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Göttingen Eltern von getötetem Baby auf Straße angegriffen
Die Region Göttingen Eltern von getötetem Baby auf Straße angegriffen
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00:27 25.05.2018
Quelle: dpa
Göttingen

Nach Angaben der Polizei wurde auf den Kopf des Mannes eingeschlagen und, als dieser zu Boden ging, auch getreten. „Er hat multiple Prellungen erlitten und musste stationär behandelt werden“, teilte sein Rechtsanwalt Martin Heising am Dienstag mit. Auch die Frau sei verletzt worden.

Nach diesem Akt der „Selbstjustiz“ erheben Heising und sein Göttinger Kollege Hans Erik Schumann schwere Vorwürfe gegen die Göttinger Staatsanwaltschaft. In einer Pressemitteilung habe die ihre Mandanten nicht nur identifizierbar, sondern auch vorschnell für den Tod ihres Kindes verantwortlich gemacht, erklärt Schumann. Nach seinen Erfahrungen sei es leider nicht das erste Mal, dass sich die Staatsanwaltschaft in einem Ermittlungsverfahren ohne ausreichende Beweise schon derart früh öffentlich auf bestimmte Verdächtige „einschießt“.

Pressemitteilung als Waffe

Es sei nach Ansicht der Anwälte zu erwarten gewesen, dass die Presseerklärung der Staatsanwaltschaft für das Ehepaar nicht folgenlos bleiben würde. Bereits nach der Veröffentlichung erster Artikel in verschiedenen Medien hätten die Eltern des verstorbenen Kindes geäußert, Angst vor Übergriffen zu haben. Ihm sei kein Ermittlungsverfahren bekannt, in dem zu einem so frühen Zeitpunkt derart detailliert berichtet worden sei, so Schumann. „Dabei ist nach jetzigem Stand nicht einmal klar, ob überhaupt eine Straftat begangen wurde. Es gibt genügend Alternativursachen.“ Es sei schon „ein starkes Stück“, wie die Staatsanwaltschaft hier versuche, Druck aufzubauen. Eine Pressemitteilung diene der Information und dürfe nicht als Waffe verwendet werden, kommentiert der Anwalt weiter.

Besagte Pressemitteilung hat es allerdings in diesem Fall nie gegeben. Wie Oberstaatsanwalt Andreas Buick am Dienstag mitteilte, sei man bewusst mit dem Fall nicht an die Öffentlichkeit gegangen. Erst auf Nachfrage eines Journalisten habe man vier Monate nach dem Tod des Kindes den Vorfall sowie Alter und Nationalität der Eltern bestätigt. Weitere Angaben, wie beispielsweise zur Art der Verletzungen des Kindes, seien selbstverständlich nicht gemacht worden. Das alles stehe im Einklang mit den Vorgaben des Niedersächsischen Justizministeriums, nach denen die Identität der Betroffenen gewahrt bleiben müsse. Ebenso sei man aber auch verpflichtet, auf Presseanfragen wahrheitsgemäß zu antworten und vorgelegte Fakten zu bestätigen.

Mutter und Vater einzige Tatverdächtige

Zu diesen Fakten zählte beispielsweise, dass Mutter und Vater als die einzigen Tatverdächtige gelten. Und dass sie sich weiterhin auf freiem Fuß befinden, weil bisher nicht geklärte werden konnte, ob einer von ihnen die Taten begangen haben könnte. Da die Unschuldsvermutung gelte, müsse man jeweils zugunsten eines Elternteils annehmen, dass der andere die Taten begangen haben könnte, hieß es Anfang Mai aus der Staatsanwaltschaft. Aktuell warten die Ermittler auf die Ergebnisse eines gerichtsmedizinischen Gutachtens. Schumann rechnet derzeit nicht damit, dass eines der Elternteile verurteilt wird. „Die Anklage steht auf ganz wackligen Füßen.“

Mit Blick auf die Ereignisse vom vergangenen Sonnabend fordern die Anwälte jetzt Schutz für ihre Mandanten, die „auch als Verdächtige nicht der Aggression eines Lynchmobs“ ausgesetzt werden dürften. Allerdings habe die Polizei bisher keine erkennbaren Maßnahmen eingeleitet.

Von Markus Scharf

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