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Göttingen Ende eines Familienbetriebes: Hillmanns hören auf
Die Region Göttingen Ende eines Familienbetriebes: Hillmanns hören auf
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00:17 05.01.2013
Nikolausberger Wirtsleute: Marita und Joachim Hillmann geben nach 38 Jahren ihren Klosterkrug auf, der seit 1851 im Familienbesitz ist. Quelle: Vetter
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Nikolausberg

Im Oktober 1974 hatten die beiden die Kneipe in seinem Elternhaus direkt gegenüber der Klosterkirche übernommen. Die Gaststätte ist Treffpunkt für den gesamten Ortsteil. Viele Stammgäste kommen, die örtlichen Vereine treffen sich dort und auch der Ortsrat tagt hier regelmäßig.

„Nein, nein – so schön kann doch kein Mann sein.“ Gitte schallt aus der Stereoanlage im Klosterkrug. NDR 1 Radio Niedersachsen liefert den Soundtrack des frühen Nachmittages. Noch ist wenig Betrieb im Klosterkrug, eine Gruppe älterer Frauen hat sich im hinteren Teil des Gasthauses zum Gänseessen eingefunden.

Doch in ein paar Stunden wird dann auch der große Stammtisch gleich neben der vertäfelten Theke in Beschlag genommen sein. Die angeschlagenen „Zehn Wirtshausgebote“ weisen den unerfahrenen Gast an – auch im Umgang mit dem Herren der Theke, Wirt Joachim Hillmann (66). Er zapft, bringt Getränke und Essen an den Tisch und findet trotz aller Hektik Zeit zum Plaudern.

Seine Frau Marita (58) herrscht in der Küche. „Warme Küche bis 22 Uhr“ heißt es auf einem Schild. Berühmt und begehrt sind die Schnitzel. Wenn es nötig wird, helfen die beiden Töchter aus.

Seit 38 Jahren bildet das Ehepaar ein Team im Klosterkrug. Doch am 28. Februar soll nun Schluss sein. Gesundheitliche Gründe zwingen sie dazu. „Ich würde gerne noch weiter machen, aber es geht nicht“, sagt er. Mehr als ein Jahr hätten sie diese schwere Entscheidung vor sich hergetragen. „Mit Lust und Liebe haben wir den Klosterkrug betrieben“, beschreibt sie.

Viel Herzblut sei hinein geflossen. Die zahlreichen Stammgäste, die regelmäßigen Kaffeegäste – auch von außerhalb des Ortes – sind für das Ehepaar Beweis, einiges richtig gemacht zu haben.

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Wirt Joachim Hillmann und seine Frau Marita schließen den Klosterkrug in Nikolausberg.

Im Oktober 1974 begannen Hillmanns, ihren Klosterkrug aufzubauen. Schon seine Großeltern, Ur-Großeltern und Ur-Ur-Großeltern hatten das Haus als Gastwirtschaft betrieben. Als Post, Laden und Kneipe war sie der Dorfmittelpunkt, gleich neben der Klosterkirche. Noch heute treffen sich die meisten der Vereine im Ort im Klosterkrug, der Gesangverein probt hier, einmal im Monat tagt der Ortsrat im kleinen, nachträglich hauptsächlich für Feiern eingerichteten Saal.

1711 wurde das Fachwerkgebäude in der Kalklage gebaut, wie Ortsheimatpflegerin Hildburg Rosenbauer berichtet. Sie geht davon aus, dass es an der Stelle schon vorher eine Wirtschaft gegeben hat. Der älteste Beleg für ein Gasthaus in Nikolausberg stammt nach ihren Angaben von 1523. „Vermutlich war es an der Stelle des heutigen Klosterkruges“, um die zahlreichen Pilger zu versorgen.

1851 ging das Gebäude in den Besitz der Familie von Joachim Hillmann über. Ein Kaufvertrag ist erhalten. Danach verkaufte der Nikolausberger Wirt Heinrich Beckmann die Gaststätte für 950 „Thaler in Golde“ an den Bäcker Carl Vollbrecht aus Holzerode.

Die neu gewonnene Freizeit wollen Hillmanns mit ihren Kindern und Enkeln verbringen. „Und das Leben genießen“, sagt sie. Zeit, sich der Schriftstellerei zu widmen. Ein Buch mit Kindergeschichten hat Marita Hillmann gerade veröffentlicht. Ob der Rückzug der Hillmanns aber das letzte Kapitel in der langen Geschichte des Klosterkruges ist, bleibt ungewiss.

Die beiden suchen einen Pächter, der das Gasthaus weiterführt. „Derzeit gibt es zwei Interessenten“, sagt Hillmann. Er geht davon aus, dass es im Klosterkrug auch nach dem eigenen Ausscheiden weitergeht.

Nikolausberger Wirtsleute: Marita und Joachim Hillmann.
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