Interesse des Angeklagten ausgesagt zu haben.

Schmerzensschreie des Opfers

Auch am Montag sagte er aus, den eigentlichen Sturz nicht gesehen zu haben, wohl aber wie „einer“ den Fahrradlenker des Opfers anfasste. Das Gespräch zwischen den beiden Verbindungsstudenten und dem späteren Opfer sei zunächst ruhig verlaufen. Dann sei die Stimmung gekippt. Dieses sei von den beiden Verbindungsstudenten ausgegangen. Dann, so der Hausmeister, habe das Opfer sich mit dem Rad drehen wollen. Das nächste, was er wahrgenommen habe, seien Schmerzensschreie des Opfers gewesen. Er habe mit den beiden Verbindungsstudenten nie wieder über den Vorfall gesprochen, sagte er am Montag.

Das Amtsgericht Göttingen hatte den Angeklagten im ersten Prozess bereits wegen Körperverletzung und Nötigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen zu je 20 Euro verurteilt. Dagegen waren sowohl der Verurteilte als auch der Fotograf in Berufung gegangen: Der Rechts-Sympathisant, weil er sich für unschuldig hält und das Urteil aufgehoben wissen will; der Links-Sympathisant, weil er die Tat nicht als einfache, sondern als schwere Körperverletzung eingestuft haben will.

Fortsetzung am 21. November

Der Prozess vor dem Landgericht soll nun am Dienstag, 21. November, um 8.30 Uhr am Göttinger Landgericht fortgesetzt werden.

Den Prozesstag am Montag begleiteten rund 30 Menschen aus der linken Szene im Gerichtssaal, ebenso viele standen vor dem Gerichtsgebäude. Ebenfalls im Gerichtssaal waren zwei Anhänger der „Volksbewegung Niedersachsen“. Noch vor Beginn des Prozesses hat die Göttinger Polizeieinheit BFE aus der Menge der Wohnrauminitiativen-Unterstützer einen Mann herausgegriffen. Seine Personalien wurden aufgenommen. Er trug einen Pullovers mit der Aufschrift „FCK BFE“, wie ein Polizeisprecher bestätigte. Ob Anzeige wegen Beleidigung gestellt wird, sei offen, so der Sprecher.

Von Michael Brakemeier

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