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Göttingen „Das dritte Geschlecht ist ein Witz, es gibt 100 Varianten“
Die Region Göttingen „Das dritte Geschlecht ist ein Witz, es gibt 100 Varianten“
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18:59 13.02.2019
Diskussionsveranstaltung des SPD Ortsvereins Weende zum Thema Frauen- und Gleichstellungspolitik: Magdalena Zynda-Elst, Karin Weber-Klatt, Katja Grohe und Liv Teichmann auf dem Podium. Quelle: Christina Hinzmann
Weende

Frauen- und Gleichstellungspolitik war das Thema eines Diskussionsabends, den die SPD Weende am Dienstag im Thiehaus organisiert hat. Das Publikum: acht Männer und zwei Frauen.

Mutter nicht Vater von zwei Töchtern

„Hüterinnen des Gesetzes“, so nannten Magdalena Zynda-Elst (Gleichstellungsbeauftragte Gemeinde Rosdorf ) und Katja Grohe (Gleichstellungsbeauftragte Gemeinde Friedland) ihre Aufgabe. Sie sind es, die darauf achten, dass in ihren Verwaltungen im Sinne der Gleichstellung gearbeitet wird. Dritte Referentin der kleinen Diskussionsrunde war Liv Teichman vom Vorstand des Queeren Zentrums Göttingen. Queer, so erklärte sie, sei früher als Schimpfwort benutzt worden, ähnlich wie schwul. „Wir haben uns das Wort angeeignet und tragen es heute mit Stolz“, sagt sie. Queer sei eine Vereinfachung. Das Wort werde statt Abkürzungen wie LSBTI für lesbisch, schwule, bi- und transsexuelle, transgender und intersexuelle Menschen genutzt. „Und Du bist auch Vater von zwei Töchtern?“, wollte Moderatorin Karin Weber-Klatt wissen. „Nö“, sagte Teichmann, ich bin Mutter von zwei Töchtern. Teichmann nimmt es mit Humor. Sie ist Transgender-Beraterin und kümmert sich tagtäglich um Menschen, die Fragen zu ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtliche Identität haben. „Die häufigste Frage, die uns gestellt wird, ist die, woran man eigentlich merkt, dass man trans ist“, sagte sie. Das sei kompliziert. „Ich wusste als Kind nur, dass ich anders bin, aber dafür gab es keine Worte“. Heute sei es besser, die Menschen seien informierter.

Mann unter Frauen benachteiligt

Dass das Thema Gleichstellung nicht nur Frauen angeht, wurde durch eine Wortmeldung deutlich. Manuel aus dem Publikum monierte, dass er in seinem Job als Verkäufer in einer Bäckerei fast nur mit Frauen zusammenarbeite und „das Gegenteil“ erlebe. „Ich fühle mich von den Frauen benachteiligt“, sagt er. Zynda-Elst bestätigte, dass alte Rollenbilder immer noch existieren. „Jeder Mensch sollte die gleichen Chancen haben“, sagte sie.

Verfassung steht über Religion

Auch in der Diskussion um das „dritte Geschlecht“ sei man von Chancengleichheit noch weit entfernt, so Teichmann. Wenn es um den Eintrag in einen Ausweis geht, dann müsse man die Person fragen, die es angeht. „Das dritte Geschlecht ist ein Witz, es gibt 100 Varianten“, sagte sie. Besser sei es, keinen Eintrag oder einfach „divers“ einzutragen. Schließlich gebe es auch Menschen, die nicht „binär“ seien und sich mal als Frau und mal als Mann fühlten. In der Diskussion um Gleichstellung und Religion waren sich alle Teilnehmer einig: „Die Verfassung steht über der Religion.“

Von Britta Bielefeld

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