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Göttingen Dreharbeiten zu „Das letzte Hotel“ laufen
Die Region Göttingen Dreharbeiten zu „Das letzte Hotel“ laufen
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10:01 14.01.2010
Kein Opfer der Bartpolizei: Und doch gerät Protagonist Julius in „Das letzte Hotel“ (Philipp Künstler) in eine brenzlige Situation. Quelle: EF
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Es ist das ehemalige Büro hinter der Werkstatt in Halle 20, in der Kabelenden wie drohende Schlangen-Götzen eines obskuren Kultes aus dem Betonboden ragen, wo Spinde auf Europaletten gestapelt davon zeugen, dass hier vor kurzem noch Flachstahl und Sinterbronze verarbeitet wurden, wie die in Plastik eingeschweißten Kärtchen an der Wand berichten. „Eine gruselige Atmosphäre“ herrsche auf dem verlassenen Gelände, meint Hauptdarstellerin Mareike von Müller.

Budget von 12 000 Euro

Jetzt dient das Gebäude als Drehort für die Innenaufnahmen eines Filmes. „Das letzte Hotel“ ist das Vorhaben des im August 2009 gegründeten Vereins „schwarz_weiss_film“, dieser Spielfilm sein erstes Projekt. 40 Göttinger haben sich zusammengetan, um den Film mit einem Budget von 12 000 Euro umzusetzen – das ist nur mit immensem persönlichen Einsatz möglich. Licht, Ton, Kulissen, Maske, Darsteller, Waffen, Kostüme, Spezialeffekte: Jeder übt seine Position unbezahlt aus. Eigentlich sind es Studenten, Theaterleute, arbeitssuchende Schauspieler oder eben medizinisch-technische Assistenten für Funktionsdiagnostik am Klinikum. Das ist der Brotberuf des schlaksigen Regisseurs Christian Rüdiger (26). Die Idee zu diesem „Film noir“, angesiedelt in einem ungenannten Land, zu einer ungenannten Zeit – angelehnt aber an die 40er-Jahre-Optik – trägt er schon seit fünf Jahren mit sich herum. Die Story, soweit sie sich umreißen lässt: Ein junger Mann möchte aus dem finsteren Dickicht der kriminellen Großstadt ausbrechen.

Verwoben mit der Genre-typischen Mann-trifft-mysteriöse-Frau-Geschichte sind Bezüge zu Texten Franz Kafkas. Rüdiger, mit einigen kleineren Filmprojekten und großem filmischem Wissen im Rücken, hat genaue Vorstellungen. Er orientiert sich an Regisseuren wie David Lynch oder dessen Namensvetter Cronenberg. Fast alle der Beteiligten haben artverwandte Vorerfahrungen – nur nicht mit einem 80-minütigen Spielfilm. „Das Projekt ist einfach immer größer geworden“, versucht Rüdiger das Abenteuer zu beschreiben.

Doch Rüdiger hat alles minutiös geplant. Seit Monaten mache er, neben seiner Arbeit, kaum noch etwas anderes, so der gebürtige Nordhäuser. Da heißt es täglich nach Feierabend noch drei, vier Stunden zu investieren. In die Planung, die Außenaufnahmen und nun in den Dreh in der unwirklichen Atmosphäre der alten Lagerhalle. Von den Wochenenden ganz zu schweigen. Die Freizeit von Darstellern und Helfern ist bis Februar, dem angestrebten Ende des Drehs, verplant.
In der Halle ist es eisig kalt. Mehrere Elektro-Lüfter erzeugen immerhin einstellige Plus-Grade. Während die Akteure warten, tänzeln sie hin und her, um nicht noch mehr zu frieren. „Dass mir niemand ohne Erkältung nach Hause geht“, murmelt Tonmann Christopher Schwarz. Regisseur Rüdiger zupft an seinem Kinnbärtchen: „Ok, noch einmal“, ruft er seinen Hauptdarstellern Philipp Künstler und Mareike von Müller zu. Regieassistentin Julia Korrek, im Nebenberuf Setfotografin, schwenkt die archetypische schwarz-weiße Tafel. „Ton läuft“, „Kamera läuft“. Rüdiger steht hinter der Mini-DV-Kamera, sein Blick geht auf das Notebook, das das Bild aufzeichnet. Korrek knallt die beiden Holzschenkel der Filmklappe zusammen. „Szene 47, die zweite.“ Es ist eine der letzten Szenen des Filmes, die hier, zu Beginn der Innenaufnahmen, gedreht wird. Nach dem fünften Versuch ist diese Einstellung vorerst im Kasten. Unzählige weitere stehen noch aus.

Erik Westermann

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