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Göttingen Waidmannsheil und Schützenbrüche
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00:16 09.01.2018
Die erlegten Tiere werden zur Strecke gebracht - so nennt sich die Präsentationsform zum Abschluss der Jagd. Quelle: Niklas Richter
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Knutbühren

Bei einer Drückjagd beziehen die Jäger an festgelegten Punkten rings um das Revier Position, während die Treiber und Hunde das Revier durchstöbern und das Wild aus der Deckung bringen. An der Jagd im „Breiten Holz“ bei Knutbühren haben sich die Reviere Barterode, Esebeck, Elliehausen, Hetjershausen und Knutbühren beteiligt. Sicherheit stand dabei an erster Stelle, fasst es Dieter Hildebrandt, Vorsitzender der Jägerschaft Göttingen, nach der Jagd zusammen. Deswegen mussten einige Autofahrer Umwege in Kauf nehmen – die Verbindungsstraße von Elliehausen über Knutbühren nach Barterode wurde am Sonnabend zwischen 9.30 und 13 Uhr gesperrt. Bei der vergangenen Drückjagd im „Beiten Holz“ im November sei ein Hund von einem Wildschwein verletzt worden. Dieses Mal ist alles gut gegangen.

Jägerlatein – die Fachbegriffe

Neben vielen weiteren Informationen müssen angehende Jäger sich auch mit dem Jägerlatein auseinandersetzen. So gibt es viele Fachbegriffe. Hier eine Auswahl:

Ankirren: Das Anlocken von Wild an eine bestimmte Stelle im Revier durch Auslegen von Futter oder Ködern

Bache: Weibliches Schwarzwild

Changieren: Ein Fehler des Schweißhundes. Er verlässt die angefallene Fährte oder Spur und nimmt eine andere auf

Dickicht: Schwer durchdringbares, dicht verfilztes Gestrüpp, das keinen Einblick gewährt

Eingeronnen: Heißt eine Fährte, die durch Witterungseinflüsse verwischt wurde

Finder: Hunde, die zum Auffinden und zum Jagen von Schwarzwild eingesetzt werden

Gebräch: Der Boden, der vom Schwarzwild aufgewühlt wurde

Haderer: Die Eckzähne im Oberkiefer des Keilers

Im Winde: Das Suchen des Hundes sowie das Jagen und Pirschen des Jägers gegen den Wind

Jagdjahr: Das Jagdjahr beginnt mit dem 1. April und endet mit dem 31. März des folgenden Kalenderjahres

Keiler: Das männliche Schwarzwild

Losung: Die Exkremente des Wildes

Malbaum: Ein Baum, an dem sich Schwarz- und Rotwild nach dem Suhlen reiben, um Parasiten zu entfernen

Nachhängen: Der Jäger folgt mit dem Schweißhund einer gesunden oder kranken Fährte

Oberwurf: Der Oberkiefer des Schwarzwildes

Pürzel: Der Schwanz des Bären, des Schwarzwildes und des Dachses

Quersuche: Der Vorstehhund sucht planvoll vor dem Jäger das Gelände ab, indem er ständig hin und her läuft

Ruschen: Die Begattung des Schwarzwildes

Strecke: Die zahlenmäßige Gesamtheit der auf einer Jagd erlegten Tiere oder die eines Jagdjahres bezogen auf einen Jagdbezirk

Teller: Die Ohren des Schwarzwildes

Urian: Scherzhafte Bezeichnung für einen alten Rehbock oder Keiler

Verblasen: Jede Wildart wird mit dem entsprechenden Totsignal verblasen

Weiß: Fett des Schwarzwildes und des Dachses

Zerlegen: Das Nutzwild für den Küchengebrauch zerkleinern

Solche revierübergreifenden Aktionen seien sinnvoll, sind sich die Jäger einig. Wildschweine machen schließlich nicht vor den Reviergrenzen Halt und der Bestand in Südniedersachsen sei sehr hoch. In den vergangenen Jahren habe sich, laut Landesjagdbericht 2015/16 – der vom Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Kooperation mit der Landesjägerschaft Südniedersachsen herausgegeben wird – das Schwarzwild zunehmend in Niedersachsen vermehrt und ausgebreitet. So weist der Bericht 44.936 erlegte Tiere im Jahr 2016 aus. Im Landkreis Göttingen wurden demnach mit 3178 die meisten Wildschweine in Niedersachsen zur Strecke gebracht. Zahlen für 2017/18 gibt es noch nicht, da das Jagdjahr noch bis zum 31. März andauert.

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Wildschweinjagd in den Jagdrevieren um Knutbühren mit Abschluß oberhalb des Ortes.Abschluß bedeutet: die in den Revieren erlegten Tiere werden zur Strecke gelegt, es wird etwas gegessen, und zum Schluß werden den erfolgreichen Schützen der Bruch - ein Zweig - überreicht.

Die günstigen Ernährungsbedingungen für Wildschweine in den vergangen Jahrzehnten sollen unter anderem durch klimatische Veränderungen bedingt worden sein, welche häufigere Mastjahre und milde Winter mit sich bringen. Die äußerst hohe Vermehrungsrate von Wildschweinen soll außerdem lange Zeit unterschätzt worden sein, sodass die Bejagung vielerorts geringer war als der Bestandszuwachs. Die Anzahl des erlegten Schwarzwildes schwanke auf einem hohen Niveau sehr stark. Der derzeitige Entwicklungstrend sei durch die fehlenden und sich änderenden Zahlen nicht absehbar. Es bleibe aber zumindest aufgrund der Ausbreitung ein weiterer Anstieg zu erwarten, so die Landesjägerschaft Niedersachsen.

Von einem Anstieg der Wildschwein-Population geht auch Axel Eichendorff aus. Die Entwicklung „hängt vom weiteren Winterverlauf ab“, sagt der Kreisjägermeister unter anderem bei der Jägerschaft Göttingen. Im Veterinärwesen werden die anhaltend hohen Schwarzwildbestände laut niedersächsischer Landesjägerschaft mit Sorge betrachtet, da das Schwarzwild als Reservoir und Überträger verschiedener Krankheiten gelte – „insbesondere nach Auftreten der Afrikanischen Schweinepest innerhalb der EU und der drohenden Gefahr eines erneuten Ausbruches der Klassischen Schweinepest“, steht im Landesjagdbericht 2015/16.

„Schon seit Jahren wird das Schwarzwild intensiv bejagt“, sagt Eichendorff, „doch die Kapazität von fähigen Jägern und guten Hunden ist am Anschlag“. Und jeder Jäger habe „schließlich nur einen Hintern“. Nachwuchsprobleme sehen die Teilnehmer der Jagd bei Knutbühren aber nicht. Im Gegenteil: Es scheint wieder vermehrt Interesse am Jagen zu geben, so die einhellige Meinung. Hildebrand spricht über den Lebensstil der „jüngeren Generation“: „Viele essen weniger Fleisch“, sagt er, „und meist nur, wenn sie genau wüssten, woher das Fleisch auch komme – so zum Beispiel von einer Jagd. Auch der Forstwissenschaftliche Studiengang an der Universität begünstige die Anzahl der Jäger in der Region. Mit den Jagdhorn-Signalen „Wildschwein tot“, „Reh tot“ und „Fuchs tot“ sowie der Übergabe der Schützenbrüche – Zweigen bruchgerechter Holzarten, die an die erfolgreichen Schützen übergeben werden – neigt sich die Jagd im „Breiten Holz“ dem Ende entgegen.

Zum Thema Jagd gibt es auch ein Thema des Tages.

Von Friedrich Schmidt

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