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Göttingen Dürre: Wenig Hoffnung für Göttinger Bauern auf Nothilfe
Die Region Göttingen Dürre: Wenig Hoffnung für Göttinger Bauern auf Nothilfe
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00:21 12.10.2018
Im laufenden Jahr wird in der Region rund 30 Prozent weniger Mais geerntet. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Das Dürrehilfeprogramm ist ein Bund-Länderprogramm, das nach Unterzeichnung durch das jeweilige Bundesland als Verwaltungsvereinbarung in Kraft tritt. In Thüringen können dürregeschädigte Landwirte seit Dienstag Anträge stellen, in Niedersachsen beginnt laut Nachrichtenportal agrarheute.com die Antragsfrist voraussichtlich im November und läuft bis zum späten Frühjahr. Wahrscheinlich sind die Anträge bei den Kreisstellen der Landwirtschaftskammer zu stellen.

„Wir haben die Antragssteller an die Landwirtschaftskammer verwiesen. Ich gehe aber nicht davon aus, dass sie Erfolg haben werden“, sagt Landvolk-Chef Achim Hübner. „Für die Nothilfe sind die Hürden sehr hoch. Es muss eine extreme wirtschaftliche Härte da sein, und ich prognostiziere, dass dies hier nicht der Fall ist.“ Der Norden und der Osten Deutschland seien in dieser Hinsicht sehr viel schlimmer getroffen.

Dürregeschädigte Landwirte auch in Göttingen

Das heißt aber nicht, dass es in der Region Göttingen keine dürregeschädigten Landwirte gibt. Faktoren für die Ernte sind Ertrag und Erlös, und die Mindererträge (in Göttingen ist gemessen am Durchschnitt ein Minus von 25 Prozent zu konstatieren) sind laut Hübner zuletzt „ein Stück weit“ durch einen höheren Preis ausgeglichen worden.

Allerdings seien die Schwankungen in diesem Jahr besonders groß gewesen: Einige Betriebe hätten ein Minus von 10 bis 15 Prozent zu verzeichnen, andere Betriebe ein Minus von 50 Prozent. Hübner: „Das hat einige Betriebe richtig reingerissen ins Elend.“

Besonders betroffen sind Mais- und Zuckerrübenernte

Besonders betroffen seien jene Unternehmen, die sich auf die späte Ernte, auf Mais und Zuckerrüben, spezialisiert haben. Der Ertrag sei in diesem Bereich um 30 Prozent geringer ausgefallen, und, was besonders schwer wiegt, stehen für Mais und Zucker die Preise fest – der Minderertrag kann nicht mal teilweise durch einen höheren Erlös kompensiert werden. „Dann hast du dieses Jahr so richtig ins Unglück gegriffen.“

Während der schlechte Ertrag für Biogasanlagen im Hinblick auf eine gute Maisernte im vergangenen Jahr und eine Vorratshaltung weniger bedrohlich ist, ist die Situation für Viehalter laut Hübner „echt problematisch“. Die rund 200 Rindviehhalter im Kreis Göttingen müssten teilweise Futter dazu kaufen. „Es wurde schon Stroh gepresst, um die Tiere satt zu kriegen.“

Vermögensverhältnisse müssen dargelegt werden

Eine weitere Hürde für potenzielle Dürrehilfe-Antragsteller ist, dass sie ihre Vermögensverhältnisse aufschlüsseln müssen – Lebensversicherungen, Altersversorgung: Es kommt dabei vieles auf den Prüfstand. Wird nach der Prozedur ein Anspruch ermittelt, wird längst nicht die volle Summe von der Nothilfe gedeckt, wie Hübner klarstellt.

Für Kreislandwirt Hubert Kellner ist in dieser Hinsicht zu viel Bürokratie im Spiel: „Auf der anderen Seite wird doch das Geld mit vollen Händen verteilt. Da ist ’ne Unwucht drin“, schimpft er. Dazu komme, dass Abschlüsse vorgelegt werden müssten, das Wirtschaftsjahr des Landwirts aber erst am 1. Juli beginnt und am 30. Juni endet. „Der Weg dauert einfach zu lang. Wenn die im nächsten Jahr drübergucken und einen Anspruch erkennen, dann ist der Bauer vielleicht schon gar nicht mehr am Start.“

Betriebe, die sowieso schwächeln, sind gefährdet

Bei Betrieben, die sowieso schwächeln, räumt Hübner ein, „reicht schon so ein Schubs“, um sie in Schwierigkeiten zu bringen. „Und der Steuerzahler steht an der Seitenlinie und denkt bei Dürrehilfe: Ach schön, den Bauern wird ja geholfen“, sagt Kellner.

Von Eduard Warda

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