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Göttingen Diabetes-Zentrum schließt
Die Region Göttingen Diabetes-Zentrum schließt
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00:19 25.09.2017
Bei schwereren Fällen müssen Diabetiker Insulin spritzen. Quelle: 6okean - Fotolia
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Göttingen/Adelebsen

Bereits geschlossen sind die Außenstellen des Medizinischen Diabetes-Verorgungszentrums (MVZ) in Adelebsen und Holzminden. Alle Niederlassungen hatten zusammen 1500 bis 2000 Patienten betreut. Alle Räume sind gekündigt, sämtliches Personal ist entlassen, die Göttinger Praxis schließt als letzte am 30. September.

Das reiße eine fatale Lücke in die spezielle Versorgung der von der Volkskrankheit betroffenen Diabetiker in der Region, meinen Patienten. Es bestehe ein großer Bedarf an einer spezialisierten Fachbetreuung der vielen Diabetiker in der Region, meint eine Patientin. Es sei unverständlich, dass kein Ersatz geschaffen, sondern „die Abteilung rigoros geschlossen wird“. Den Grund vermuten einige Patienten in Differenzen zwischen dem Vorstand des MVZ und dem leitenden Arzt.

Betroffene ärgern sich auch darüber, dass die Schließung des Versorgungszentrums nicht öffentlich gemacht wurde und nur auf Vorhaltungen bestätigt wurde. Niemand wisse, was jetzt mit den Unterlagen der Patienten geschehe. Unerklärlich bleibe auch, weshalb die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) bei diesem offenkundigen Missstand nicht eingreife.

In diesem Punkt irren die Kritiker der Schließung: Die KVN hat eingegriffen, allerdings in gänzlich anderer Richtung als von den Patienten erhofft. Es sei die KVN gewesen, die den Antrag zur Entziehung der Zulassung und damit zur Schließung des Versorgungszentrums gestellt habe, erklärt Harald Jeschonnek, Geschäftsführer der Bezirksstelle Göttingen der Kassenärztlichen Vereinigung. Der Zulassungsausschuss, in dem Vertreter der Ärzteschaft über die KVN und Vertreter der Krankenkassen gemeinsam entscheiden, habe diesem Antrag entsprochen. Dem sei nicht wirdersprochen worden, erklärt Jeschonnek.

Zu den Gründen für die Schließung hält sich Jeschonnek bedeckt. Es habe „Probleme“ gegeben, erklärt der Göttinger KVN-Chef nur. Genaueres könne er nicht mitteilen, weil es sich dabei um vertrauliche Sachverhalte handele. Von der MVZ-Schließung betroffenen Patienten empfiehlt Jeschonnek, sich mit dem jeweiligen Hausarzt in Verbindung zu setzen, um die Modalitäten der weiteren Behandung ihrer Krankheit zu besprechen.

Außerdem sei es nicht richtig, dass das Diabetes Versorgungszentrum in der Göttinger Theaterstraße samt seiner Außenstellen ohne jeden Ersatz geschlossen werde, erklärt Jeschonnek weiter. Nur nicht in der bisherigen Form: Stattdessen sollen Hausarztpraxen mit dem Schwerpunkt Diabetes geschaffen werden. Dafür sei die Stelle des bisherigen MVZ-Arztes bereits ausgeschrieben. In Holzminden habe ein Arzt bereits interesse bekundet. Der Göttinger KVN-Chef geht davon aus, dass über diese Nachfolgelösungen die Betreuung der Diabetiker in der Region gesichert werden kann.

Diabetes – die Unfähigkeit des Körpers, im Stoffwechsel ausreichend Zucker abzubauen – ist eine Volkskrankheit: Derzeit werden in Deutschland etwa 20 Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen für die Behandlung der Zuckerkrankheit und ihrer Begleit- und Folgeerkrankungen aufgewendet. Die Ausgaben für die Behandlung von Diabetes und dessen Folgen beliefen sich im Jahr 2005 auf etwa 25 Milliarden Euro. Diese Summe wird bis zum Jahr 2010 auf etwa 40 Milliarden steigen, vermuten Experten.

Von Matthias Heinzel

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