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Göttingen Tangente: Die große Liebe und der Aushilfsjob
Die Region Göttingen Tangente: Die große Liebe und der Aushilfsjob
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14:38 11.10.2018
Die Tangente in der Goetheallee schließt. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Die Göttinger Traditions-Diskothek Tangente schließt nach 37 Jahren: Die Resonanz auf diese Nachricht – auch in den sozialen Netzwerken – ist groß. Viele Göttinger und ehemalige Göttinger verbinden Erinnerungen mit dem Lokal an der Goetheallee.

Die Thekenkraft – Michael Möckel: Der Göttinger hat dort als Auszubildender zu Beginn der 80er Jahre am Wochenende hinter der Theke gearbeitet. „Das war eine schöne Zeit”, erinnert sich der Göttinger und spricht damit vielen aus der Seele. Möckel stand damals an der kleinen Theke, gegenüber der Tanzfläche. „Auf dem linken Ohr war ich nach der Schicht immer fast taub”, sagt er und lacht. Wenn die Tangente abgeschlossen wurde, habe sich die Belegschaft oft nach Feierabend in Richtung Güterbahnhofstaße auf den Weg gemacht. „Frühstücken bei Wölfis”, so Möckel. Wölfis, eine weitere Göttinger Gastro-Legende, hat bereits vor vielen Jahren geschlossen. Die Tangente macht zum Ende des Jahres dicht.

Der Türsteher –Frank Conrads: Er hat den Laden von Anfang an begleitet. An der Tür und an der Theke hat der Göttinger gearbeitet und tut es heute noch. „Bei den Ü-40-Partys wäre es ja auch komisch, wenn ein 20-Jähriger an der Tür steht”, sagt er. Längst arbeitet der Familienvater in einem Biotechunternehmen, seiner alten Wirkungsstätte ist er über all die Jahre treu geblieben. Aber: „Alles hat seine Zeit”, sagt der 54-Jährige. Die Tangente sei schließlich 37 Jahre lang fester Bestandteil des Göttinger Nachtlebens gewesen. Die dienstälteste Disco hat schon viele Gäste kommen und gehen sehen. Conrads erinnert sich an „herrliche Originale” wie „Manfred”. Vollbart, lange Haare. „Er tanzte immer so einen Stil zwischen deutsch und ruhig und schottischem Schwerttanz – ganz geschmeidig ”, sagt Conrads und lacht. Mit „DJ Frank”, so Conrads, habe er immer Spaß gehabt, wenn der auf dem Plattenteller plötzlich von Mainstream auf hippe Musik wechselte. Dann staute es sich immer auf den beiden Treppen, weil die einen schnell runter und die anderen schnell auf die Tanzfläche strömten. Ein großer Spaß für den Plattenleger. „Der hat sich immer gefreut wie Bolle”, sagt Conrads.

Der Stammgast – Friedhelm von Seydlitz: Den weißen Camaro vor der Tür, die langen Haare schon angegraut. Der heute 70-jährige Hi-Fi-Experte war in den frühen 90er Jahren aus der Tangente nicht wegzudenken. „Ich war eigentlich jeden Abend dort“, sagt von Seydlitz. Aber, natürlich, so wie es in Göttingen früher angesagt war, nicht vor 1 Uhr. „Dafür aber bis 5 Uhr morgens“, erinnert er sich. Irgendwann, so um 1996, dann war er der Musik überdrüssig, „immer nur Bobby Brown“, so von Seydlitz. Jahrelang aber war es für ihn ein Treffpunkt, er selbst und der Amischlitten waren nicht nur bei den Stammgästen bekannt. „Auch bei der Polizei“, sagt er. Da von Seydlitz meistens Wasser oder Cola trank, hatte der allerdings wenig zu befürchten. Einmal als Studentin im Camaro nach Hause gefahren zu werden – auch das ist eine unbezahlbare Erinnerung an die Tangente.

Die große Liebe – Petra Wille: „Da habe ich mich 1985 auf den 1. Blick in dich verliebt... Scheiße sind wir alt!”, schreibt die Göttingerin im Netz. Gemeint war ihr „erste große Liebe“, sagt sie. Wille war bereits als 17-Jährige Stammgast und sah dort ihren damaligen Traummann. „Ich war auf der Tanzfläche, er stand unten. Ich dachte sofort, das ist der Richtige“, erinnert sie sich. Längst und seit vielen Jahren ist Wille mit ihrem heutigen Mann glücklich verheiratet, auch ihre damalige große Liebe fand eine andere Frau. Bis heute sind die beiden aber eines: „Beste Freunde“, sagt sie. Wie viele Göttinger Paare in der Tangente zusammengefunden haben, weiß wohl niemand genau. Wenige sind es nicht. Heute gehen die Kinder dieser Paare dort tanzen. Auf Facebook bedauert auch Klaus Dohrmann das Ende des Kult-Clubs: „Oh nein, damals wurden wir doch von Christian als Inventar aus dem Clochard mit ins Gaslicht genommen, welches dann zur Tangente wurde. 1984 habe ich dort auch meine liebe Frau kennengelernt und unsere älteste Tochter schwärmt heute von den 80er Partys”.

Von Britta Bielefeld

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