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Göttingen Demonstration gegen Rechts
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20:19 25.04.2018
Unter dem Motto „Unsere Zukunft - Unsere Stadt!“ ziehen Demonstranten durch die Göttinger Innenstadt. Quelle: Pförtner
Göttingen

Jetzt aber feierten die etwa 500 Teilnehmer der „antifaschistischen Jugenddemo“ bei strahlendem Sonnenschein das Nichterscheinen der Rechten. Statt der für diesen Tag ursprünglich vorgesehenen mehr als 2000 Polizisten geleiteten lediglich eine Hand voll Beamter sichtbar den Demonstrationszug auf seiner Route vom Gänseliesel bis zum Schützenplatz. Ihre Kollegen hielten sich auffällig dezent im Hintergrund.

„In den vergangenen zweieinhalb Jahren haben Neonazis immer wieder versucht, gegen das rote Göttingen anzurennen – ohne Erfolg“, schallte es aus dem Lautsprecherwagen. Und auch an diesem Tag hätte die Polizei Hundertschaften aufgeboten, „nur damit die Nazis Invasion spielen können“, so eine Demonstrationsteilnehmerin. Doch dazu kam es nicht.

Der Grund für die Absage ist weiterhin unklar. Spekulationen, nach denen es sich bei der Anmeldung lediglich um eine Provokation gehandelt habe, versuchte Versammlungsleiter Jens Wilke über die sozialen Netzwerke zu zerstreuen. Es sei weder darum gegangen, zu zeigen, wie leicht eine Demo in Göttingen durchzukriegen ist, noch darum, den gesamten „Apparat aus Stadt, Polizei, Presse, Gutmenschen und Zecken aufzuscheuchen“, heißt es auf Facebook. Man sei traurig, und habe sich sehr darauf gefreut. Nach Tageblatt-Informationen könnte ein Zerwürfnis zwischen den Verantwortlichen und möglichen Teilnehmern des Aufmarschs der Grund für die Absage gewesen sein. Bestätigt ist auch das nicht.

Abgesagte Demo kostet 300 000 Euro

Wie am Mittwoch bekannt wurde, kam die angekündigte, beantragte und genehmigte, dann aber wieder abgesagte Demonstration der rechtsextremen Splitterpartei die Polizei dennoch teuer zu stehen. Nach Angaben der Polizei kostete sie etwa 300 000 Euro, obwohl sie gar nicht stattgefunden hat. Kosten in dieser Höhe sind für gebuchte Hotels, bestellte Verpflegung, Personalkosten, den Vorbereitungsstab und Zuarbeiter entstanden, teilte die Leitung der Polizeiinspektion Göttingen mit.

Inspektionsleiter Thomas Rath bezifferte im einzelnen die Kosten, die auch ohne tatsächliche Demo angefallen sind beziehungsweise anfallen werden. Demnach müssen für die Personalkosten, den Vorbereitungsstab und Zuarbeiter etwa 200 000 Euro ausgegeben werden. Die Sachkosten für bereits gebuchte Hotels und bestellte Verpflegung belaufe sich auf etwa 100 000 Euro. Die Hotelkosten sind diesmal deshalb so hoch, weil gleichzeitig die Hannover-Messe stattfindet und das Hotelzimmer-Preisniveau in der gesamten Region dadurch stark angestiegen ist.

Im Einsatzfall eine Millionen Euro Personalkosten

Der Kostenaspekt im Zusammenhang mit der „Rechte“-Demo lässt sich allerdings auch andersherum rechnen. „Wäre es zum Einsatz gekommen“, erläutert Inspektionschef Rath, „wären rechnerisch Personalkosten in Höhe von etwa einer Million Euro entstanden.“

Nicht bezifferbar ist der Ärger von Polizeibeamten über private und sonstige Planungen, die nun durch die Absage über den Haufen geworfen wurden. In den Berechnungen ebenfalls nicht enthalten sind die Kosten für Verwaltungsakte, gerichtliche und anwaltliche Vorgänge, Vorbereitungen von Verwaltungsseite für Straßensperrungen und Umleitungen und dergleichen.

Mobilisierung für Goslar

Während ursprünglich „Die Rechte“ ihren Aufmarsch in Göttingen als Vorbereitung auf den sogenannten „Tag der deutschen Zukunft“, einer Zusammenkunft der rechten Szene in Goslar angekündigt hatte, nutzten diese Gelegenheit jetzt die Gegendemonstranten. Ein Gastredner aus Goslar warb um rege Teilnahme an den geplanten Gegenprotesten am 2. Juni. „Keinen Fußbreit den Faschisten – nicht in Göttingen, nicht in Goslar und sonstwo“, lautete sein Schlachtruf.

Von Markus Scharf

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