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Göttingen Experten-Podium: Kein erhöhtes Krebs-Risiko in Groß Schneen
Die Region Göttingen Experten-Podium: Kein erhöhtes Krebs-Risiko in Groß Schneen
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19:19 29.01.2013
Großes Interesse an Aufklärung: Rund 300 Zuhörer folgten den Ausführungen des Experten-Podiums. Quelle: Hinzmann
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Groß Schneen

Es gibt kein erhöhtes Risiko, in Groß Schneen an Krebs zu erkranken, und es hat dieses auch in den vergangenen 15 Jahren nicht gegeben. Die mit dem Vorwurf konfrontierte Schilderfabrik Grewe OHG ist vom Verdacht, unsachgemäß mit gefährlichem Trichlorethen (auch Trichlorethylen) umgegangen zu sein, entlastet.

Das ist das Ergebnis der Info-Veranstaltung am Montagabend in der Gauß-Schule vor rund 300 aufmerksamen Zuhörern. Das durch die Strafanzeige eines ortsansässigen Biochemikers im Herbst 2012 ausgelöste Ermittlungsverfahren hatte die Staatsanwaltschaft Göttingen bereits am 18. Januar eingestellt.

Das, so Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD), sei das gute Ergebnis. Auch, dass der Verdacht schnell wissenschaftlich untersucht und ausgeräumt wurde. Wie aber, so fragten sich viele der Zuhörer, hatte es dazu kommen können?

Dazu zog das Landesgesundheitsamt ein Fazit. Die Annahme einer „deutlichen Krebshäufung“, wie sie vom Anzeigeerstatter in Form einer Liste mit 52 Krebsfällen aus einem relativ kleinen Wohngebiet dokumentiert worden war, „basiert auf unzutreffenden Fallzuordnungen und Berechnungen“.

So war der Anzeigeerstatter zum Beispiel davon ausgegangen, dass in dem angeblich betroffenen Wohngebiet 400 Menschen leben und jährlich lediglich 0,3 Krebsfälle – also alle drei Jahre eine Neuerkrankung – zu erwarten gewesen wäre. Tatsächlich aber, so Dr. Eckart Mayr vom Gesundheitsamt Göttingen, weise das Wohngebiet 550 Einwohner auf, und die durchschnittliche Zahl der Neuerkrankungen im Jahr hätte mit mindestens zwei (bei 400 Einwohnern) angenommen werden müssen.

Schließlich erkranke in Deutschland jeder dritte Mensch in seinem Leben an Krebs, jeder vierte sterbe daran. Und im untersuchten Wohngebiet (sieben Straßen zwischen Ballenhäuser Weg, Birkenfeld und Plesseweg) sei unter Berücksichtigung des Alters der Bewohner sogar mit einer jährlichen Neuerkrankungsrate von 3,33 zu rechnen.

Nach Auswertung von 12 000 Todesbescheinigungen und einer Umfrageaktion bei allen vom Anzeigeerstatter zusammengetragenen Verdachtsfällen ergab sich folgendes Bild: In den vergangenen 15 Jahren wären statistisch 41 Erkrankungen zu erwarten gewesen (Landesdurchschnitt).

Von einer „auffälligen Häufigkeit“ hätte man ab 52 Fällen sprechen können. Tatsächlich aber sind bisher lediglich 35 Fälle festzustellen gewesen. Acht weitere Verdachtsfälle sind noch unklar. Selbst wenn sich, worum Mayer bat, jetzt noch Betroffene melden sollten, käme man mit 40 bis 50 Fällen zu keiner ungewöhnlichen Häufung. Bis Ende März werde ein Endergebnis vorgelegt.

Der auf Umweltunfälle spezialisierte Chemiker Rainer Hartmann erläuterte, dass die Behauptung des Anzeigeerstatters, die Firma sei noch bis in jüngste Zeit mit Trichlorethen umgegangen, widerlegt ist. Selbst Restbestände des bis 1999 zugelassenen und auch genutzten Lösungsmittels wurden bei einer Durchsuchung im November nicht gefunden.

Die seither benutzte Entfettungsmaschine arbeite nicht mehr mit Tri. Luftproben aus der Schotterschicht unter der Werkshalle – Tri durchdringt Beton – wiesen kaum messbare Spuren auf, so dass von einem sachgemäßen Umgang mit der Chemikalie auszugehen sei.

Expertengruppe

Erst nach Medienberichten über die Eröffnung eines Strafverfahrens wegen des Verdachts einer erhöhten Krebshäufigkeit in Groß Schneen hat das Landessozialministerium auf die Zusammenstellung einer Expertengruppe gedrungen. Diese hat daraufhin die vom Anzeigeerstatter eingereichte Fallliste untersucht. Die hiesigen Gesundheitsbehörden hatten bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal von dem Verdacht offiziell erfahren. Beteiligt wurden an der Expertengruppe das Gesundheitsamt von Stadt und Landkreis Göttingen, das Landesgesundheitsamt und das epidemiologische Krebsregister Niedersachsen. Das Gesundheitsamt der Stadt koordinierte die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Göttingen, das Landesgesundheitsamt führte die nachfolgende statistisch-epidemiologische Analyse durch.

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