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00:17 13.08.2016
Arasch Zandieh mit seinen Porträts. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

andieh fuhr mit seinem Motorrad auf der Weender Landstraße, als plötzlich ein Auto von der Gegenspur seine Fahrbahn kreuzte. „Ich hatte grün“, erzählt Zandieh. Ungebremst krachte das Motorrad in die Beifahrerseite des Autos. Er habe Glück gehabt, dass zufällig ein Notarzt privat in der Nähe des Unfallorts unterwegs war. Einen Tag später ging er mit Krücken zur Arbeit – mit einer posttraumatischen Belastungsstörung, einem Sehnenanriss im Schulterbereich und mehreren schweren Prellungen.

„Ich dachte nur: Du darfst den Job nicht verlieren“

„Ich dachte nur: Du darfst den Job nicht verlieren“, sagt der 37-Jährige und erzählt von dem Leistungsdruck, den er spürte, seit er mit seinen Eltern im Alter von acht Jahren nach Deutschland auswanderte. In seinem Geburtsland, dem Iran, herrschte zu dieser Zeit Krieg mit dem Irak. „Meine Eltern wollten uns eine bessere Zukunft sichern“, erklärt der Künstler.

Noch zweieinhalb Jahre arbeitete Zandieh nach dem Unfall als Projektmanager in der Werbebranche weiter, danach war Schluss. Zu viel hätte sich durch den Unfall in ihm verändert. „Ich war sehr, sehr unglücklich“, sagt er. Nach 26 Jahren reiste er schließlich zum ersten Mal wieder in den Iran. Auf der Reise habe Zandieh viele Menschen getroffen, die ganz andere Probleme hätten als er. „Es war mein Glück Menschen kennengelernt zu haben, die mir gezeigt haben, was wirklich wichtig ist“, erzählt der Fotograf.

Immer mit dabei: seine Kamera

Insgesamt verbrachte Zandieh sechs Monate im Iran, verteilt auf mehrere Reisen. Immer mit dabei: seine Kamera. Der Göttinger möchte mit den schwarz-weißen Porträtaufnahmen der Menschen, die er dort auf den Straßen traf, vor allem „die Seelen der Menschen rüberbringen“, und ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen. Es sei „hirnrissig, Menschen wegen ihrer Nationalität oder Hautfarbe abzulehnen“, sagt Zandieh und ergänzt: „Wir dürfen unsere Grundwerte nicht verlieren.“

Nach Beendigung seiner Ausstellung stehen die Porträts zum Verkauf. Den Großteil des Erlöses möchte der Fotograf an soziale Projekte des Arbeiterwohlfahrtverbandes und der Stadt Göttingen spenden. „Ich habe das Gefühl, der Kreis schließt sich“, sagt der Künstler. Karriere, meint Zandieh, „ist nicht alles.“

Von Yannick Höppner

Reise zum Glück

Foto-Ausstellung:  „Reise zum Glück“ eröffnet am Dienstag, 23. August, um 11 Uhr im Haus des „Kunst.Hand.Werkes“ der Arbeiterwohlfahrt an der Kurzen Straße 3 in Göttingen. Die Bilder von Arasch Zandieh, der bei der Eröffnung anwesend sein wird, zeigen verschiedene Porträtaufnahmen von Menschen aus dem Iran. Zu den Fotografien präsentiert Zandieh Zitate von den Menschen, die er abgelichtet hat. „In ihren Augen sehe ich ihre Seele, in ihrer Seele eine tiefe Hoffnung und Lebensfreude, die mich letztlich zu meinem Glück führt“, schreibt der Künstler über das Projekt.

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