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Göttingen Regen wird heiß ersehnt
Die Region Göttingen Regen wird heiß ersehnt
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17:50 09.08.2018
Begutachten die diesjährige Ernte: Achim Hübner, Markus Gerhardy und Hubert Kellner (v.l.). Quelle: Hinzmann
Eichsfeld

Eine Milliarde Euro möchte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, vom Staat, um die drohenden Ernteausfälle in diesem Jahr auszugleichen. Die Landwirte in der Region halten dies nicht unbedingt für die Lösung.

Natürlich ist das anhaltend trockene Wetter und die Hitze nicht gerade förderlich, um einen Top-Ertrag zu erzielen. „Im Juli und August hat es überhaupt noch nicht geregnet“, berichtet Kreislandwirt Hubert Kellner, dessen Frau ganz gewissenhaft die Niederschläge auf einem Kalender vermerkt. Die extreme Witterung hat dazu geführt, dass er und seine Kollegen bereits im Juni mit der Ernte begonnen haben. „Wir haben so früh gestartet wie noch nie“, sagt er.

So geht es auch Markus Gerhardy, zweiter Vorsitzender beim Kreisbauernverband in Göttingen. Der Gieboldehäuser spricht von einem außergewöhnlichen Jahr bei der Naturalertragsbetrachtung. „Wir sind natürlich von ganz vielen Faktoren abhängig“, erläutert er. Die Betroffenen sind inzwischen fast bereit, Regentänze aufzuführen, damit sich das heiß ersehnte Nass endlich einstellt.

„Wir hatten schon im vergangenen Jahr keine optimalen Startbedingungen, haben aufgrund der großen Nässe erst im November gedrillt. Jetzt haben wir das Getreide schon frühzeitig eingefahren, weil es notreif war. Und der Ertrag richtet sich nach dem knappen Faktor, das war in diesem Jahr die Wasserversorgung“, berichtet Kellner.

Wobei die Erträge sehr unterschiedlich sind, Standort und Bodenbeschaffenheit spielen hier eine entscheidende Rolle. „Wir wissen heute nicht einmal, ob wir die Saaten für die Ernte 2019 vernünftig in den Boden bekommen. Wir wirtschaften unter freiem Himmel, damit müssen wir zurechtkommen“, sagt Gerhardy. Er möchte noch keine Prognose abgeben, wie die Ernte in diesem Jahr zu Buche schlägt. „Stand heute kann ich noch nicht sagen, wie es sich wirtschaftlich auswirken wird“, erklärt Gerhardy.

Er, der Desingeröder Hubert Kellner und auch der Geschäftsführer des Göttinger Bauernverbandes, Achim Hübner, würden sich mehr Flexibilität von Seiten der Verantwortlichen wünschen. „Wir halten überhaupt nichts davon, die geforderten Gelder praktisch per Gießkannen-System auszuschütten. Ganz davon abgesehen, dass ich gar nicht glaube, dass die finanzielle Hilfe tatsächlich kommt, weiß ich nicht, wie man nachvollziehbar und gerecht das Geld verteilen will“, merkt Hübner kritisch an.

Er und seine Mitstreiter würden sich intensive politische Unterstützung wünschen. Und vor allem Flexibilität, beispielsweise die ökologischen Vorrangflächen für einen Zwischenfruchtanbau nutzen zu dürfen. Trotzdem regiert immer noch das Prinzip Hoffnung bei den Bauern. „Mais und Rüben würde Regen noch gut tun“, erläutert Hübner.

„Wir müssen dem Rechnung tragen, dass wir nur einmal im Jahr ernten können. Wir müssen in einem guten Jahr ansparen, um in schlechten Jahren davon zehren zu können“, verdeutlicht Gerhardy. Hübner geht noch weiter: „Die Politik folgt dem Wahn, am Markt vorbeizuregeln.“

Auch der Eindruck, der immer mehr in der Bevölkerung Einzug zu halten scheint, die Bauern seien selber Schuld, dass sie nichts ernten, stört das Trio massiv. So dramatisch die Dürreperiode für die Bauern auch ist, denn beispielsweise manche Viehbetriebe müssen ihre Tiere schlachten, weil das Futter knapp wird, etwas Gutes hat die Extremwetterlage auch. „Wir sind endlich einmal in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Wobei ich nicht glaube, dass es lange anhält, denn wenn es in den nächsten Wochen regnet, dann wird alles wieder im Sande verlaufen“, meint Hübner.

Von einer Einmalzahlung in Milliardenhöhe hält auch der Präsident des Landvolks Niedersachsen, Albert Schulte to Brinke, nichts. Er fordert eine grundlegende Selbsthilfe. 80 Prozent der EU-Direktzahlungen sollten seiner Meinung nach bereits im Oktober ausgezahlt werden. Eine weitere Forderung des Landvolks ist die Freigabe von 200 000 Hektar Ackerland, das eigentlich geschont werden soll. Darauf soll Winterfutter angebaut werden.

Bis diese Forderungen umgesetzt werden, hoffen Kellner und Co. weiter auf Regen. Lang andauernd und ergiebig.

Von Vicki Schwarze

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