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Göttingen Flüchtlinge kritisieren Unterkunftsbedingungen
Die Region Göttingen Flüchtlinge kritisieren Unterkunftsbedingungen
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00:31 14.05.2018
Privatsphäre Fehlanzeige. Wohnen und Leben in der Flüchtlingsunterkunft Siekhöhe in Grone. Quelle: Harald Wenzel
Grone

Betrieben wird die Unterkunft mit 200 Plätzen im Groner Industriegebiet vom Deutschen Roten Kreuz. Die Zustände dort seien vor allem für Frauen und Familien kaum zumutbar, erklärten die drei Flüchtlinge. Eine 24-jährige Frau aus Afghanistan, seit sieben Monaten in Deutschland, sagte, einen geschützten Raum gebe es nicht. Es sei unglaublich laut, Schlaf sei kaum möglich. Der Weg in die Stadt sei zudem sehr weit. Alle drei Flüchtlinge klagten über massiv verschmutzte Toiletten, was auch daran liege, dass Bewohner sie unsachgemäß benutzten.

Klagen über schlechtes Essen

Ein 46-jähriger Familienvater aus Tschetschenien kritisierte zudem, seine vier Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren hätten einen ein Kilometer langen Schulweg. Außerdem bestehe auf der Siekhöhe keine Möglichkeit, Essen zu kochen. Seine Kinder hätten mittlerweile stark abgenommen. Sowohl die Afghanin als auch der Familienvater, die sich derzeit beide im Krankenhaus befinden, erklärten bei der Pressekonferenz des Flüchtlingsrates am Freitag, sie würden sich umbringen, sollten sie gezwungen werden, weiter in der Unterkunft Siekhöhe zu leben.

Ein 25-Jähriger aus Guinea-Bissau, von August vorigen Jahres bis zum April auf der Siekhöhe untergebracht, kritisierte ebenso wie der Mann aus Tschetschenien, die Stadtverwaltung habe ihnen falsche Versprechungen gemacht: Nicht länger als drei bis vier Monate sollten sie am Anna-Vandenhoeck-Ring untergebracht werden und spätestens dann eine andere Unterkunft zugewiesen bekommen. Stattdessen seien es neun beziehungsweise mehr als zwölf Monate geworden. Beide warfen der Stadtverwaltung zudem vor, ihnen Wohnungen, die sie in Eigeninitiative gefunden hatten, verweigert zu haben. Der 25-Jährige, abgelehnter und damit ausreisepflichtiger Asylbewerber, hat sich einen Anwalt genommen, um der Abschiebung zu entgehen.

Stadt: Überbelegung droht

Trotz aller Kritik will die Stadt Göttingen die Einrichtung auf der Siekhöhe weiter betreiben – zunächst bis Ende April kommenden Jahres. Ein Grund: die bevorstehende Schließung der Flüchtlingsunterkunft am Nonnenstieg (ehemaliges IWF-Gebäude). Sollte die Unterkunft auf der Siekhöhe am Jahresende geschlossen werden, drohe eine Überbelegung der städtischen Flüchtlingsquartiere von 132 Personen. Dabei seien zu erwartende neue Zuweisungen noch nicht eingerechnet, erklärt die Verwaltung. Werde die Einrichtung weiterbetrieben, könne die Stadt über 68 freie Plätze verfügen.

Schwieriger Wohnungsmarkt

Anders als der Flüchtlingsrat sieht die Stadt die Unterkunftsbedingungen positiv. Sozialdezernentin Petra Broistedt betonte kürzlich, das DRK als Betreiber leiste dort „erstklassige Arbeit“. Eine Entscheidung über den Fortbestand sei nötig, auch weil der Betreiber und die Mitarbeiter Sicherheit benötigten. Dennoch bleibe es Ziel der Verwaltung, die Einrichtung so schnell wie möglich zu schließen. Zwar sei die Verwaltung bemüht, Personen auf dem Wohnungsmarkt unterzubringen, das aber gelinge nicht im erhofften Umfang. Der Niedersächsische Flüchtlingsrat fordere dagegen weiterhin die Schließung der Unterkunft auf der Siekhöhe, sagte Sprecher Sascha Schießl.

Sollte sich die Flüchtlingsunterbringungssituation bis Ende dieses Jahres nicht entscheidend verbessert haben, so der Beschlussvorschlag der Verwaltung für den Sozialausschuss am Dienstag, 15. Mai, könne der Vertrag in Absprache mit dem DRK über den April kommenden Jahres hinaus erneut verlängert werden. Die Ausschusssitzung im Neuen Rathaus, Raum 118, beginnt um 16 Uhr.

Von Matthias Heinzel

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