Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Göttingen: „Schlechtes Pflaster“ für Cybercrime
Die Region Göttingen Göttingen: „Schlechtes Pflaster“ für Cybercrime
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:08 07.11.2018
In Göttingen ermittelt die Taskforce Cybercrime. Quelle: Oliver Thiele
Göttingen

Immer mehr Kriminelle sind im Internet aktiv: Um den Tätern auf die Spur zu kommen, dafür gibt es in Göttingen eine Spezialeinheit: Die Task Force Cybercrime. Deren Leiter Oliver Knabe und sein Team beschäftigen sich täglich mit Ebay-Betrügern, Trojanern, Fake-Webshops und anderen digitalen Maschen. Aktuell ist es unter anderem „die zweite Welle“ von Erpressermails unterwegs, sagt Knabe. Die Erpresser suggerieren, dass sie peinliche Daten an alle Kontakte des Opfers schicken – beispielsweise den Besuch von Pornoseiten. „Hierbei handelt es sich nicht um Cyberkriminalität im engeren Sinne, da nichts gehackt worden ist, sondern die Täter spielen mit der Angst der Bürger, dass es so sein könnte”, sagt Knabe. Die Täter drohen mit „massiven Nachteilen” und fordern bis zu 2000 Dollar, damit sie pikante Daten nicht veröffentlichen.

Oliver Knabe, Leiter TFCC/DS Cybercrime Quelle: r

Aber auch die anderen, bekannten Maschen waren und sind nach Angaben Knabes bei der Spezialeinheit 2018 im Fokus der Ermittlungen. „Oft kommt es zu einem wellenförmigen Auftreten der Fälle”, so der Polizist. Schnelllebig wie das Netz ist nämlich auch die digitale Kriminalität. Oft ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Ermittler und der Täter um neue Techniken, das Wissen darum und die Möglichkeit, Attacken noch rechtzeitig zu verhindern.

„Die Cyberkriminellen sind professioneller geworden”, sagt Knabe. Beispielsweise bei den so genannten Phishing-E-Mails profitieren seiner Aussage nach die Täter von besserer Übersetzungssoftware. An Rechtschreibfehlern sind die E-Mails kaum mehr zu erkennen. „Oftmals sind die E-Mails sogar personalisiert, das heißt, die Empfänger werden persönlich mit Namen angesprochen”, so der Ermittler. Und die Täter werden immer dreister: Der Druck auf die Bürger wird massiv erhöht, es wird vorgetäuscht, dass der E-Mail-Account oder die Webcam gehackt worden ist. Knabe: „In der Regel ist das aber nicht der Fall”. Das gelte auch, wenn - wie aktuell - Phishing-E-Mails im Umlauf sind, die dem Empfänger einen Account mit zugehörigem Passwort präsentieren. Die Daten stammen laut Knabe aber nicht aus einem aktuellen Hack, sondern aus älteren Quellen. Immerhin: Es gibt auch Internetmaschen, die aus der Mode kommen: „Die klassische Abofalle ist mir schon sehr lange nicht mehr begegnet”. Er vermutet Gesetzesänderungen als Grund, denn Kunden in einen verbindlichen Vertrag zu locken, sei deutlich schwieriger geworden.

Cybervrime wächst „rasant“

Die Anzahl der Cybercrimedelikte ist auch nach Angaben des niedersächsischen Landeskriminalamtes in den vergangenen Jahren „rasant“ gewachsen. „Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Internetkriminalität um 30 Prozent erhöht“, sagt ein LKA-Sprecher im Sommer. Im Jahr 2017 seien 33 522 solcher Straftaten erfasst worden. Auch nach den Beobachtungen der Ermittler vom LKA verschiebt sich das ganz „normale“ Verbrechen immer weiter ins Internet. Straftaten wie Betrug, Erpressung, Raub. Selbst klassische Straftaten der Straße, wie etwa der Handel mit Drogen, verlagere sich dorthin.

Risiken des Internets der Dinge IoT

Knabe rechnet für die Zukunft mit einem weiteren großen Thema: „Die Möglichkeiten und Risiken, die das Internet der Dinge - Internet of things IoT - bietet”, sagt er. Denn: „Immer mehr Geräte in der analogen Welt werden mit dem Internet verbunden, dadurch von der Ferne steuerbar und aber auch angreifbar”, sagt der Spezialist. Nicht nur Alexa macht dann vielleicht die Terrassentür auf.

Die 17 – und bald 18 Mitarbeiter der Taskforce haben also alle Hände voll zu tun. Jährlich werden dort „mehrere größere Ermittlungskomplexe, mit intensiven Ermittlungen” organisiert. Zudem, so Knabe, arbeitet das Team den „täglichen” Computerbetrug“ ab und berät Firmen, Bürger und Kollegen. Der Leiter der Kriminalpolizei Göttingen, Kriminaldirektor Thomas Breyer sagt: „Die Task Force Cybercrime hat sich in Göttingen bewährt. Analysten, Techniker, Ermittler und Informatiker ziehen an einem Strang. So wird es den Ganoven schwerer gemacht, unerkannt zu bleiben.“ Göttingen, so Breyer, wird auch künftig zukünftig „ein schlechtes Pflaster für Cyberkriminelle” sein.

Von Britta Bielefeld

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Göttingen Gedenkfeiern zur Pogromnacht 1938 - Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus

Um an die reichsweite Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 und deren Opfer zu erinnern, finden am Freitag, 9. November, in Stadt und Region Göttingen mehrere Gedenkveranstaltungen statt.

07.11.2018
Göttingen Unterkunft am Schützenanger - Schimmelproblem in Flüchtlingsheim

Die Stadt hat ein Schimmelproblem: 40 von 100 Plätzen in der Flüchtlingsunterkunft am Schützenanger sind wegen Schäden unbewohnbar. Nicht nur für diese Plätze sucht die Verwaltung Ersatz.

07.11.2018
Göttingen Landgericht Göttingen - Neue Schöffen gewählt

Die Schöffenwahl 2018 am Landgericht Göttingen ist abgeschlossen. Gewählt wurden 102 Hauptschöffen und 100 Hilfsschöffen.

07.11.2018