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Göttingen Polizei in Göttingen klärt über Betrugsmasche auf
Die Region Göttingen Polizei in Göttingen klärt über Betrugsmasche auf
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00:22 09.12.2018
Mit der Betrugsmasche der „falschen Polizisten“ versuchen die Täter an das Geld ihrer Opfer zu gelangen. Quelle: dpa
Duderstadt/Göttingen

„Hallo, hier ist Kriminaloberrat Thomas Müller“ – so könnte eines der Telefonate begonnen haben, infolge derer eine Bande von Betrügern insgesamt 290 000 Euro von einer 86-jährigen Rentnerin erbeutet hat. Einer der mutmaßlichen Täter steht deswegen noch vor Weihnachten in Göttingen vor Gericht. Ihm wird gewerbsmäßiger Betrug in zwei Fällen, davon ein Versuch, vorgeworfen.

Überwiegend handele es sich bei solchen Fällen um Bandenkriminalität aus dem Ausland, sagt Marko Otte. Er ist Beauftragter für Kriminalprävention der Göttinger Polizei und bietet Präventionskurse für Senioren, Geldinstitute und Pflegekräfte an. „Die Täter rufen aus Call Centern an. Das Kuriose ist, dass sie deutsch sprechen, vielleicht sogar mit einem nordhessischen Akzent.“

110 im Display

Dabei gebe es einen „gängigen Modus Operandi“, sagt Otte. Jemand ruft als angeblich hochrangiger Polizist an und erzählt, dass Einbrecher festgenommen wurden. Diese hätten ein Notizbuch bei sich getragen, in dem die Adresse des Opfers vermerkt sei. Da die Polizei das Haus nicht rund um die Uhr bewachen könnte, würde sie als kleinen Service Wertgegenstände zur Sicherheit in der Asservatenkammer aufbewahren – natürlich alles gelogen. Aber durch ein sogenanntes Call-ID-Spoofing können die Täter beim Gesprächspartner eine falsche Nummer im Display anzeigen lassen, selbst die 110.

„Bei älteren Menschen ist das Vertrauen zur Polizei sehr groß“, sagt Otte. „Das geht gegen meine Polizistenehre, dass das ausgenutzt wird.“ Die Täter würden professionell arbeiten und seien psychologisch geschult. Da sei es möglich, darauf hereinzufallen. In manchen Fällen halten die Täter ihre Opfer dazu an, das Geld zunächst in einem Schließfach bei der Bank zwischen zu lagern – damit dort niemand stutzig wird, warum der Kunde so viel Geld abheben möchte. „Es ist immer nur eine Instanz dazwischen: die Bankangestellten“, sagt Otte.

Diana Jordan ist Geldwäsche- und Betrugspräventionsbeauftragte bei der Sparkasse Duderstadt. Die Mitarbeiter, insbesondere die, die mit Kunden im Kontakt sind, wurden durch die Polizei für aktuelle Betrugsmaschen sensibilisiert. „Der kleine Vorteil gegenüber Großstädten ist: Wir kennen unsere Kunden noch“, sagt sie. In einem Fall konnten die Mitarbeiter deshalb eine Straftat verhindern. „Ein Kunde war dabei, eine größere Summe abzuholen. Er war ganz aufgelöst. Aber er konnte überzeugt werden, zur Polizei zu gehen.“

Festnahmen sind selten

Wie oft Betrüger diese Masche einsetzen, kann die Polizei in Südniedersachsen nur schätzen. „Tatsächlich wirkt es in letzter Zeit so, als würden die Taten mehr“, sagt Otte. Uwe Falkenhain von der Polizeiinspektion Northeim/Osterode bestätigt dieses Gefühl. Das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen stellte für das Jahr 2017 etwa 110 solcher Betrugsfälle fest. Der Schaden lag bei etwa 2,5 Millionen Euro. Bis September dieses Jahres kamen etwa 70 Fälle ans Licht. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl leicht rückläufig, so das LKA. Dafür lag der Schaden insgesamt bei etwa 4 Millionen Euro. „Die Masche am Telefon kommt immer wie eine Flutwelle durchs Land“, sagt Falkenhain. „Die Täter grasen die Vorwahlen ab. Das ist ein bundesweites Phänomen.“ Festnahmen von Drahtziehern seien aber selten, so die Polizisten.

„Wir raten, von Vornherein skeptisch zu sein, auch, wenn die Telefonnummer auf 110 endet“, sagt der Präventionsbeauftragte der Polizei in Duderstadt, Dierk Falkenhagen. Bei Unsicherheiten sollten die Betroffenen selbst die 110 oder die echte Polizeidienststelle anrufen. Am besten sei es, die richtige Nummer gleich neben das Telefon zu legen, raten die Polizisten. Denn nur, wenn Fälle gemeldet würden, könnte sich die Polizei ein Bild der Lage machen. „Die Polizei fragt niemals nach Besitztümern, Schmuck oder Anlageobjekten“, sagt Otte. „Und erst recht nicht am Telefon.“

Informationen zum Thema bietet die Polizeidirektion Göttingen unter www.pd-goe.polizei-nds.de und die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes unter www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps.

Von Norma Jean Böger

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