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Göttingen Lehrer fühlen sich im Stich gelassen
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13:33 11.03.2018
Frank Mußmann stellte die Ergebnisse seienr Studie vor Quelle: Vera Wölk
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Göttingen

Lehrer arbeiten zu viel: Dies ist das Ergebnis einer Studie, die von der Gewerkschaft und Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Auftrag gegeben wurde. Die Göttinger Stadtratsfraktion der Grünen hat am Dienstagabend eine Diskussionsrunde zu den Ergebnissen veranstaltet.

„Die Studie gibt einen neuen Blick auf dieses Thema“, sagte der Fraktionsvorsitzende Rolf Becker, der bis zu seiner Pensionierung im vergangenen Sommer ebenfalls Lehrer war.

Zur Arbeitszeitbelastung gaben der Verfasser der aktuellen Studie, Frank Mußmann von der Universität Göttingen, und Elke Moeken, Vorsitzende des GEW Kreisverbandes Göttingen eine Einleitung. Mußmann erinnerte daran, dass das Thema insbesondere durch die Erhöhung der Stunden für Gymnasiallehrer vor einigen Jahren drängend geworden sei. Ein zentrales Ergebnis der Studie, in der 2700 Lehrer in Niedersachsen befragt wurden, ist, dass der Unterricht nur etwa ein Drittel der Arbeitszeit ausmache. „In der Öffentlichkeit wird dieses Phänomen aber nicht wahrgenommen“, sagte Mußmann. Während der Studie seien 4,5 Millionen Daten erhoben worden. Gymnasiallehrer liegen laut der Studie drei Stunden und Grundschullehrer eine Stunde und 20 Minuten über der wöchentlichen Arbeitszeit. „Der Arbeitgeber hat hier auch eine Vorsorgepflicht“, sagte Mußmann. Durch die Arbeitsbelastung stände den Lehrern nur wenig Zeit zur Unterrichtsvorbereitung zur Verfügung. Dies führe zu einem Qualitätsverlust, der die Lehrkräfte zusätzlich belaste. „Deshalb benötigen sie mehr Zeit, um ihren Unterricht vor- und nachzubereiten“, sagte Mußmann. Für Moeken ist die momentane Unterrichtsversorgung ein Problem, denn eine Versorgung von 100 Prozent reiche nicht aus, wenn Lehrkräfte wegen Krankheit ausfallen. Sie zeigte zudem auf, dass insbesondere für Schulleiter der Verwaltungsaufwand in den vergangenen Jahren stark angestiegen sei. Außerdem kritisierte Moeken, dass die Ausgleichsstunden für Lehrer in den vergangenen Jahren gekürzt worden. „Führer gaben Lehrer ab 55 Jahren eine Stunde weniger Unterricht, jetzt ist dies erst ab 60 Jahren der Fall“, sagte sie. Im Gegensatz dazu habe es aber an zahlreichen anderen Stellen keine Nachbesserungen gegeben. „Viele Kollegen haben ein schlechtes Gewissen, weil sie ihren Unterricht nicht ausreichend vorbereiten können“, sagte Moeken.

Mehr Belastung durch Inklusion

In der Diskussion mit den 30 Gästen, unter ihnen viele Lehrer, wurde deutlich, dass auch die Inklusion die Lehrer zusätzlich belastet. Denn sie fühlen sich nicht ausreichend ausgebildet, um beispielsweise Autisten zu unterrichten. Ein Problem seien hierbei aus Sicht einer Lehrerin aber auch die Förderstunden an Grundschulen, denn oftmals fielen diese Stunden aus, weil von den Förderschulen keine Lehrer an die Grundschulen kommen würden. Mehrere Teilnehmer beklagten, dass die Inklusion in der falschen Reihenfolge erfolgt sei. Aus ihrer Sicht hätte zuerst eine Schulung der Lehrer erfolgen müssen, bevor die Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Einige von ihnen fühlten sich in der Ausübung ihres Berufs von der Landesregierung im Stich gelassen. „Wir sind im Grunde von allen Landesregierungen in den vergangenen Jahren enttäuscht worden“, erklärte Moeken. Sie betonte, dass, wenn es nicht bald Änderungen gebe, mit mehr Gerichtsklagen der Lehrer zu rechnen sei.

Becker stellte zudem dar, dass die Situationen für den jeweiligen Schulträger schwer sei, da sie sich dabei immer auch in einer „Sandwichrolle“ zwischen Land und Lehrern befänden.

Von Vera Wölk

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