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Göttingen Kundgebung sorgt für Gegenproteste
Die Region Göttingen Kundgebung sorgt für Gegenproteste
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18:07 11.10.2017
Die Gegenproteste Quelle: Christoph Mischke
Göttingen

Am Albaniplatz standen sich am Dienstagnachmittag Rechtsextremisten und Gegendemonstranten gegenüber – getrennt von einem großen Polizeiaufgebot. Kundgebung und Gegendemonstrationen verliefen ohne größere Zwischenfälle, wie die Polizei mitteilte.

Die rechte „Volksbewegung Niedersachsen“, früher „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“, hatte zu ihrer Kundgebung unter dem Motto „Freiheit für alle Patrioten - Schluss mit linker Gesinnungsjustiz“ sechs Teilnehmer mobilisiert. Anlass war ein Prozess vor dem Göttinger Landgericht gegen ein „Volksbewegungs“-Mitglied, gegen das am Dienstagvormittag bis in den Nachmittag hinein verhandelt worden war. Der Angeklagte in dem Berufungsverfahren befand sich denn auch unter den sechs Kundgebungs-Teilnehmern.

Den Rechtsextremen standen an der nordwestlichen Ecke der Stadthalle etwa 300 Gegendemonstranten gegenüber, die mit Trillerpfeifen, Sprechchören und Tröten versuchten, die „Volksbewegungs“-Sprecher zu übertönen. Getrennt wurden beide Gruppen durch ein massives Polizeiaufgebot.

Zu Beginn beschallte die „Volksbewegung“ den Platz. Danach verkündete die Polizei, sie werte die nicht angemeldete Gegenkundgebung nunmehr als Spontanversammlung und forderte, einen Versammlungsleiter zu benennen, andernfalls werde gegen die Menge Gewalt eingesetzt. Der zweimalige Aufruf blieb jedoch ohne Reaktion, aber auch ohne das angekündigte Vorgehen der Polizei.

Stattdessen begann die „Volksbewegung“ mit verschiedenen Reden, von denen kaum etwas zu verstehen war. Hauptredner war „Volksbewegungs“-Mitglied Jens Wilke, der lautstarke Proteste der Gegenseite provozierte.

Zu besonderen Zwischenfällen kam es bei der Kundgebung am Albaniplatz augenscheinlich nicht. Auf dem Friedländer Weg versuchten einige Gegendemonstranten, unter dem Motto „Anhalten gegen Rechts“ den Verkehr zu blockieren. Dieses Ansinnen wurde jedoch schnell von der Polizei unterbunden.

Eine halbe Stunde vor dem geplanten Ende der rechten Kundgebung machte die „Volksbewegung“ Schluss mit dem Abspielen der deutschen Nationalhymne in ihrer gesungenen Version – einschließlich aller Strophen. Vorher hatte Wilke noch angekündigt, dies sei nicht die letzte Veranstaltung in Göttingen gewesen: „Wir kommen wieder.“ Kurze Zeit später stiegen die sechs „Volksbewegungs“-Mitglieder in ihren Lautsprecherwagen und fuhren unter Gejohle und Pfiffen von dannen, vor den Gegendemonstranten geschützt von der Polizei. Zufrieden zeigte sich allein die Politsatire-Organisation „Die Partei“, die ab Mittag eine „Braunbären-Safari“ durchs Stadtgebiet abgehalten hatte. An der Stadthalle sei man endlich fündig geworden, erklärte „Partei“-Sprecher Christian Prachar, der sich über „sechs Exemplare, und die auch noch sicher eingezäunt“ freute.

Wie auch bei bisherigen Kundgebungen der „Volksbewegung“ und des ehemaligen „Freundeskreises“ war auch diesmal ein „Redebewerter“ der Polizei anwesend, der die Beiträge auf strafrechtlich relevante Inhalte prüft.

Gesamteinsatzleiter Rainer Nolte von der Polizeiinspektion Göttingen zeigte sich am Abend mit dem Einsatzverlauf zufrieden. „Unser vorrangiges Ziel, ein Aufeinandertreffen der beiden konträren Parteien und damit körperliche Übergriffe zu verhindern, haben wir heute erreicht. Ich führe den positiven Verlauf neben unserer mittlerweile bewährten Einsatzstrategie (...) insbesondere auf das sehr souveräne, professionelle und besonnene Handeln aller Einsatzkräfte zurück“, wurde Nolte in einer Pressemitteilung zitiert. Mehrere hundert Beamte, unter anderem von der Zentralen Polizeidirektion aus Braunschweig, Hannover und Göttingen, waren demnach am Dienstagnachmittag im Einsatz.

Neben dem Göttinger „Bündnis gegen Rechts“ und anderen Gruppen hatte auch das Göttinger Bündnis „Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus“ zu Gegenprotesten am Albaniplatz aufgerufen.

Von Matthias Heinzel und Britta Eichner-Ramm

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