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Göttingen Besitzer der Titanic und seine Spuren in Göttingen
Die Region Göttingen Besitzer der Titanic und seine Spuren in Göttingen
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06:17 16.04.2012
Die zeitgenössische Darstellung zeigt den Untergang des Luxusliners Titanic vor rund hundert Jahren 1912. Quelle: dpa
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Göttingen

Die Göttinger Fußgängerzone ist gesäumt von weißen Gedenktafeln. Fast an jedem Haus hängt eine der Marmortafeln. Sie weisen auf bekannte Persönlichkeiten hin, die in Göttingen lebten. Eine sticht heraus: In der Fußgängerzone auf der Weender Straße hängt eine besonders große, dunkle Tafel. Hier, in der Weender Straße 63, lebte von 1856 bis 57 der Amerikaner John Pierpont Morgan. Es ist eine der wenigen Spuren, die auf den Aufenthalt des Unternehmers in Göttingen hindeuten. „Er ist vielleicht nicht ganz so bekannt wie Rockefeller, aber er war genau so mächtig und reich“, erzählt Helmut Rohlfing. Vor ihm auf dem Tisch liegt eine weitere Spur des erfolgreichen Bankiers: ein Bildband des  Werkes „Die Nordamerikanischen Indianer“. 19 weitere Bildbände sowie ebenso viele Großfoliomappen lagern im Archiv der Universitätsbibliothek.

Rohlfing, Experte für Spezialsammlungen und Bestandserhaltung der Universitäsbibliothek, hat sich ausführlich mit Morgans Leben in Göttingen auseinandergesetzt. Sein Schwerpunkt war dabei die Bildbandsammlung, in der er jetzt begeistert blättert. „Da sind Bilder drin, die einem die Schuhe ausziehen“, sagt Rohlfing. Von der limitierten Sammlung, es gibt weltweit nur 500 Exemplare, wurde nach Morgans Tod 1913 die Ausgabe mit der Nummer 8 der Bibliothek vermacht. „Und Morgan hat der Universität nicht nur dieses Werk vermacht, sondern dazu noch 50 000 Dollar zur Gründung einer Stiftung, die englischsprachige Literatur kaufen sollte“, erzählt er. „Für die Bibliothek war es eine großartige Spende.“ Zwischen 1913 und 1920 konnten so zusätzlich mehr als 2500 Titel erworben werden.

Einer der wohlhabendsten Männer

Geboren wurde Morgan 1837 in Boston. Mit 19 Jahren schickte ihn sein Vater, ebenfalls ein erfolgreicher Bankier, nach Göttingen, damit Morgan sein Studium beendet und seine Deutschkenntnisse verbessert. Der Student wohnte zusammen mit einem Freund in einer Wohnung in der Innenstadt, trat der Verbindung Hannovera bei, der auch Otto von Bismarck angehörte, und studierte bis Ende des Wintersemester 1856/57. Der Amerikaner beschrieb die Göttinger Universität in einem Brief als „die beste und feinste in Deutschland.“  Kurz nach seinem Studium an der Georg-August-Universität begann Morgans erfolgreiche Karriere als Bankier. Innerhalb weniger Jahre wurde er zu einem der wohlhabendsten Männer der Vereinigten Staaten. Im Jahr 1893 gründete Morgan das Bankhaus „J.P. Morgan & Co.“, dass eines der einflussreichsten der Welt wurde und bis heute ist.

Morgan investierte sein Geld geschickt, in die Infrastruktur der USA, unter anderem in Eisenbahnlinien und Stahlunternehmen. Aber nicht jede Investition des Unternehmers war von Erfolg gekrönt: Anfang des 20. Jahrhunderts finanzierte er die Gründung der „International Mercantile Marine Company“ (IMM), eines internationalen Schiffsunternehmens, zu dem verschiedene Linien – auch die britische White Star Line – gehörten. Sein Ziel war es, die transatlantische Schifffahrt zu dominieren. Dieser Plan wurde jedoch im April 1912 abrupt beendet. Die White Star Line, ein Tochterunternehmen der IMM, feierte die Jungfernfahrt des damals größten Passagierschiffes der Welt – der Titanic. Es sollte ein großer Schritt für das Unternehmen sein und endete in einer Tragödie: Der Untergang der Titanic in der Nacht des 14. April 1912 bedeutete für die IMM ein finanzielles Desaster.

Die finanzielle Unterstützung der Universitätsbibliothek durch die Morgan-Stiftung blieb bis 1967 bestehen. Knapp 50 Jahre nach ihrer Gründung wurde die Stiftung aufgelöst, da das Vermögen durch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in den zwanziger Jahren und den beiden Weltkriege auf knapp 8000 Mark geschrumpft war.

Der Untergang

Es ist nicht die größte Schifffahrtskatastrophe aller Zeiten, aber wohl die bekannteste: der Untergang der Titanic vor genau 100 Jahren, am 14. April 1912. Nur wenige Stunden nachdem das damals größte Passagierschiff der Welt von Southampton aus zu seiner Jungfernfahrt nach New York aufgebrochen war, kollidierte die Titanic auf offener See mit einem Eisberg. Innerhalb von drei Stunden sank das Schiff, knapp 1500 der 2200 Passagiere und Besatzungsmitglieder starben bei dem Unglück.
Nach dem Untergang wurden etliche Filme über die Katastrophe gedreht. Die bekannteste und erfolgreichste Version von Regisseur James Cameron entstand 1997 und bekam elf Oscars. Zum 100. Jahrestag des Unglücks kam Camerons Film erneut in 3D in die Kinos.

Von Christopher Piltz

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