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Göttingen Bürger und Wissenschaftler gegen Müllofen im Northeimer Süden
Die Region Göttingen Bürger und Wissenschaftler gegen Müllofen im Northeimer Süden
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20:26 19.04.2013
Umstrittenes Projekt: Direkt neben dem Northeimer Fruchthof soll eine Müllverbrennungsanlage gebaut werden. Quelle: Hinzmann
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Northeim

Die künftigen Betreiber, die Kraftwerke Northeim GmbH aus Hildesheim, wollen die Müllverbrennungsanlage zwischen dem Betrieb Umweltschutz Mitte und dem Northeimer Fruchthof errichten – unmittelbar gegenüber der Firma Contitech, die nicht nur als Abnehmer von Strom und Wärme, sondern auch als Lieferant für Plastik und Gummi als Brennstoff für das Kraftwerk im Gespräch ist. Das für die Genehmigung zuständige Göttinger Gewerbeaufsichtsamt habe bereits die emissionstechnische Unbedenklichkeit der Anlage signalisiert, erklärt Reinhard Schade von der Stadt Northeim.

40 Stoffe freigesetzt

Das sehen Northeimer Bürger und ein Göttinger Wissenschaftler ganz anders. Christian Jooß, Professor für Materialphysik an der Uni Göttingen, hält die Freisetzung von Umweltgiften auch bei moderner Filtertechnik für unvermeidbar. Bei der laut Jooß „chaotischen“ Verbrennung in einem Müllkraftwerk würden nicht nur die 40 Stoffe freigesetzt, für die Grenzwerte festgeschrieben sind, sondern 100 000 weitere Substanzen, die zum Teil hochgiftig oder krebserregend seien. Feuchtigkeit im Müll sorge dafür, dass Wasserdampf die Funktion der Filter herabsetze: „Giftstoffe rutschen dann zum Teil durch“ – darunter „Ultragifte“ wie Dioxine und Furane.

Bisher schließt eine verwaltungstechnische Veränderungssperre neue Projekte in dem betroffenen Gewerbegebiet aus: Die Stadt wollte geklärt wissen, ob die Durchlüftung des Stadtgebiets durch Neubauten beeinträchtigt werden kann. Ein neues Tüv-Gutachten schließt dies jetzt allerdings aus.

Wind über die Wohngebiete

Der Durchzug, den die Stadt für positiv hält, löst bei Bürgern Besorgnis aus. Die Abluftfahne ziehe bei den vorherrschenden Windrichtungen genau über die Wohngebiete im Südwesten Northeims und später übers Stadtzentrum, erklären beispielsweise Chantal Rorig und Walter Böker von der Bürgerinitiative gegen Müllverbrennung.

Dennoch soll die Veränderungssperre in der kommenden Woche fallen: am Dienstag, 23. April, im Bauausschuss, am Donnerstag im Rat. Dann wäre der Weg für den Müllofen frei.

Auch bei Korbach gibt es ein Conti-Heizkraftwerk. Es ist ebenfalls umstritten.

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