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Göttingen Mehr als 1,3 Millionen Euro aus Erbschaftsfällen veruntreut?
Die Region Göttingen Mehr als 1,3 Millionen Euro aus Erbschaftsfällen veruntreut?
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00:19 09.09.2017
Symbolbild Quelle: dpa
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Göttingen

Sie wirft ihm vor, zwischen August 2011 und Januar 2015 als gerichtlich bestellter Nachlasspfleger wiederholt erhebliche Beträge aus der Erbmasse von zehn Verstorbenen für sich abgezweigt und verwendet zu haben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war der 48-Jährige Geschäftsführer einer GmbH, die laut eigener Darstellung mit der Begleitung von Insolvenzverfahren, Zwangsverwaltungen und Pflegschaften aller Art befasst war. Bei den angeklagten Fällen geht es um Nachlasspflegschaften. Wenn unklar ist, ob und welche Erben ein Verstorbener hat, setzen Amtsgerichte einen Nachlasspfleger ein. Dieser ist dann der gesetzliche Vertreter der unbekannten Erben. Er hat die Aufgabe, die Erben zu ermitteln und die Nachlassangelegenheit abzuwickeln.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 48-Jährigen vor, nur einen Teil der Erbmasse an die berechtigten Erben ausgekehrt zu haben und erhebliche Anteile für sich verwendet zu haben. Dabei soll er so vorgegangen sein, dass er die jeweiligen Treuhandkonten für die einzelnen Nachlässe auflöste und stattdessen die Gelder auf ein eigens eingerichtetes Sammelkonto transferierte. In einem Fall habe er beispielsweise 365.000 Euro aus dem Nachlass einer verstorbenen Frau auf dieses Konto umgebucht, in einem anderen Fall seien es 840.000 Euro gewesen, sagte Behördensprecher Andreas Buick.

Von diesem aus verschiedenen Nachlässen gespeisten Konto soll er dann über mehrere Jahre hinweg nach und nach mehr als 185000 Euro in bar abgehoben haben. Außerdem überwies er laut Anklage 64000 Euro auf ein Privatkonto, weitere 45000 Euro flossen auf ein Prepaid-Kreditkartenkonto. Mehr als 990000 Euro transferierte er auf sein Geschäftskonto, dorthin soll er außerdem weitere 44000 Euro direkt aus einem Nachlass überwiesen haben.

Der 48-Jährige hatte sich vor zwei Jahren selbst angezeigt. Als Tatmotiv gab er gegenüber den Ermittlern an, dass er mit dem veruntreuten Geld seine Spielsucht finanziert habe. Nach Bekanntwerden des Falls war er von allen Aufgaben entpflichtet worden. Die betroffenen Amtsgerichte überprüften zudem sämtliche Nachlassverfahren, die der 48-Jährige in den Vorjahren betreut hatte.

Von Heidi Niemann

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