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Göttingen Baumarkt ja, Gewerbegebiet nein
Die Region Göttingen Baumarkt ja, Gewerbegebiet nein
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17:07 10.08.2018
Quelle: Hinzmann
Göttingen

Um 22 Uhr verließ Reinhard Wundrak das Nachbarschaftszentrum an der Deisterstraße mit einem Lächeln. Als Vertreter der Investoren hatte er an diesem Donnerstagabend die Diskussion um den Bebauungsplan „Göttingen-Grone Nr. 37“ verfolgt – wieder einmal. Ein Beschluss zu diesem Plan ist zwingend bis Jahresende erforderlich, da auf der Fläche zwischen Siekweg und Siekhöhenallee sonst weiterhin das Baurecht der 70er-Jahre Bestand hat und das Einzelhandelskonzept der Stadt nicht gilt. Ein Interessent hat bereits per Voranfrage angedeutet, dass er unter diesen Voraussetzungen sehr gerne hier bauen würde. Ab Januar hätte die Stadt dem ohne neuen B-Plan nichts entgegenzusetzen.

Das Thema war im Juni an gleicher Stelle bereits einmal vertagt worden, da der mehrere hundert Seiten starke Entwurf des Bebauungsplans den Kommunalpolitikern erst wenige Tage vor der Sitzung zur Verfügung gestellt worden war. Anschließend hatte auch der Bauausschuss der Stadt zweimal Beratungsbedarf angemeldet – jeweils mit dem Hinweis, man wolle dem Votum des Groner Ortsrates nicht vorgreifen.

Gewerbefläche missfällt den Gronern

Der hat jetzt votiert. Und zwar gegen den Entwurf, wie ihn die Verwaltung der Stadt vorgelegt hat. Denn dieser sieht entsprechend des 2017 verabschiedeten Flächennutzungsplans neben den Flächen für den Bau- und Gartenmarkt südlich davon auch eine Fläche für weitere Gewerbeansiedlung vor. Und genau das missfällt den Gronern. Hier sollen Grün- und Erholungsflächen sowie Kleingärten ausgewiesen werden, finden sie. „Die Errichtung von Gewerbeflächen ist für uns und unsere Gesellschaft ein wichtiger Faktor, darf aber nicht auf Kosten des Wohles und der Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger geschehen“, heißt es in der Antragsbegründung.

Durch ICE-Trasse, Gewerbegebiet Siekhöhe und Kasseler Landstraße gebe es kaum naturnahe Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten. Die direkt an das Wohngebiet angrenzenden Flächen seien deshalb besonders wertvoll als Abstandsflächen und grüne Lunge für die Bürger von Grone, argumentieren die Politiker für ihre Änderung des B-Plan-Entwurfs.

Ortsrat stellt Bedingungen

Gegen Wundraks Baumarkt spricht sich der Antrag nicht aus. Man nennt lediglich einige Punkte, die die Verwaltung in den städtebaulichen Vertrag mit dem Investor einfließen lassen soll: Lärmfreie Rolltore, ein Lärmschutzwall im Westen statt im Osten des Baugebiets, keine Anlieferung vor 6 Uhr, Licht aus ab 22 Uhr und Sperrung des Parkplatzes an Sonn- und Feiertagen.

Auch wenn ein aktuelles Gutachten ergeben hat, dass der Baumarkt die Lärmschutzanforderungen voraussichtlich deutlich unterschreitet, fürchten sich die Anwohner in erster Linie vor weiterer akustischer Belastung. Wundrak gibt Entwarnung: „Ein Großteil dessen, was der Ortsrat fordert, erfüllen wir jetzt schon.“ Das Gebäude werde dem höchsten „Greenbuildung Gold“-Standard entsprechen. Ihm liegt viel an einem friedlichen Miteinander mit der Nachbarschaft und zukünftigen Kundschaft.

Änderung des B-Plans in kurzer Zeit nicht machbar

Und ihm liegt an einer schnellen Umsetzung des Projekts. Vor sechs Jahren habe der damalige Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) zu ihm gesagt: „Wundrak, Sie kriegen ihren Baumarkt.“ Damals hatte Wundrak seine Ansprüche gegenüber der Stadt gerichtlich durchgesetzt. Und schon da hatte das Thema eine zehnjährige Vorgeschichte. Der Änderungsantrag des Ortsrates könnte nun eine weitere Verzögerung bedeuten.

Wie am Donnerstagabend aus der Verwaltung zu vernehmen war, sei eine Neuaufstellung des B-Plans in der Kürze der Zeit nicht machbar. Der Ball liegt jetzt wieder im Feld der Göttinger Ratsfraktionen. Dort wird man sich entscheiden müssen, ob man den Wünschen des Groner Ortsrats widerspricht oder dem eigenen Flächennutzungsplan, den der amtierende Rat im Vorjahr beschlossen hatte – gegen den Willen der Groner. Am 23. August wird „Göttingen-Grone Nr. 37“ zunächst den Bauausschuss beschäftigen.

Wundrak wird auch dann wieder im Publikum sitzen und der Diskussion folgen. Warum er dabei lächelt? Weil er mittlerweile optimistisch sei, dass die Bauarbeiten wirklich im kommenden Jahr beginnen könnten.

Von Markus Scharf

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