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Göttingen „Das ist ein Schaden für unsere Kirche“
Die Region Göttingen „Das ist ein Schaden für unsere Kirche“
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19:30 11.11.2009
Volles Haus: Bei der Versammlung der St.-Mauritiuskirchengemeinde in Hardegsen werden die Stühle knapp. Quelle: Mischke
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Für die Mehrheit im übervollen Muthaussaal kommt Konnerths Entscheidung überraschend. „Wir werden Hardegsen verlassen“. Das habe er mit seiner Frau beschlossen. Als er im November 2004 in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Hardegsen mit Trögen-Üssinghausen angefangen habe, habe er den Konflikt bereits vorgefunden: „Meine Kräfte reichen nicht mehr, diesen Weg zu Ende zu gehen.“ Unter Tränen fährt er fort: „Es gab so viele gute Begegnungen hier, die werde ich nie vergessen.“ Mit Beifall zollen die Hardegser ihm Respekt für eine Entscheidung, die kaum einer wahrhaben will. Viele Menschen seien ins Muthaus gekommen, um eben diesen Schritt zu verhindern, sagt einer. „Super gemacht“, kommentiert ein anderer zynisch: Schon eine Reihe von Pastoren seien in Hardegsen „verschlissen“ worden. „Die Masse weiß ja gar nicht, was in Hardegsen eigentlich los ist.“

Auch diesmal wollte der Kirchenvorstand verhindern, dass der Konflikt, über den schon in Zeitungen und Radio berichtet wurde, noch öffentlicher wird. Vor Beginn der Versammlung haben die Kirchenvorstandsvertreter „zum Schutz der Menschen“ versucht, dem NDR-Fernsehen den Zugang zum Saal zu verwehren. Doch Michael Lindenau vom NDR besteht auf einer Abstimmung im Plenum, die sehr eindeutig für die Präsenz des Fernsehens ausfällt.

Die Stimmung im Saal scheint klar. „Ich bin hier, weil ich Pastor Konnerth unterstützen möchte“, sagte eine Frau. Seit 30 Jahren gebe es Probleme mit dem Kantor, weil er einen Pastor nach dem anderen vergraule, schildert eine andere. „Die Kirche gehört der Gemeinde und nicht einem einzelnen Mann“, betont sie. „Wir wollen unseren Pastor behalten“, bringt eine Seniorin den Wunsch vieler auf den Punkt. „Daniel, wir finden dich super“, loben die Konfirmanden ihren Pastor.

„Schlecht vertreten“

Auch der Kirchenvorstand hatte erklärt, er wolle Konnerth halten. Dessen Erklärung, Hardegsen zu verlassen, nimmt er als Zeichen dafür, „wie wenig Kommunikation es gab“. Doch immer wieder machen die Menschen deutlich: Sie fühlen sich vom Kirchenvorstand schlecht vertreten. Tosenden Applaus erhält eine Rednerein, die den Rücktritt des gesamten Vorstands fordert. Einige sprechen davon, aus der Kirche auszutreten, andere wollen die Gemeinde wechseln.
„Jedes Ding auf dieser Welt hat zwei Seiten“, mit diesen Worten stellt sich Kantor Gerhard Ropeter der Masse. „Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie viele Tränen in den vergangenen Wochen im Hause Ropeter geflossen sind“, beschreibt er und muss dafür Gelächter hinnehmen. In einer Stadt, die gebeutelt sei vom Fortzug, müsse man sich wie im Chor um die Kinder kümmern. Keinen Zweifel gibt es an der Qualität seiner Arbeit. Einzelne Fürsprecher stellen die Arbeit mit der Kantorei sehr positiv dar.

Bis auf wenige Gefühlsausbrüche bleibt die Versammlung unter der Leitung des stellvertretenden Superintendenten Bernd Ranke ruhig. „Das ist ein Schaden für unsere Kirche“, kommentiert Superintendent Heinz Behrends den Streit: „Dieser Konflikt ist durch Gespräche nicht zu klären.“ Hier müsse über Strukturen nachgedacht werden, gibt Konnerth den Hardegsern mit auf den Weg. „Ich möchte so gerne Pastor für alle sein. In Hardegsen kann ich es nicht mehr“, erklärt er den Schritt, den alle bedauern. „Kämpfen Sie für diese Gemeinde. Vielleicht gibt es dann ja einen Neuanfang, das ist meine Hoffnung.“ Dass er die Pfarrstelle verlässt, daran lässt er keinen Zweifel.

Von Ute Lawrenz

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