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Göttingen Erstmals Hilfe für Pädophile, ehe es zur Tat kommt
Die Region Göttingen Erstmals Hilfe für Pädophile, ehe es zur Tat kommt
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19:29 15.07.2011
Therapie-Team: Sabine Pieh (v.l.), Nora Struszczynski, Jürgen L. Müller, Georg Stolpmann. Quelle: Gückel
Göttingen

Missbrauch vorbeugen – durch frühzeitige Therapie potenzieller Täter. Das ist die Strategie von Jürgen L. Müller, Professor für forensische Psychiatrie und Chefarzt an der Asklepios-Klinik, und seinem Team. Die erfahrenen Therapeuten, die bisher fast nur mit bereits straffälligen Kinderschändern im Maßregelvollzug des Landeskrankenhauses zu tun hatten, wissen längst: Rund fünf Prozent aller Männer (Hochrechnungen) dürften pädophile Neigungen haben, sich also sexuell zu Kindern hingezogen fühlen. Von ihnen dürften fünf Prozent weiblich sein. Straffällig werden die wenigsten. Doch ob die Bewältigungsstrategien auf Dauer halten, ist bei vielen fraglich. Jede Lebensänderung kann die Kontrolle über die gestörte Sexualpräferenz bedrohen. Dunkelfeldstudien, wie die bundesweite Aktion „Wenn Ihnen Kinder lieber sind, als Ihnen lieb ist“, haben gezeigt, dass Bedarf an therapeutischer Hilfe besteht. Doch die gibt es bisher gar nicht. Welcher Sexualtherapeut mag potenzielle Kinderschänder in einem Wartezimmer neben Opfern sexueller Gewalt haben?

In Göttingen wird ab sofort das Projekt „Prävention sexueller Missbrauch“ angeboten, eine niederschwellige, diskrete Hilfe für Pädophile. Gemeinsam finanzieren das Land Niedersachsen, die Universitätsmedizin und die Asklepios-Klinik zwei Stellen für drei Jahre. Der forensische Psychiater Georg Stolpmann und die Psychotherapeutin Sabine Pieh bieten zusammen mit Müller kostenlose ambulante, freiwillige Therapie für Menschen, die ihre gestörte Sexualpräferenz als Problem erkennen. Nora Struszczynski bereitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin Erfahrungen des vorerst dreijährigen Therapieangebots auf. Die ersten Patienten haben sich schon gemeldet. In bis zu einjährigen regelmäßigen Therapiesitzungen, teils in Gruppen, sollen sie sich mit ihrer fehlgeleiteten sexuellen Präferenz auseinander setzen und so Strategien entwickeln, nicht straffällig zu werden. „Nicht nur Männer, auch Frauen“, sagt Struszczynski. Melden können sich Interessenten, die spüren, sich zu Kindern mehr hingezogen zu fühlen, als ihnen lieb und gesetzlich erlaubt ist, unter Telefon 05 51 / 4 02 11 79 oder per Mail psm.goettingen@asklepios.com.

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