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Göttingen Forderung nach mehr Geld für Integration von Langzeitarbeitslosen
Die Region Göttingen Forderung nach mehr Geld für Integration von Langzeitarbeitslosen
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00:30 06.04.2018
Irene Vorholz, Beigeordnete des Deutschen Landkreistages, Landrat Bernhard Reuter und Raimund Becker (Vorstand der Bundesagentur für Arbeit) beim Jobcenter-Besuch (v.l.). Quelle: Richter
Göttingen

„Die Jahre der Systemkonkurrenz sind vorbei“, erklärte Landrat Reuter während einer gemeinsamen Pressekonferenz im Jobcenter Göttingen-Land an der Carl-Zeiss-Straße 5 der Universitätsstadt. Die Jobcenter, die teils von Kommunen allein (so in Göttingen und in 103 anderen Landkreisen und kreisfreien Städten) oder von Kommunen und der Bundesagentur für Arbeit gemeinsam (so in den anderen 297 Landkreisen und kreisfreien Städten) gemanagt würden, hätten ihre gemeinsamen Interessen gegenüber dem Bund erkannt.

Mittel für Integration von Langzeitarbeitslosen gehen zurück

So beklagte Reuter gemeinsam mit Becker den Rückgang der Mittel, die Berlin für die Eingliederung von Langzeitarbeitslosen zur Verfügung stellt. „Im alten Landkreis Göttingen standen dafür 2010 zwölf Millionen Euro zur Verfügung“, berichtete Gabriele Bock, die Leiterin des Jobcenters Göttingen-Land. Heute erhalte sie für den mit Osterode fusionierten Landkreis nur noch 4,2 Millionen Euro. Allerdings, so Vorstand Becker, habe sich seit 2010 die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Deutschland halbiert. Landrat Reuter forderte zudem, dass der Bund die Eingliederungsmittel langfristig zur Verfügung stelle.

Verwaltungskosten steigen

Auf den Anstieg der Verwaltungskosten aufgrund von Erhöhungen bei den Tarifen und Besoldungen wiesen sowohl Reuter als auch Becker hin. Dadurch seien die Personalkosten des Jobcenters Göttingen-Land in den vergangenen sieben Jahren um 30 bis 40 Prozent gestiegen, so Reuter. Um das aufzufangen, würden Mittel umgeschichtet. Daher sinke der Betrag, der in diesem Jahr für Eingliederungsmaßnahmen vorgesehen sei, um 7,3 Millionen Euro auf 4,2 Millionen Euro. Reuter betonte, dass dieses Geld für Fallmanager eingesetzt werde und damit den Langzeitarbeitslosen zugute komme. Derzeit betreue im Landkreis Göttingen ein Fallmanager 150 Erwachsene oder 75 Jugendliche.

Förderbedarf bei Flüchtlingen

Einen „erhöhten Förderbedarf“ machte der Landrat bei Flüchtlingen aus. Die vom Bund für Sprachkurse, schulische und berufliche Qualifikation zur Verfügung gestellten Mittel reichten „bei weitem nicht aus“. In Göttingen würden derzeit 1200 Flüchtlinge mit ihren zusammen 500 Kindern Hartz IV beziehen, berichtete Jobcenterleiterin Bock. Diese Zahl werde „in absehbarer Zeit“ auf 2400 Personen steigen. Unzureichende Sprachkenntnisse seien ein Problem. „Zudem kommen die Menschen ohne Zertifikat der Industrie- und Handelskammer nach Deutschland“, meinte Becker. Es sei nicht einfach, die Kenntnisse von Menschen aus „anderen Bildungskontexten“ zu erfassen.

Fördermittel für soziale Teilhabe

Als „gute Nachricht“ bezeichnete der Agentur-für-Arbeit-Vorstand die Ankündigung der großen Koalition in Berlin, vier Milliarden Euro Fördermittel für soziale Teilhabe zur Verfügung zu stellen. Jahrelang habe es kein Geld für Menschen mit mehreren Vermittlungshemmnissen, deutschlandweit etwa 200 000 Bürger, gegeben, erklärte Becker. Die Betroffenen seien „sehr weit von einer Integration in den Arbeitsmarkt entfernt“.

Kein Schulabschluss

Viele verfügten nicht einmal über einen Schulabschluss, ergänzte der Landrat. Oft seien sie alkoholabhängig, psychisch krank oder gesundheitlich eingeschränkt. Es werde schwierig, für sie eine sinnvolle Beschäftigung zu finden. Sie dürften zudem Betrieben des ersten Arbeitsmarkt keine Konkurrenz machen.

Von Michael Caspar

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