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Göttingen Fachkräftemangel bei Kommunen angekommen
Die Region Göttingen Fachkräftemangel bei Kommunen angekommen
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17:38 08.10.2018
Vor allem in den Kindergärten ist der Mangel an qualifiziertem Personal schon heute deutlich zu spüren. Quelle: dpa
Göttingen

Doch es bedarf keiner düsteren Prognosen, um zu erkennen, dass in den Ämtern und Behörden immer mehr Stühle frei bleiben. Beim Landkreis Göttingen lässt sich das Problem schon jetzt beziffern: Von 1538 Stellen im Plan für das Jahr 2017 waren nur 1300 besetzt. 2018 sieht es nur unwesentlich besser aus. „Die Kreisverwaltung rechnet im Jahr 2018 mit knapp 2,7 Millionen Euro weniger Personalkosten als geplant, die im Wesentlichen darauf zurückzuführen sind, dass Stellen nicht oder verspätet besetzt wurden“, so Kreisrat Marcel Riethig.

Stellenvakanzen gebe es in allen Bereichen der Verwaltung. Betroffen seien insbesondere die Fachbereiche Jobcenter, Jugend und Soziales, aber auch Umwelt, Veterinärwesen und Verbraucherschutz sowie Öffentliche Sicherheit und Ordnung, heißt es aus der Kreisverwaltung. Und auch im benachbarten Neuen Rathaus ist der Fachkräftemangel längst ein Thema. Insbesondere im Bereich des Kitapersonals, in den technischen Bereichen mit erforderlichem Studienabschluss wie bei Ingenieuren, Architekten oder bei Ärzten sei die Zahl der Bewerber oft nicht ausreichend, so Dominik Kimyon, Sprecher der Stadtverwaltung.

Rosdorf: „Das ist einfach ein schwieriges Geschäft“

„Diese Schwierigkeiten haben wir natürlich auch“, sagt Klaus Hampe, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters in Rosdorf. Vor allem im Kita-Sektor sei der Fachkräftemangel zu spüren. Zwar seien dort derzeit alle festen Stellen besetzt. „Aber im Krankheitsfall zum Beispiel eine Langzeitvertretung zu bekommen, ist verdammt schwierig“, sagt Hampe.

Überrascht sei er zudem von dem Umstand, dass kaum Personal für die Reinigung öffentlicher Einrichtungen in der Gemeinde Rosdorf zu bekommen sei. Vor einem Jahr habe die Verwaltung eine Reihe von Objekten in der Ortschaft Rosdorf auf Selbstreinigung umgestellt. In diesen Fällen beauftrage man also keine Firma mehr, sondern stelle selbst Reinigungskräfte an, erklärt Hampe. Diese Stellen seien zwar mittlerweile alle besetzt, aufgrund der geringen Zahl an Bewerbern habe man aber keine Auswahl treffen können. Zudem habe man „zigfach versucht“, jemanden zu finden, der eine Sporthalle um 6 Uhr reinigt. „Das ist einfach ein schwieriges Geschäft, obwohl man dazu keine besondere Qualifikation benötigt“, wundert sich Hampe.

Kleine Kommunen haben keine Chance

„Sehr dünn“ sehe es auch bei den Verwaltungsfachangestellten aus, sagt der allgemeine Vertreter des Bürgermeisters. Zunehmend lade die Verwaltung daher bei Stellenausschreibungen auch schon Vertreter „artverwandter Berufe wie Bürokaufmann“ ein. „Wir müssen einfach schauen, ob sich auch darunter mögliche Kandidaten befinden. Ansonsten sehen wir alt aus.“ Und das, obwohl die Gemeinde Rosdorf jedes Jahr einen Ausbildungsplatz anbiete. „Das reicht aber nicht immer“, erklärt Hampe. Wenn ein Mitarbeiter zum Beispiel aus Altersgründen ausscheide, sei ja nicht automatisch immer einer der Azubis fertig. Das Problem werde sich allerdings noch verschlimmern. Denn in den nächsten Jahren würden in den Kommunen allgemein sehr viele Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. „Da kann man nicht gegen ausbilden“, sagt Hampe.

Eine Lösung für das Problem sieht Hampe nicht, zumindest nicht in seiner Verwaltung: „Wir als kleine Kommune haben keine Chance, da gegenzusteuern. Wir bilden ja jetzt schon mit einem Azubi pro Jahr über Bedarf aus.“ Er sehe eher die großen Verwaltungen wie Stadt und Landkreis Göttingen oder die Universität in der Pflicht, mehr auszubilden. Und dann seien da ja auch noch die Bewerber selbst. Er habe es schon mehrfach erlebt, berichtet Hampe, dass Auszubildende kurz vor Beginn der Ausbildung noch abgesprungen seien, einer davon sogar am ersten Arbeitstag. „So eine Stelle bekommt man dann natürlich nicht mehr besetzt“, sagt Hampe.

„Bund und Land sind gefordert“

Die Anzahl an Bewerbungen sind in den vergangenen Jahren in der Tat drastisch zurückgegangen, sagt auch Gieboldehausens Verwaltungschef Steffen Ahrenhold (CDU). Befristete Stellen bekomme man zum Teil gar nicht mehr besetzt. Dieses liege seines Erachtens zum Einen sicherlich an der demografischen Entwicklung. Zum anderen habe der öffentliche Dienst an Attraktivität verloren. „Es muss ein Umdenken her.“ Leider könnten viele kleine Kommunen eine Attraktivitätssteigerung über die Entgelte kaum verkraften. „Hier sind Bund und Land gefordert, die Kommunen adäquat auszustatten oder zukunftsfähig aufzustellen.“

Duderstadt ohne Probleme

Nur wenige Kilometer weiter ist der Fachkräftemangel scheinbar noch nicht angekommen. Aus der Duderstädter Verwaltung heißt es: Kein Problem. Wie Fachbereichsleiterin Bettina Steinmetz berichtet, hätten bisher alle Stellen besetzt werden können. Das gelte sowohl im sozialpädagogischen Bereich, etwa bei den städtischen Kindergärten, aber auch für die technischen Berufe in Bauhof oder Bauamt sowie in der Verwaltung.

Darüber hinaus seien auch keine Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben. Auch auf die derzeit laufenden Ausschreibungen kämen „ausreichend qualifizierte Bewerbungen ins Haus“, so Steinmetz. Gleichwohl merke auch die Stadt Duderstadt, dass vor allem im Kindergartenbereich „nicht mehr ganz so viele Bewerbungen“ eingingen, „wie wir schon hatten“, und die Zahl der Bewerbungen rückläufig sei. Bei der Stadt Duderstadt sind aktuell 236 Mitarbeiter beschäftigt – von der Verwaltung über Bauhof und Kindergärten bis hin zum Reinigungsdienst und den Schulhausmeistern.

Mittel zur Attraktivitätssteigerung

In Göttingen bemüht man sich derweil um eine bessere Zukunft. Die Kreisverwaltung weitet schon jetzt die Ausbildungsangebote aus, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Im kommenden Jahr werden die Studiengänge Soziale Arbeit und eventuell auch Verwaltungsinformatik an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie angeboten.

Bei der Stadt setzt man ebenfalls auf ein breites Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten. Außerdem versucht man das Zertifikat „Top Arbeitgeber Südniedersachsens“ mit Leben zu füllen: Telearbeit, Kita-Plätze, Gesundheitsmanagement und flexible Arbeitszeitmodelle hätten zur Attraktivitätssteigerung beigetragen, so Kimyon. Der Erfolg: Zum Stichtag 30. Juni 2018 betrug die Stellenbesetzungsquote 94,8 Prozent.

Von Britta Eichner-Ramm, Andreas Fuhrmann, Markus Scharf

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