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Göttingen Eine Mann im Auftrag der Verkehrssicherheit
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17:12 08.11.2018
Weiße Kreuze am Unfallschwerpunkten in den Schedener Kurven sollen Verkehrsteilnehmer sensibilisieren. Quelle: Heller
Göttingen

Seit vier Jahrzehnten ist der Mann mit den mittlerweile grauen Schläfen im Polizeidienst. Die letzten fünfeinhalb Jahre standen dabei ganz im Zeichen der Sicherheit auf den Straßen. „Im Laufe so vieler Dienstjahre habe ich einige schwere Unfälle gesehen – das prägt“, so der 57-Jährige. Sein Credo lautet: Verkehrsunfälle passieren nicht, sie werden verursacht. Das bedeutet auch, dass sie sich in den meisten Fällen verhindern ließen.

Deshalb ist Arnecke permanent unterwegs, um Verkehrsteilnehmern die Risiken und ihr mögliches Fehlverhalten aufzuzeigen. „Die Unfallursachen variieren dabei je nach Risikogruppe“, erklärt der Verkehrsexperte. Entsprechend setzen die Präventionsmaßnahmen, für die er sich immer wieder neue Kooperationspartner an Bord holt, an unterschiedlichsten Punkten an.

Geisterräder und weiße Kreuze

So stehen beispielsweise seit 2014 im Göttinger Stadtgebiet sogenannte Geisterräder – an Stellen, an denen ein Fahrradfahrer bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Die Statistik weist die Zweiradfahrer als besonders gefährdet aus, 35 Prozent aller bei Unfällen verletzten oder getöteten Menschen fallen in diese in Südniedersachsen zahlenmäßig starke Gruppe. „Die Ghostbikes sollen alle Verkehrsteilnehmer zur gegenseitigen Rücksichtnahme mahnen“, sagt Arnecke. Die Idee, das in den Vereinigten Staaten erdachte Projekt nach Göttingen zu holen, geht auf das Göttinger Netzwerk für Fahrradsicherheit zurück. Hier sind neben der Polizei und der Verkehrswacht auch die Stadt Göttingen mit der Berufsfeuerwehr und dem Bauhof, die Universität, der Einzelhandel und der Round Table 89 aktiv. Analog zu den weißen Rädern wurden an Unfallhäufungsstellen im Landkreis wie den Schedener Kurven oder auf der K 37 bei Esebeck weiße Kreuze aufgestellt.

Doch stille Ermahnung allein reicht nicht aus, weiß Arnecke und geht mit den Partnern daher auch an die Schulen. Mit dem Projekt „Neue Wege“ werden Kinder beim Wechsel auf die Weiterführenden Schulen unterstützt. Denn nicht nur die Schule, auch der Schulweg ändert sich. Die bittere Erkenntnis der letzten Jahre: Immer mehr Schüler sind nicht mehr sicher auf dem Fahrrad unterwegs. „Bei denen sind die Daumengrundgelenke besser ausgebildet, als die Fähigkeit, sich auf dem Sattel zu halten.“ Außerdem appelliert Arnecke immer wieder, dass nicht nur das Fahrverhalten, sondern auch die Ausrüstung stimmen muss: Beleuchtung, Helm und Bremsen können Leben retten.

Führerscheinneulinge sind gefährdet

Die nächste Gruppe, die überproportional in der Unfallstatistik auftaucht, ist nur wenig älter: die Führerscheinneulinge. Ihnen widmen sich der Verkehrssicherheitsberater mit dem Programm „Dein Unfall, der nicht passiert“. Gleich mehrere Faktoren machen die jungen Fahrer zu einer gefährdeten Art: Zu hohe Geschwindigkeit, Alkohol und Betäubungsmittel am Steuer und vor allem das Handy. „Das ist der Killer Nummer eins“, so Arnecke. Wenn er mit Kindern arbeite, frage er gerne mal nach, wer schon im Auto mitgefahren ist, während der Fahrer telefonierte oder Nachrichten verfasste. Die Antworten seien erschreckend.

Dabei erhöhe sich das Unfallrisiko beim Telefonieren schon um das Sechsfache – egal ob mit oder ohne Freisprechanlage. Beim Texten steige die Gefahr sogar um das 23-fache, weiß Arnecke. Die Reaktionsfähigkeit sei dann vergleichbar mit der eines Volltrunkenen am Steuer. Arnecke macht es anschaulich: „Bei einem Blick aufs Handy von nur einer Sekunde bei Tempo 100 ist man bereits 30 Meter im Blindflug unterwegs.“ In Zeiten, in denen der Straßenverkehr immer komplexer und unübersichtlicher werde, gleicht das einem Himmelfahrtskommando.

Ältere sollen möglichst lange selbstständig bleiben

Aber nicht nur die ganz jungen, sondern auch die älteren Verkehrsteilnehmer hat Arnecke im Blick. „Göttinger Senioren machen mobil“ und „Sicher unterwegs“ heißen die Maßnahmen, mit denen Verkehrswacht, Polizei und Verkehrsbetriebe die Senioren unterstützen wollen. „Unser Ziel ist es, dass ältere Verkehrsteilnehmer möglichst lange selbstständig am Verkehr teilnehmen können. Die Prämisse ist allerdings: Sie müssen sicher sein.“ Und während das eine Projekt die Fähigkeiten im eigenen Auto fördern soll, will das andere den Umstieg auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) erleichtern.

Für Arnecke steht fest: „Bei uns sind die Straßen sicher.“ Wer sich an die Vorschriften hält, kann das Schlimmste vermeiden. Und genau darum geht es Arnecke: „Jeder Unfall ist einer zu viel.“

Von Markus Scharf

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