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Göttingen „Der Osterhase ist sicher“
Die Region Göttingen „Der Osterhase ist sicher“
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20:06 14.04.2017
Lange Ohren: Der milde Frühling stabilisiert den Bestand der Feldhasen in Südniedersachsen. Quelle: Rolfes/DJV
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Göttingen

Der Feldhase ist dennoch ein eher seltener Bewohner der Region. Wille spricht davon, dass der Bestand „niedrig, aber wieder auf stabilem Niveau“ ist. Wie viele Hasen tatsächlich in der Region leben, wird nicht erfasst. In der sogenannten Strecke der Jägerschaft tauchen sie nur als Einzelfälle auf. Die Strecke, das ist die Liste der Wildtiere, die entweder erlegt oder tot aufgefunden wurden. Die Hasen, die dort auftauchen, sind ausschließlich „Fallwild“, also Exemplare die auf der Straße unter die Räder gekommen oder beispielsweise an einem Virus verendet sind. „Wir Jäger lassen den Hasen in Ruhe“, sagt Wille. Noch vor 40, 50 Jahren seien die Tiere so häufig im Leinetal vorgekommen, dass sie intensiv bejagt werden konnten. Damit ist es lange vorbei. Die Ursachen sind laut Wille vielseitig. Hasen seien krankheitsanfällig, deshalb benötigen sie eine gut sortierte „Kräuterapotheke“, also viele verschiedene Wildkräuter. „Die gibt es nicht auf Raps- und Rübenacker“, sagt Wille.

Dennoch: Der trockene, milde Frühling kommt der Hasenpopulation zugute. „Ich habe in meinem Revier schon viele Junghasen herumhoppeln sehen“, so der Jäger. Ähnliches hätten auch andere Waidmänner aus der Region Gleichen bestätigt. Die kleinen Hasen sind bereits einige Wochen alt und weniger anfällig.

Landesweit leben nach Angaben des niedersächsischen Jagdverbandes durchschnittlich elf Feldhasen pro Quadratkilometer - im Vergleich zu den vorherigen Jahren blieb der Hasenbesatz im Land somit stabil. Die Zahlen aus der Wildtiererfassung Niedersachsen (WTE) schwanken regional. Reviere im Westen und Nordwesten des Landes sind traditionell Hochburgen für Langohren. In anderen Regionen Niedersachsens kommt Lepus europaeus, so der wissenschaftliche Name des Feldhasen, nach wie vor flächendeckend vor - allerdings wie in Südniedersachsen in weit niedrigen Besatzzahlen. „Entscheidend für den Feldhasen sind die Qualität des Lebensraums, die Witterung und der Einfluss der Fressfeinde. Bleibt der Frühling so, lässt sich für dieses Jahr auf eine positive Entwicklung der Besätze hoffen“, bestätigt auch Egbert Strauß, Wildbiologe der Landesjägerschaft Niedersachsen und Experte für den Feldhasen.

Kaltes und nasses Wetter - vor allem im Frühjahr - wie es 2016 der Fall war, können zur Unterkühlung der Junghasen und somit zu erhöhter Sterblichkeit führen. Junghasen werden auf dem offenem Feld in einer Erdmulde - der Sasse - geboren. „Beständiger Regen durchnässt das Fell, es isoliert nicht mehr richtig und bei niedrigen Temperaturen sterben viele Jungtiere“, so der Wildbiologe.

Wille ist zuversichtlich. „Die Märzhasen sind jetzt stabil.“ Wenn die Tiere sich weiter so entwickelten, könne es sein, dass sie noch im diesem Jahr selbst Junge werfen und somit die Population weiter stabilisieren.

Jäger bitten um Rücksicht

Frühling: Für viele Tiere in der freien Natur ist jetzt Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit. Deshalb erinnern die Jäger der Region an den Leinenzwang für Hunde und bitten Spaziergänger, auf ausgewiesenen Wegen zu bleiben. "Ob Rehkitz, Junghase oder Fasanenkücken, Rücksichtnahme ist dringend erforderlich", so Thomas Heß von der Jägerschaft Göttingen. Vor allem von freilaufenden Hunden gehe ein Gefahr für die Wildtiere aus, beispielsweise hochträchtige Rehe seien nicht mehr schnell genug, um vor stöbernden Hunden zu fliehen.Jugtiere, so Heß weiter, werden tagsüber oft allein gelassen. In Verbindung mit der angeborenen "ducken-und-tarnen-Strategie" seien sie so für natürliche Fressfeinde fast unauffindbar.

Solche Jungtiere sollten Spaziergänger auf keinen Fall anfassen oder gar mitnehmen. "Falsch verstandene Tierliebe bewirkt in diesen Fällen leider allzu häufig das Gegenteil", so Thomas Heß weiter.

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