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Göttingen Drei Sprengsätze und ein Bekennerschreiben in Göttingen
Die Region Göttingen Drei Sprengsätze und ein Bekennerschreiben in Göttingen
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19:02 30.12.2013
Eins von drei Anschlagzielen: Gebäude der Bundespolizei am Göttinger Bahnhof. Quelle: Theodoro da Silva
Göttingen

Das Bekennerschreiben, ein Posting auf einer linken Internetseite, hatte Folgen. Die Polizei hat nach dem gescheiterten Bombenanschlag gegen das Gebäude der Bundespolizei westlich des Bahnhofs nach weiteren Bomben gesucht und tatsächlich zwei Spreng- und Brandsätze gefunden.

Auch sie waren, wie schon die Bombe vor dem Haus der Bahnpolizei, in handelsüblichen Plastiktüten verstaut und aus mehren Bauteilen, unter anderem aus Gaskartuschen zusammengebastelt. Den Spuren nach waren alle drei unkonventionellen Brandsätze zwar entzündet worden, die eigentlich gefährlichen Gasbehälter aber zündeten nicht. Die Flammen erloschen, ehe etwas detonieren konnte.

Gefunden wurden die gefährlichen Plastiktüten zum einen in einem Mülleimer nahe des Verwaltungsgerichts,  Berliner Straße, zum anderen im Eingangsbereich des Hauptzollamtes am Hagenweg. Es wird angenommen, dass ein Passant die zuvor am Eingang platzierte Tüte in den Müll geworfen hat.

Als Begründung für ihre Aktion nennen „Flora und Fauna“  – mutmaßlich eine Anspielung auf das in Hamburg umkämpfte ehemalige Theater Rote Flora – ein ganzes Bündel an angeblichen Missständen. 

Ermittlungsverfahren wegen Herbeiführen von Sprengstoffexplosionen

So solle auf die Lage der Lampedusa-Flüchtlinge in Hamburg hingewiesen werden, auf die Situation „von in Deutschland lebenden Papierlosen“ sowie auf die angebliche Beteiligung der angegriffenen Behörden an „Abschiebe- und Kriegseinsätzen“. Schließlich wird die zunehmende „Stadtumstrukturierung zum Nachteil für das Soziale“ als Grund genannt.

Es wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Herbeiführen von Sprengstoffexplosionen eingeleitet. Eine spezielle Ermittlungsgruppe wurde eingerichtet. Es sei „allein dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass keiner der Sprengsätze explodiert ist“, sagte Kripochef Volker Warnecke.

Die Polizei vermutet, dass die Sprengsätze jeweils in den Mittagsstunden des 21. bis zum frühen Morgen des 22. Dezember deponiert wurden. Entsprechend werden etwaige Zeugen für diesen Zeitraum gesucht. Zeugenhinweise unter Telefon 05 51 / 4 91 10 13.

Das Bekennerschreiben unter: linksunten.indymedia.org

Bauanleitung aus dem Internet

Bereits bei Anschlägen auf das Göttinger Kreishaus (Januar 2010) und das Landgericht (Dezember 2011) bestand der Verdacht, dass die Täter aus der linken Szene stammen und Bauanleitungen der Berliner Revolutionären Aktionszellen (RAZ) für Brandsätze nutzten. Seit 2009 kursiert eine Anleitung für eine sogenannte „Gasaki“ im Internet.

Seit Januar 2010 wird gar eine detaillierte Bastel- und Anwendungsanleitung für einen „kombinierten Brand-/Sprengsatz niederer Intensität“  verbreitet.  Unterschieden werden die Bausätze „Grillanzünder“ und „Nobelkarossentod“. Im Bekennerschreiben heißt es, es sei eine Gasaki genutzt worden.

Dieser Artikel wurde aktualisiert

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