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18:49 15.12.2009
Kann wieder den Vögeln in den Feldern lauschen: Maria Konsel und ihre Hörhilfe. Quelle: Westermann
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Als kleines Kind konnte Maria Konsel noch ein wenig hören. Doch das änderte sich. Bald kam der Tag, an dem die Geräusche immer gedämpfter wurden, und dann war da fast nur noch Stille. Ihre Eltern dachten zunächst, sie sei ein bockiges Kind, berichtet die heute 40-Jährige, inzwischen Mutter eines Sohnes. Doch Maria gehört zu den Menschen, die keine Sonderbehandlung wollen, die versuchen, sich ihr Leben zu erkämpfen.

Zweimal wurde sie in diesem Jahr schon operiert, ein Metallstift in ihrem Schädelknochen verankert, damit sie ihre Umwelt akustisch überhaupt noch wahrnehmen kann. Seit über einem halben Jahr kämpft sie mit daraus resultierenden Auswirkungen einer Entzündung, mit Eiter und Schmerzen und Magenproblemen. Die Chancen für diese Komplikationen standen bei 1 : 1000. Dazu kommen noch die Scherereien mit der Krankenkasse. Die nämlich will die Kosten nur teilweise tragen.
Dabei war Abhilfe dringend nötig, ihr altes Hörgerät defekt. Trotz der Nachwirkungen der OP: Das neue Gerät ist „wie ein Sechser im Lotto“. Denn sie kann wieder hören. Die Vögel im Feld, den weit entfernten Trecker, die Autos auf der anderen Seite des Hügels. „Schon so lange hatte ich so etwas nicht mehr gehört.“
Ihre Beeinträchtigung ist ein Geburtsfehler: Wo sonst die drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel sitzen, fehlt bei ihr etwas. Nur durch einen Zufall wurde die Behinderung entdeckt. Oft habe sie nachts wachgelegen und sich gefragt, wieso es gerade sie traf. Verständnis von Seiten ihrer Eltern gab es keines.
Schon als junges Mädchen will sie sich nicht unterkriegen lassen. Sie geht auf eine Schule für Hörbehinderte, wechselt aber auf eine reguläre Lehranstalt. Irgendwann fällt den anderen Schülern auf, das sie anders ist. „Ey, guck mal, die Maria“, flüstern sie. Dann sei das Spucken gekommen, das Treten. Sie wird „richtig bearbeitet“. Konsel schluckt. Diese Demütigungen, die Ausgrenzungen sind auf den ersten Blick betrachtet nicht das Schwierigste in ihrem Leben. Doch wie tief sie sitzen, steht in ihr Gesicht geschrieben. Trotzdem setzt sie sich durch, macht ihren Abschluss, absolviert zwei Ausbildungen. Und das, obwohl es damals keine Unterstützung für Menschen wie sie gibt, keine Hilfen, keine Rücksicht.

Doch als wäre das Unglück ein Magnet, hat sich Maria nicht nur gegen ihre körperliche Beeinträchtigung zur Wehr setzen müssen: Ihr Mann fürs Leben war eben keiner. Er entwickelte eine starke Alkoholabhängigkeit. Sie habe die Kehrseiten der Ehe kennengelernt, sagt sie und blickt zu Boden.

Einfach umgekippt

In dieser Zeit wächst der Stress für Maria täglich. Der Haushalt, ihr Sohn, alles bleibt an ihr hängen. Sie bekommt, welch bösartige Ironie, Ohrgeräusche – ein Pfeifen, ein Brummen und Rauschen. Irgendwann sei sie einfach umgekippt. Da habe sie gewusst: jetzt oder nie. Sie beendet die Beziehung, wechselt die Schlösser. Trotzdem steht er eines Nachts vor ihrem Bett. Die Leerstelle in ihrem Bericht ist groß und düster. Erinnerungen, die die Frau ins Wanken bringen.

Schließlich gelingt die Trennung, die Probleme bleiben. Immer noch schuldet der Ex-Mann Geld. Geld, das Konsel dringend gebrauchen könnte. Denn ihren Job verliert sie aufgrund von Sparmaßnahmen wieder. Für sie eine Katastrophe. Auch die finanziellen Nebenwirkungen ihrer jüngsten Operation belasten sie bis heute. Über 2000 Euro beträgt ihr Eigenanteil, obwohl sie unterstützende Sozialhilfe bekommt. Hier berät sie die Göttinger Diakonie – und „Keiner soll einsam sein“ kann helfen, ihre Ratenlast für die Hörhilfe zu mindern. „Wie heißt es so schön? Nach Regen kommt auch Sonnenschein“, meint Maria Konsel. Auch wenn der Regen lange währt.

Auf diese Konten können Sie zugunsten von „Keiner soll einsam sein“ spenden: Sparkasse Göttingen (BLZ 260 500 01), Kontonummer 422; Volksbank Göttingen (BLZ 260 900 50), Kontonummer 253 377 400; Commerzbank (BLZ 260 400 30), Kontonummer 613 900 000.

Von Erik Westermann

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