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Göttingen Bürgerbeteiligung für Stadthalle beendet
Die Region Göttingen Bürgerbeteiligung für Stadthalle beendet
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00:27 01.03.2018
Stadthallensanierung: Entwurf des Büros Cityförster aus Hannover – in der Bürgergunst ganz oben. Quelle: r
Göttingen

Als Publikumsliebling setzte sich bei der Fassadengestaltung der Entwurf der PFP Architekten durch. Knapp 50 Prozent der Teilnehmer (291 Ja-Stimmen bei 589 abgegebenen), die den Entwurf bewerteten, stimmten für „Gefällt mir“. Der höchste Zustimmungswert in der Konkurrenz. Der Entwurf von Reichel Architekten aus Kassel kam nur auf knapp 44 Prozent Zustimmung (231 Ja-Stimmen bei 527 abgegebenen Stimmen). Den letzten Platz der Konkurrenz in der Bürgergunst belegte das Büro Soll Sasse aus Dortmund. 34 Prozent fanden den Vorschlag gut (182 Ja-Stimmen bei 533 abgegebenen Stimmen).

Entwurf für die Stadthallenfassade vom Büro PFP Architekten aus Hamburg. Quelle: r

Zwei neue Hüllen für die Stadthalle

Die Hamburger Architekten verpassen der Stadthalle in ihrem Entwurf gleich zwei neue Hüllen. Die nach der Betonsanierung neu aufgebrachte dunkel abgedeckte Dämmung soll, so ihre Vorstellungen, mit einem auf 30 Zentimeter Abstand vorgehängten, messing-farbenen Metallgewebe bekleidet werden. „Das schafft Leichtigkeit, vermeidet Massivität und Flächigkeit und drückt die Werthaftigkeit aus, welche einer Stadthalle ansteht“, heißt es im Entwurf. Der Entwurf sieht zudem vor, eine „Stelenreihe, eine vierseitige Wandelhalle“ um die Halle zu bauen, die aus senkrechten und diagonalen Stelen aus weißem Beton besteht und so der Halle ein „modernes und eigenständiges Bild“ gibt, wie Detlef Junkers vom Büro erläutert. Die Kacheln verpflanzt der Entwurf auf das Hallendach.

In die Jahre gekommen, aber von vielen Göttingern geliebt: die Stadthalle mit ihrer markanten Fliesenfassade. Quelle: Christoph Mischke

Cityförster haben das beste Umfeld

Bei den Entwürfen für das Hallenumfeld bekamen die Cityförster aus Hannover für ihren Beitrag mit 66 Prozent die höchste Zustimmungsquote (307 Ja-Stimmen bei 465 abgegebenen Stimmen). Platz zwei und drei gehen an die Büros Bruno Fioretti aus Berlin und DeZwarteHond aus Köln. Sie erreichen knapp 40 beziehungs weise knapp 37 Prozent Zustimmung für ihre Beiträge. Die Darmstädter Planer vom Büro Prosa kommen hingegen nur auf knapp 35 Prozent.

Pläne der Cityförster: Durch den Rückbau der Stadthallen-Pergola und einen Umbau der Theaterstraße sollen Halle und Theater „großzügige, zusammenhängende und gut zugängliche Freibereiche“ bekommen. Quelle: Christoph Mischke

Vier Strategien

Vier stadträumliche Strategien verfolgt der Entwurf der Cityförster: Durch den Rückbau der Stadthallen-Pergola und einen Umbau der Theaterstraße bekommen Halle und Theater „großzügige, zusammenhängende und gut zugängliche Freibereiche“. Das Gelände an der Kreuzung Theaterstraße /Herzberger Landstraße soll „die bestehende Schwelle“ von Norden nach Süden aufheben. Es soll bis zum Cheltenhampark auf einer Länge von 100 Meter eine breite Promenade entstehen. Bislang beengte Außenflächen würden deutlich größer und die Gebäude erhielten mehr „Luft zum Atmen“, so die Planer.

Als eindeutiges Abstimmungsergebnis will die Verwaltung die Bürgerbeteiligung aber nicht sehen. „Ein die weiteren Entscheidungsprozesse vorwegnehmendes Votum ist damit nicht verbunden. Gleichwohl werden konstruktive Hinweise und Kritiken sinnvollerweise aufgenommen“, sagt Verwaltungssprecher Hartmut Kaiser. Sinn der „sehr frühzeitigen Beteiligung“ sei es, schon früh bei der Ideen- und Konzeptfindung die Öffentlichkeit einzubeziehen.

Die Gewinner stehen fest, jedenfalls aus Sicht der Bürger. Bei der Bürgerbeteiligung zur Stadthallensanierung entfallen die meisten Stimmen auf den Fassadenentwurf der PFP Architekten. Bei der Gestaltung des Hallenumfeldes liegt der Vorschlag der Cityförster vorne.

Verwaltung wertet Beteiligung aus

Jetzt gebe es zu einen ein Meinungsbild auf Grundlage einer Info-Veranstaltung und der Abstimmung im Netz, sagt Kaiser. Per Mail hätten zudem Anregungen, Fragen, Hinweise und Meinungen formuliert werden können. „Beides wird zur Zeit ausgewertet, differenziert nach Rahmenplan, Fassade, jeweils angesprochenem Büro und gegebenenfalls noch thematisch gebündelt.“ Soweit für „die weitere Bearbeitung dienlich“, würden die Ergebnisse den Büros zugeleitet. „Selbstverständlich muss es in einem solchen Verfahren den Büros überlassen bleiben, ob und in welcher Form sie sich mit diesen Anregungen auseinandersetzen“, erklärt Kaiser

Eine Jury soll nun bis Mitte April jeweils ein Büro auswählen, das mit den weiteren Planungen beauftragt werden soll. Voraussichtlich im Mai 2018 will die Verwaltung dann über das Ergebnis im Bauausschuss des Rates berichten. Der Jury als Fachpreisrichter gehören Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD), Stadtbaurat Thomas Dienberg, Maik Lindemann, Leiter Fachdienst Planung, Dinah Epperlein, Leiterin Fachbereich Gebäude, und Georg Klaus als Vertreter des Städtebaubeirates an. Ratspolitiker werden als beratende Mitglieder vertreten sein.

Bundesweite Ausschreibung

Vorab hatte es für den Wettbewerb für die Fassadengestaltung ein bundesweites Verfahren nach Vergabeverordnung gegeben, „an dem sich alle den ausgeschriebenen Kriterien entsprechenden Büros bewerben konnten“, erläutert Kaiser. Die vier Büros für die Rahmenplanung seien direkt von der Verwaltung für ein konkurrierendes Verfahren ausgewählt worden.

Bereits vor knapp vier Jahren hatte der Verein Kunst einen Wettbewerb zur Fassadengestaltung ins Leben gerufen. Gewonnen hatte 2014 der Architekturstudent Jan Peter Pfuhlmann.

„Möglichst kreative und gleichwohl umsetzbare Entwürfe“

„Es war nicht Bestandteil der Aufgabenstellung an die Fassadenplaner-Büros, vorhergehende Entwürfe aufzunehmen“, erläutert Kaiser. Vielmehr sei es darum gegangen, „auf Grundlage bestimmter Vorgaben möglichst kreative und gleichwohl umsetzbare Entwürfe zu erarbeiten“. Alle fünf Preisträger des Kunst-Wettbewerbs seien im Übrigen zur Info-Veranstaltung persönlich eingeladen worden.

Der von Teilnehmern gegenüber dem Tageblatt vorgebrachten Kritik, dass sich die Online-Abstimmung möglicherweise hat manipulieren lassen, entgegnete Kaiser: „Wir haben grundsätzlich erstmal keinen Anlass zu vermuten, dass die Teilnehmer der Bürgerbeteiligung diese mit technischen Maßnahmen manipulieren.“

Es hat Mehrfachabstimmungen gegeben

Mehrfachabstimmung habe es aber gegeben, räumte Kaiser ein. Zusätzliche Aktionen, etwa eine Registrierung vor der Abstimmung, hätten auch die Hürden dieser Form der Beteiligung höher gelegt und nicht garantiert, dass sich Teilnehmer mit mehreren E-Mail-Adressen, an mehreren Computern und Smartphones und verschiedenen Browsern registrierten und abstimmten.

„Wir haben uns deshalb gegen diese höheren Anforderungen entschieden“, sagte Kaiser. In dem Wissen, dass Nutzer auch mehrfach abstimmen konnten, werte die Verwaltung das Meinungsbild durch die Online-Abstimmung gemeinsam mit den E-Mail-Hinweisen aus und gebe das Ergebnis mit einer entsprechenden Information zu dieser Einschränkung in das weitere Verfahren. Insgesamt sind knapp 3500 Stimmen für die sieben Entwürfe abgegeben worden.

Von Michael Brakemeier

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