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Göttingen „ZugFisch“: Kurzfilm mit Gänsehaut-Effekt
Die Region Göttingen „ZugFisch“: Kurzfilm mit Gänsehaut-Effekt
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00:16 10.07.2018
Dreharbeiten für den Kurzfilm „ZugFisch“ in einer Praxis an der Göttinger Schillerstraße. Mittig im Hintergrund: Autorin Marah Baer. Quelle: Markus Riese
Göttingen

Es ist das erste Mal, dass eine Geschichte von Baer, die in Göttingen Deutsche Philologie und Kulturanthropologie sowie Europäische Ethnologie studiert, die große Leinwand erobert. „Am ersten Drehtag war das schon seltsam, da das natürlich anders aussah, als ich es in meinem Kopf hatte“, erzählt sie. Was daraus wurde, findet sie aber schon jetzt „sehr cool“.

Aus dem Uni-Seminar auf die Kinoleinwand

Entstanden ist die Story im Seminar „Drehbuchwerkstatt“ an der Philosophischen Fakultät der Uni. Aus dem Kurs wurden zwei Drehbücher zur Verfilmung ausgewählt. Für die Produktion zeichnet Christian Ewald-Kronen verantwortlich – einerseits Dozent der „Drehbuchwerkstatt“, andererseits auch Gründer und Geschäftsführer der KnockWood Films GmbH, welche die Produktion übernommen hat. Ewald-Kronen führt außerdem Regie. Durch die Medienförderungsgesellschaft Nordmedia sei das Projekt finanziell unterstützt worden. Das habe sogar Drehtage an der Nordsee ermöglicht.

Bildergalerie von den Dreharbeiten:

Impressionen von den Dreharbeiten für den neuen Kurzfilm „ZugFisch“, der Anfang 2019 Premiere feiern soll. Fotos: Klawunn

Dass dies offensichtlich nicht ganz unwichtig war, verrät die Story der Tragikkomödie: Die 32-jährige Majorie (gespielt von Kathrin Müller-Grüß) treibt eine tiefe Sehnsucht nach dem Meer. Seit dem Tod ihrer Eltern leidet sie an Siderodromophobie – extremer Angst vor Zugreisen – und ist deshalb in Behandlung. Der Auftrag ihres Chefs, einen Zierfisch für den Geburtstag seiner Tochter zu besorgen, verschafft ihr eine kurzzeitige „Beziehung“ zu einem Fisch, der ihre Sehnsucht nach dem Meer zu teilen scheint. Als ihr neuer kleiner Freund stirbt, will Majorie ihn ans Meer bringen. Doch dafür müsste sie mit dem Zug fahren.

„Als ich das Buch gelesen habe, habe ich gleich beim ersten Mal Gänsehaut bekommen“, beschreibt Hauptdarstellerin Müller-Grüß – und adelt damit Baer, die schon mit 14 Jahren beschlossen hatte, Autorin zu werden, dann aber zunächst Mathematik in Hannover studierte. Zwischenzeitlich führte sie ein Erasmus-Stipendium an die University of Liverpool.

„Der Zuschauer wird nicht entmündigt“

Der fertige Film wird eher wenige Dialoge enthalten; die Geschichte soll vor allem über starke Bilder transportiert werden. „Der Zuschauer wird dadurch nicht entmündigt“, findet Monika Giro, die als Therapeutin „Frau Sander“ zu sehen sein wird. Mit Jan Reinartz, der einen Schaffner spielt, ist ein weiterer Profi-Schauspieler mit an Deck.

Bei den letzten Dreharbeiten am 7. Juli in einer Praxis an der Schillerstraße darf das Tageblatt über die Schulter schauen. Die Crew macht einen routinierten, gleichzeitig lockeren und dennoch konzentrierten Eindruck. Gedreht wird gerade eine Szene, in der die Protagonistin samt Goldfisch zu einer Sitzung bei ihrer Therapeutin erscheint. Nach einigen Vorbereitungen wird die Szene gedreht – nicht nur einmal, sondern immer wieder. Zwischendurch nehmen der Regisseur und sein Kameramann kleinere Anpassungen vor, besprechen auch scheinbar winzige Details. Die Schauspielerinnen bekommen exakte Anweisungen, wie sie zu sitzen haben, damit das Bild später genau so aussieht, wie es eben aussehen soll. Und bevor ein neuer „Take“ aufgenommen wird, lässt Ewald-Kronen seine Hauptdarstellerin immer wieder sportliche Übungen ausführen. „Es ist schwierig, wenn man sich hinsetzt und dann spielen soll. Wenn man vorher in Bewegung ist, bekommt das Spiel eine andere Dynamik“, verrät der Regisseur den Kniff. Zudem sei Majorie zuvor Fahrrad gefahren. Da sei es authentischer, wenn sie nicht völlig ruhig atmet. Ewald-Kronen verfolgt die Aufnahmen aus dem Flur heraus – mit freiem Blick auf die Szene, aber auch auf einen kleinen Monitor, von dem er nur selten aufschaut. Am Ende nickt er zufrieden: Die Szene ist im Kasten.

Premiere für Anfang 2019 geplant

Bis der Film öffentlich zu sehen ist, wird es allerdings noch eine Weile dauern: Zunächst stehen technische Abläufe wie der Schnitt und die Nachbearbeitung an. Anfang 2019 soll in einem Göttinger Kino Premiere gefeiert werden. Und vielleicht wird es danach ja noch weitere Filme aus der Feder von Marah Baer geben: „Ideen habe ich noch viele“, lächelt sie.

Von Markus Riese

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