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Göttingen Bündnis „Seebrücke Göttingen“ demonstriert am Gänseliesel
Die Region Göttingen Bündnis „Seebrücke Göttingen“ demonstriert am Gänseliesel
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15:31 06.10.2018
Rund 500 Menschen demonstrieren aktuell – teils auf kreative Weise – auf dem Göttinger Marktplatz. Quelle: Britta Bielefeld
Göttingen

Rund 500 Menschen haben am Sonnabendmittag in Göttingen für „sichere Fluchtwege und Häfen“ demonstriert. Aufgerufen dazu hatte ein Bündnis aus zahlreichen Göttinger Initiativen, Parteien und Kirchen.

Für einen Gänsehaut-Moment sorgte ungeplant der Chef der evagelisch-lutherischen Kirche in Göttingen, Superintendent Friedrich Selter. Er hatte vor der St-Jacobi-Kirche zu einer Schweigeminute für die im Mittelmeer getöteten Flüchtlinge aufgerufen –und alle schwiegen. Dass es genau 12 Uhr ist, hatte Selter nicht im Blick. Aber es schlugen die Glocken –passend zum Gedenken. „Die Glocken habe ich nicht orgenisiert“, sagte er. Sie seinen aber ein „schönes Zeichen, dass das Gedenken nicht ungehört“ bleibe. Zuvor hatte Selter eine „klare Einwanderungspolitik“ gefordert. Seenotrettung sei ein „Gebot der Menschlichkeit und Nächstenliebe“. Wenn Politiker in diesem Zusammenhang von“Asyltourismus“ sprechen, dann sei das „unerträglicher Zynismus“.

Selter spricht vor St. Jacobi. Quelle: Tina Hey

Auf dem Marktplatz hatten sich zuvor bereits die beiden Seenotretter Erik Marquardt und Paula Döllscher vor einer bunten Ansammlung Demonstranten für „Anstand und Mitgefühl“ ausgesprochen. Beide waren bereits im Mittelmeer auf privaten Seenot-Rettungsschiffen unterwegs. Marquardt sagte, man müsse sich für das mangelnde Mitgefühl der Politiker, die von „Asyltourismus“ sprechen, schämen. Er lud alle Politiker ein, einmal an Bord mitzufahren, und sich selbst ein Bild über die Lage zu machen. „Die Seenotrettung lässt sich nicht aufhalten, wir werden weiter retten“, sagte er. Auch Döllscher, die zweimal als Ärztin auf dem Mittelmeer im Einsatz war, sagte: „Über Seenotrettung kann man nicht streiten“. Würde man sie zur Diskussion stellen, sei das „Barbarei“.

Ähnlich argumentierte auch Thomas Harms, Lagerpastor in Friedland, der vor der Jacobikirche über das „Massengrab Mittelmeer“ sprach. Nicht die Flüchtinge seinen „die Mutter aller Probleme“, sondern der „Ausverkauf westlicher Werte“. Harms: „Seenotrettung darf nicht in Frage gestellt werden.“

Demonstration Seebrücke in der Göttinger Innenstadt. Quelle: Tina Hey

Zu der Kundgebung hatten unter anderem aufgerufen: Amnesty International – Hochschulgruppe Göttingen, Caritas, Flüchtlingsrat Niedersachsen, Innere Mission und Evangelisches Hilfswerk im Grenzdurchgangslager Friedland, Jugend Rettet Göttingen, Bündnis 90/Die Grünen, Jusos, Lampedusa-Bündnis, Our House OM10 und Refugee Network.

Was ist Seebrücke?

Seebrücke“ ist eine internationale Bewegung, die sich nach eigenen Angeben gegen die europäische Abschottungspolitik sowie gegen die Kriminalisierung der Seenotrettung im Mittelmeer richtet. Sie entstand im Frühsommer, nachdem das Rettungsschiff „Lifeline“ mit 234 Flüchtlingen an Bord tagelang am Einlaufen in einen Hafen gehindert worden war. Seitdem haben allein in Deutschland mehrere Zehntausend Menschen an „Seebrücke“-Demonstrationen teilgenommen.

Von Britta Bielefeld

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