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Göttingen Für feine und gebildete Damen des Ostviertels
Die Region Göttingen Für feine und gebildete Damen des Ostviertels
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00:17 09.10.2016
100 Jahre besteht die Villa Am Goldgraben 14. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

 „Der Bauherr, Professor Erwin von Esmarch, hatte fünf Kinder“, berichtete der Geschäftsführer des Vereins, Hartmut Wolter, den 40 Teilnehmern. Für die Kinder sei im Keller der repräsentativen Villa ein Raum zum Toben geschaffen worden. „Der Professor starb 1915 mit 60 Jahren“, führte Wolter aus. Die Familie habe die Villa nicht halten können und 1918 an Freiherr Hermann von Siller verkauft.

Sechs Kinder groß gezogen

„Oberpräsident von Siller hatte einen behinderten Sohn, der in den Bodelschwinghschen Anstalten in Bielefeld lebte“, sagte der Geschäftsführer. Dort habe sich die Sonderschullehrerin Magdalena Hilgemann um das Kind gekümmert. Dann habe die Familie den Jungen zurück nach Göttingen geholt und die junge Frau als Gesellschafterin engagiert. „Von 1924 bis 1926 hat Hilgemann für Kost und Loge für Sillers gearbeitet“, erklärte Wolter. 1932 habe sie den Diakon Bernhard Groeneveld geheiratet und sechs Kinder groß gezogen. Von einem der Söhne, Sigmar Groeneveld, habe er die Informationen, sagte der Geschäftsführer.

30 Jahre Freie Altenarbeit

Angebote für Beratung, Bildung und Betreuung von Senioren bietet der Verein Freie Altenarbeit Göttingen, der in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert. Er hat Projekte wie das Göttinger Zeitzeugenprojekt, die monatlichen Erzählcafés sowie Biografiegruppen initiiert. Der Verein engagiert sich zudem für eine qualifizierte häusliche Pflege durch Fachkräfte der Altenpflege. Als Projektträger managt er die Alten-WG Am Goldgraben 14, so er seit 1994 über Räume verfügt. Geschäftsführer Hartmut Wolter hat sein Büro im früheren Kokskeller des Hauses.

Nach dem Tod des Oberpräsidenten kam das Gebäude 1932 in den Besitz der Stadt, die dort „für feine und gebildete Damen des Ostviertels“ bis 1991 das Drewes-Stift betrieb, erzählte die Pflegehistorikerin Nina Grabe. Eine städtische Fürsorgerin habe jeweils das Aufnahmegespräch geführt. Die 19 Einzelzimmer der Jugendstilvilla seien begehrt gewesen. Es habe lange Wartelisten gegeben.

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© Christina Hinzmann

An die Köchin und die Hausmädchen seien strenge Maßstäbe gelegt worden. Zum Teil hätten die Angestellten alle zwei Monate gewechselt. Die Stadt habe in den 50er-Jahren noch zwölf weitere Altersheime betrieben. „In der Angerstraße gab es eines für sogenannte Asoziale und Trinker“, berichtete Grabe. Dort hätten jeweils zehn Personen in zwei Schlafsälen übernachtet. In den beiden Wachräume sei es immer wieder zu handfesten Streitereien gekommen, etwa über die Frage, ob das Fenster offen oder geschlossen sein sollte. 1991 habe die Stadt das Heim Am Goldgraben aufgegeben, weil sich dort keine pflegebedürftigen Menschen betreuen ließen. Seit 1993/94 nutze eine Seniorenwohngemeinschaft, die Alten-WG, die Villa.

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