Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Kampf gegen Abschiebungen
Die Region Göttingen Kampf gegen Abschiebungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:56 18.02.2019
Demo gegen Abschiebung in der Göttinger Innenstadt. Quelle: Foto: Hinzmann
Göttingen

Mit einem Rundmarsch durch die Göttinger Innenstadt bis zum Neuen Rathaus haben am späten Montagnachmittag etwa 250 Menschen gegen Abschiebungen demonstriert. Die Demonstration verlief friedlich.

Bereits zum 21. Mal habe es heute eine Sammelabschiebung nach Afghanistan gegeben, verkündete ein Sprecher über Lautsprecher vor dem Gänseliesel auf dem Göttinger Marktplatz. Oben auf einem VW-Bus waren die großen Boxen installiert. Bei dem Rundmarsch über die Weender Straße, die Prinzenstraße, die Gotmarstraße, die Groner Straße und die Kurze Geismarstraße bis zum Hiroshimaplatz schallten immer wieder Parolen aus den Lautsprechern –und zu Beginn gleich „Bella Ciao“, das das italienische Kampflied der italienischen Partisanen im Zweiten Weltkrieg, dass sich später zu einer antifaschistischen Hymne entwickelte.

Abschiebungen sind erniedrigend“

„Keine Abschiebung, nirgendwo“, forderten die Demonstranten, die teils als Asylbewerber in Göttingen leben, teils sich als ihre Unterstützer für die Belange der Geflüchteten einsetzen. Ganz vorne an der Spitze marschierten einige Vermummte, weiter hinten eine Band, gekleidet mit rosafarbenen Accessoires, die mit Trommeln und Trillerpfeife den Zug rhythmisch unterstützten. Vor allem die Unterstützer sind im Bündnis gegen Abschiebung organisiert, das diese Demonstration wie schon zahlreiche vorher organisiert hat.

Abschiebungen sind erniedrigend“, sagte ein Sprecher des Bündnisses, verstärkt über die Lautsprecher schallte der Satz über den Marktplatz. Auf eine Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezog er sich, die gesagt habe, Deutschland solle konkurrenzfähiger werden. Das, so der Sprecher, bedeute, das Deutschland Zugang zu allem beanspruche. „Das geht auf Kosten der armen Bevölkerung in Asien und Afrika“, meinte der Bündnis-Sprecher. Und: „Wir sind solidarisch mit allen Geflüchteten.“

Sänger einer Geflüchteten-Band

„Nicht die Geflüchteten sind das Problem, sondern der Kapitalismus“ stand auf einem Transparent zu lesen. Andere Plakate verkündeten Ähnliches. Der afrikanische Sänger einer Geflüchteten-Band sang ein Lied in seiner Landessprache und eine junge Frau aus Afghanistan sprach zu den Demonstranten, ebenfalls in ihrer Landessprache. Ihr Redebeitrag wurde anschließend übersetzt.

Seit eineinhalb Jahren sei sie in Deutschland, erklärte sie. Und sie könne aus eigener Anschauung sagen, dass Afghanistan, anders als von den Abschiebungsbehörden behauptet, kein sicherer Ort sei. Vor allem Frauen müssten dort um ihr Leben fürchten. Nase und Ohren würden ihnen abgeschnitten, sie würden gesteinigt, erhängt und zu Tode getrampelt und Opfer von Massenvergewaltigungen. „Afghanische Frauen müssen am meisten um ihr Leben fürchten, sagte die Frau. Seit mehr als vier Jahrzehnten herrsche in Afghanistan Krieg, aber „wir sind auch Menschen. Die ganze Welt ist unser Zuhause, das lassen wir uns nicht wegnehmen.“

„Sicheren Hafen für Flüchtlinge“

Der Demonstration angeschlossen hatte sich das sogenannte Lampedusa-Bündnis. Ein Sprecher des Zusammenschlusses sprach am Nabel auf der Kreuzung Weender und Prinzenstraße zu den Demonstranten, die an diesem zentralen Ort der Innenstadt angehalten hatten. Er erzählte, dass das Bündnis „einen sicheren Hafen für Flüchtlinge“ fordere. Gerade sei Hannover zum sicheren Hafen ausgerufen worden. Andere Städte in Niedersachsen wie Braunschweig hätten das ebenfalls getan. Göttingen habe sich dem bislang verweigert, sagte der Sprecher. Er forderte den Stadtrat und Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler auf, sich ebenfalls für die Geflüchteten im Mittelmeer zu engagieren. Göttingen solle eine Patenschaft für ein Seenotrettungsschiff übernehmen und Geflüchtete aufnehmen.

Von Peter Krüger-Lenz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

„Trittin trifft: Welt gerettet? Konsens, Protest, Konflikt: Klimapolitik nach der Kohlekommission“ ist das Thema am Montag, 18. März, im Jungen Theater Göttingen. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr.

18.02.2019
Göttingen Göttinger Verkehrsbetriebe - Kundenzentrum wieder eröffnet

Das neue GöVB-Kundenzentrum, Groner Straße 40, hat den Betrieb aufgenommen. Tickets für Stadtrundfahrten mit dem Londonbus sollen ab April wieder angeboten werden.

18.02.2019

Für ein dauerhaftes Investitionscontrolling hat sich der Rat der Stadt Göttingen ausgesprochen. Vierteljährlich soll die Stadtverwaltung Rechenschaft ablegen.

21.02.2019