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Göttingen Die Legende lebt
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18:50 30.12.2009
Volle Tanzfläche in der Tangente heute: Tanzen, feiern, rocken bis 5 Uhr morgens. Quelle: EF
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Discos kommen und gehen: Im Scotch Club, im Clochard oder im Pink feierten die Göttinger in den 1970er und 80er Jahren. Sie sind Dancefloorgeschichte. Eine Legende lebt: die Tangente in der Goetheallee.

Ein 20-minütiges Genesis-Stück, vom Discjockey anmoderiert, dazu ein Cola-Weinbrand, Karottenjeans und Muscleshirt: Das war einmal. Vor fast 30 Jahren, im Mai 1981 eröffnet die Tangente als Nachfolger des Clochard. Ein 20-Minuten-Song mit Ansage? „Heute ist das natürlich undenkbar“, sagen Tangenten-Besitzer Ralph-Günter Thormeyer und Geschäftsführer Olaf Krüger und lachen.
Am Anfang der Nacht steht der Tunnel: Schwarzlicht, Grafitti. Wer dort durchgeht und die Tangente betritt, zahlt Eintritt, biegt um die Ecke, steuert auf Theke oder Tanzfläche zu. Im großen Raucherraum klacken Billardkugeln, auf der Tanzfläche, ein paar Stufen über dem Thekenraum, rocken Feierwütige zu „Ok go“.

Musik, Klamotten und Lieblingsgetränke ändern sich. Die Tangente als Klassiker der Tanzlandschaft ist ebenso alterslos wie ihr Publikum. Ein Phänomen: Studenten rocken dicht an dicht mit der Ü-30-Generation auf der metallbeschlagenen Tanzfläche. Die einen erinnert „Mystify“ von INXS an ihre Jugend, die anderen lieben den Song von 1989 als Retrostück.

In Göttingens dienstältester Disco ist vor allem Rock-musik zu hören. Seit einigen Jahren organisiert das Tangenten-Team auch Partys, mal 90er Jahre, mal Indie und Rock nach dem Motto „hart aber herzlich“, mal 80er-Jahre-Hits. Bei Songs, die früher peinlich waren – wie „Live is Life“ von Opus – bricht die Tanzfläche heute aus allen Nähten. „Dieses Lied zu spielen, das war vor 20 Jahren undenkbar“, sagt Krüger. Statt zu Vinyl greifen die DJs heute neben CDs zu MP3-Dateien. Eines hat sich kaum geändert: Wünsche an den Discjockey werden selten gespielt. „Wünsche sind Wünsche“, sagt der 44-Jährige, der selbst auch auflegt.

Wochenendgeschäft

Das beliebteste Getränk ist schon immer Flaschenbier. Vor allem dann, wenn die Altstadt-Kneipen langsam schließen, füllt sich die Tangente. In Göttingen geht man spät aus. Vor zwölf Uhr läuft bei Studenten, und denen, die es mal waren, nichts in der Disco. Das war in den 80ern so, das ist immer noch so. „Um zwei, halb drei ist der Scheitel“, sagt Krüger. Im Gegensatz zu früher sei eine Disco heute aber ein „reines Wochenendgeschäft.“ Neue Partys, neue Musik, dennoch bleibt die Tangente ihrem eher alternativen Stil treu. Kult statt Schnickschnack. Egal ob Löcherjeans oder Glitzerfummel: „Einen echten Dresscode gibt es bei uns nicht“, sagt Krüger. Für die Tangente muss man sich nicht aufbrezeln, kann man aber. Hauptsache, die Gäste haben Spaß.

Der schwarze Eingangstunnel, bemalt mit fluoreszierenden Graffiti, Türsteher, Theke, Tanzfläche, Toiletten: Alles ist am selben Platz wie 1981. Sogar einige Gäste kommen seit den Anfangstagen. Damals alleine, heute zu zweit. Krüger: „Ich kenne einige Ehepaare, die sich in der Tangente kennengelernt haben.“

Von Britta Bielefeld

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