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Göttingen „Das nächste Überraschungsei kostet neun Monate Knast“
Die Region Göttingen „Das nächste Überraschungsei kostet neun Monate Knast“
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00:19 30.05.2013
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Und dann kommt noch eine emotionslos dahergesagte Entschuldigung, die ihre Opfer nie erreichen wird: „Kommt nich’ wieder vor.“

Auch Holger Klein von der Jugendgerichtshilfe ist der 20-Jährigen troz allen Bemühens nicht nahe gekommen. „Es wird kein Einblick gewährt“, sagt er. Sie habe sich in ihrer großen Familie so eingerichtet, dass sie „unsicher und antriebslos, aber nicht unglücklich“ die Dinge auf sich zukommen lasse.

Jetzt sitzt die 20-Jährige also vor dem Jugendschöffengericht Northeim und wird wegen dreier gemeinschaftlicher Einbrüche in Hannover verurteilt. Mit zwei Frauen – eine schon erwachsen und wie sie aus Northeim, die andere aus Köln – ist sie nach Hannover „zum Shoppen“ gefahren. Doch wovon shoppen, so fragen die Richter, wenn man von Sozialhilfe lebt? Und warum in Hannover? Warum mit Scheren in der Tasche?

Die Scheren waren hilfreich, als die jungen Frauen nacheinander in drei Wohnungen in Mehrfamilienhäusern die Türen aufbrachen. In einem Fall scheiterte der Versuch, in den anderen stahl das Trio Schmuck wie Ringe, Armbänder, Ohrringe, ein Collier und Parfüm.

Nicht mit Nachbarn gerechnet

Doch hatten die Diebinnen nicht mit einer aufmerksamen Nachbarin gerechnet, die misstrauisch wurde, als sie das Frauen-Trio im Treppenhaus sah, dann den Einbruch bemerkte und die Polizei rief. Ganz in der Nähe beim nächsten Versuch konnten die Einbrecherinnen auf frischer Tat festgenommen werden. Weil die 20-Jährige noch heranwachsend ist, steht sie in ihrer Heimatstadt nun wegen bandenmäßigen und gewerbsmäßigen Einbruchdiebstahls vor Gericht.

Das mit der Bande ist schnell vom Tisch, ebenso die Gewerbsmäßigkeit. So schnell wird man nicht zur Bande, wenn man zu dritt drei Taten in kurzer Zeit begeht. Und dass aus diesen der Lebensunterhalt gesichert wurde, lässt sich nicht nachweisen.

Mehr interessiert die Richter, wieso aus der jungen Frau eine Diebin wurde. Zwei Vorstrafen wegen Diebstahls und Einbruchs stehen schon in ihrem Register. Dabei sei sie „eigentlich ein intelligentes und nettes Mädchen“, sagt der Jugendgerichtshelfer. Die Hauptschule habe sie geschafft, aber niemals eine Ausbildung oder Arbeit angefangen. Nicht einmal zur Berufsschule sei sie gegangen.

Leben von Sozialhilfe

Sozialhilfe werde gezahlt, das Arbeitsamt kenne die junge Frau gar nicht. Bei den Behörden sei sie „offenbar durch alle Roste gefallen“. Bewerbungen hätten nie Erfolg gehabt, wohl, weil sie staatenlos ist. Die Mutter stamme aus Bosnien, der Vater sei unbekannt verschwunden. Der ganze Familienclan lebe von staatlichen Hilfen. Ja, habe es denn nie Auflagen gegeben – „von wegen fördern und fordern“ – will ein Schöffe wissen. Schulterzucken. „Wie  stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?“ „Dazu möchte ich nichts sagen.“

Es folgt das Urteil: Die 20-Jährige wird zu neun Monaten Jugendstrafe verurteilt. Staatsanwältin und Richter beurteilen ihre bisherigen Diebstahlstaten als Ausdruck „schädlicher Neigungen“. Sie habe „einige kriminelle Energie an den Tag gelegt“, sagt Richter Sönke Andresen, und dass die Taten der Angeklagten leid tuen, glaube das Gericht ohnehin nicht.

Immerhin: Das Jugendschöffengericht setzt die Freiheitsstrafe noch einmal zur Bewährung aus und erlegt ihr als Auflage sechs Monate sozialen Trainingskurs und 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit auf.

Zum Finale folgt ein Stakkato des Richters: „Bei der nächsten Straftat sperre ich Sie ein. Wenn Sie klauen, wird die Bewährung widerrufen und es geht ins Gefängnis. Das nächste Überraschungsei kostet neun Monate Knast.“ Und er steigert sich noch: „Kein Trainingskurs: Knast! Keine Arbeitsstunden: Knast! Falls ich Sie je hier wiedersehe: Knast!“

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