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20:56 16.03.2015
Im Untergrund: Stilles Örtchen hinter dem Alten Rathaus. Quelle: Wolf
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Göttingen

Andrea Heise hat die Toilette eines Göttinger Warenhauses gepachtet, die sie mit zwei weiteren Reinigungskräften sauber hält. Die meisten Kunden, die die Toilette benutzten, seien höflich, sagt sie. „Nur wenige machen sich aber Gedanken darüber, wie sie die Toilette verlassen.“ Heise bemängelt auch, dass sich viele Leute einfach davonschlichen, ohne zu bezahlen. Das sei für die Betreiber öffentlicher Toiletten bitter, schließlich müssten sie von den Einnahmen – ein Toilettengang kostet in Göttingen 30 bis 50 Cent – auch ihre Angestellten bezahlen. Das bestätigt auch eine andere, männliche Reinigungskraft: „Viele denken nicht darüber nach, dass sie auch zu Hause für Wasser und Reinigungsmittel Geld ausgeben müssen.“ Manche Nutzer würden ihn gar beschimpfen, wenn er sie auf die Bezahlung aufmerksam machen würde.

Es gibt aber noch weitaus größere Probleme. Heise berichtet, dass es immer wieder vorkomme, dass Nutzer versuchten, Unterwäsche oder Strumpfhosen in den Klos zu versenken. Neben dem ungeheuren Aufwand, diese Utensilien wieder aus den Klos herauszubekommen, und dem großen Wasserverbrauch stellt dies auch eine Gefahr für die Hauskanalisation dar. Die dünnen Rohre könnten leicht verstopfen.

Richtig unappetitlich wird es oft für die Reinigungskräfte der Bahnhofstoilette. Vor allem dann, wenn Leute versuchen, aufblasbares Sexspielzeug, das es in der Bahnhofstoilette im Automaten zu kaufen gibt, das Klo hinunterzuspülen. Die Reinigungskräfte müssen dieses vor allem am Wochenende dann wieder aus der Schüssel fischen. Viele Menschen verbrauchten bei ihrem Toilettengang zudem Unmengen an Wasser, hat eine von ihnen beobachtet. „Vor allem Kinder spielen gerne mit der Spültaste“, sagt sie.

Was in der Toilette landet, kommt irgendwann in der Abwasserreinigungsanlage der Göttinger Entsorgungsbetriebe an. Hier wird das Abwasser aufbereitet und gesäubert in die Leine abgeleitet. Mitarbeiter Thomas Reichardt erklärt, dass große Dinge wie Damenbinden oder Essensreste herausgefiltert würden. „Alles, was nicht organisch ist, wird aussortiert.“ Vor allem die kleinen Wattestäbchen machten Probleme. „Sie sind so dünn, dass sie leicht mal durchflutschen können“, sagt Reichardt. Sie landeten dann als störende Beilage im Faulschlamm. Reichardts Appell: „Die Toilette sollte man nicht als Abfalleimer benutzen.“

Das erhoffen sich auch die Reinigungskräfte in Göttinger Toiletten. Vor allem aber wünschen sie sich ein bisschen mehr Anerkennung für ihren Beruf.

Welttoilettentag

Seit 2001 ist der 19. November offizieller Welttoilettentag. Die Ausrichter, UN und Welttoiletten-Organisation, wollen weltweit die sanitären Bedingungen verbessern. Schließlich gibt es rund 2,6 Milliarden Menschen, die keinen Zugang zu einfacher Sanitärversorgung haben. Krankheiten sind die Folge, an denen jedes Jahr viele 100 000 Menschen sterben.

Von Tanja Wolf

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