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Göttingen Ohne Geld kein Hostel
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08:00 02.09.2017
Ehemalige JVA am Waageplatz. Quelle: Heller
Göttingen

Die Pläne der Stadt, das Gebäude der ehemaligen Justizvollzugsanstalt (JVA) am Göttinger Waageplatz umzubauen und als Hostel zu nutzen, sind vom Tisch. Der Antrag auf EU-Fördermittel wurde mit der Begründung abgelehnt, dass bereits ein ähnliches Konzept in der italienischen Stadt Bologna gefördert werde.

Im Dezember 2016 stimmte der Rat der Stadt Göttingen mehrheitlich einem Antrag von CDU, SPD und Grünen zu, sich mit der Stadtentwicklung „Historische Altstadt-Nord“ um Mittel aus dem europäischen Förderprogramm für Regionalentwicklung (EFRE) zu bemühen. Der Fokus sollte auf der ehemaligen JVA und dem Ausbau zu einem Hostel liegen. Am Mai bestätigte die Verwaltung, dass der Förderantrag auf EU-Mittel gestellt sei.

Zwischenzeitlich sei nun mitgeteilt worden, dass der Antrag nicht in das Förderprogramm aufgenommen wurde, die Stadt Göttingen also keine Mittel bekomme, bestätigte jetzt eine Sprecherin der Verwaltung. Hauptgrund hierfür sei, dass in der vergangenen Förderperiode bereits ein ähnliches Konzept in der italienischen Universitätsstadt Bologna gefördert worden sei. Die entscheidenden Gutachter sahen damit das Kriterium „Innovation“ für den Göttinger Antrag nicht mehr erfüllt.

Ohne das Geld aus Brüssel lässt sich der Ausbau der JVA nicht mehr umsetzen, heißt es weiter in der Mitteilung der Stadt. Sehr zum Verdruss der damaligen Antragsteller. „Wir bedauern, dass es aktuell für das Projekt Hostel am Waageplatz keine Fördermittel gibt“, erklärte Sylvia Binkenstein, baupolitische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion. Man habe die unterschiedlichen Nutzungs- und Entwicklungsvarianten des Areals seit Jahren begleitet. Nun werde man sich erneut intensiv mit diesem Gebiet befassen müssen, „zumal sich das gesamte Areal der nördlichen Innenstadt zur Zeit in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befindet“, so Binkenstein weiter.

Auch bei den anderen antragstellenden Parteien zeigt man von der Nachricht aus Brüssel nicht erfreut. „Die Umgestaltung des Areals von der Stockleffschen Mühle über den Waageplatz hin zur Staatsanwaltschaft und JVA macht nur in einem Guss Sinn und gerät damit ins Stocken“, bedauert Rolf Becker (Grüne). Man sollte von der Idee des Hostels seiner Meinung nach allerdings nicht zu schnell Abstand nehmen. „Die Stadt sollte an den bisherigen Überlegungen festhalten und geduldig nach anderen Fördermöglichkeiten suchen.“

Bei den übrigen Fraktionen sieht man sich durch den negativen Bescheid aus Brüssel eher bestätigt. „Die Fördermittelgeber haben es genau so gesehen wie unsere Ratsgruppe. Nämlich dass die Überlegung, ein Hostel dort einzurichten, schlecht durchdacht war“, kommentiert Dana Rotter (Piraten). Und Gerd Nier (Göttinger Linke) kritisiert, man sei seinerzeit durch das Schnellverfahren im Rat schon ein wenig überrascht worden.

Um Fehlplanung in Zukunft zu vermeiden, fordern beide eine stärkere Bürgerbeteiligung. „Nun, da die Seifenblase geplatzt ist, wäre der erste und wichtigste Schritt, sich ernsthaft mit der Anwohner-Initiative zusammenzusetzen und die Ideen und Vorschläge auszutauschen“, so Nier weiter. Eine sozial-kulturelle Nutzung der JVA könne er sich durchaus vorstellen. Auch bei den Piraten wäre das Gebäude als Raum für Kreative durchaus vorstellbar. Möglich wäre auch die Ausweitung der bisherigen Nutzung als Lagerraum und Archiv.

Torsten Wucherpfennig (Antifa Linke) fürchtet hingegen, dass die ehemalige JVA noch lange leer stehen werde. „Das fehlende EU-Geld wirft die Stadtentwicklung in der nördlichen Innenstadt erheblich zurück“, betont er. Es müsse dringend etwas passieren, dass dieser Bereich wieder ein „Viertel wird, in dem man gerne wohnt, arbeitet und auch abends flanieren kann“.

Von Markus Scharf

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