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Göttingen Auf Augenhöhe mit Geflüchteten
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00:18 15.09.2017
(v.l.): Shoeib Neyazi, Mobina (5) und ihr Vater Hamid Arab mit Arasch Zandieh.  Quelle: Christoph Mischke
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Göttingen

 Der Göttinger Fotograf Arasch Zandieh hat Geflüchtete, die in der Stadt leben, porträtiert. Mit Schwarz-Weiß-Fotografien möchte er auch ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen. Am Montag hat Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) die Ausstellung „Mein neues Zuhause“ eröffnet.

Es war wohl zwangsläufig, dass Zandieh einmal eine solche Ausstellung gestalten würde. Der gebürtige Iraner ist mit seinen Eltern selbst 1986 während des Iran-Irak-Krieges vor Tod und Zerstörung nach Deutschland geflüchtet. Präsent ist seine Erinnerung an die Sirenen, die den Luftalarm ankündigten und seine Eltern ihn als Achtjährigen nachts panisch aus dem Bett rissen, um Schutz vor den Bomben zu suchen.

Viele Jahre lang arbeitete der inzwischen 39-Jährige als Teamleiter in der Werbeagentur eines Unternehmens, als ein unverschuldeter Verkehrsunfall ihn, wie er selbst sagt, aus dem Berufsleben katapultierte. „Das Schicksal hat mich dorthin geführt, wo ich jetzt bin“, sagt Zandieh, der in der Reha-Phase viel Zeit hatte, über sich, seine Vergangenheit und sein bisheriges Leben nachzudenken.

Zandieh begann, sich sozialen Projekten zuzuwenden und sich ehrenamtlich zu engagieren. Dinge, für die er im hektischen Takt seines früheren Jobs keinen Blick hatte. Heute gibt er Fachanleitungen im Bereich Medien und Werbung für die Beschäftigungsförderung Göttingen und ist unter anderem im Stadtteilbüro Leineberg für Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund tätig.

Viel Fingerspitzengefühl

In der Unterkunft für Geflüchtete im ehemaligen IWF am Nonnenstieg hatte sich Arasch Zandieh ein improvisiertes Studio eingerichtet – spartanisch – ein Raum, ein Stuhl, Fenster im Rücken. Zandieh wollte mit dem verfügbaren Licht arbeiten. Die Porträts anzufertigen sei eine große Herausforderung gewesen, berichtet er.

„Ich musste viel Fingerspitzengefühl beweisen, denn ich wollte das Vertrauen von Menschen gewinnen, die eine große Last mit sich tragen.“ Viele Gespräche habe er geführt, unzählige Schicksale erfahren und Tränen erlebt, bevor auch nur ein einziges Bild gemacht war. Zandiehs Empathie führte dann dazu, dass er 25 Geflüchtete an einem einzigen Tag fotografieren konnte. Das sei unglaublich anstrengend gewesen, berichtet er. Ständig habe sich an dem wechselhaft bewölkten Tag das Licht geändert. Ein Risiko für jemanden, der auf künstliche Beleuchtung verzichtet und offenblendig fotografiert, wenn die Tiefenschärfe nur wenige Millimeter beträgt und der Fokus exakt auf den Augen liegen soll. Tatsächlich befand er sich mit den Porträtierten auch auf Augenhöhe. Für Kinder ging der Fotograf in die Knie, für große Erwachsene stieg er auf eine Leiter.

Recht auf ein glückliches Leben

Zwölf der 25 entstandenen Porträts werden in der Ausstellung im Neuen Rathaus, Hiroshimaplatz 1-4,gezeigt. Ungerahmt, in mattem Seidenglanz und mit persönlichen Begleittexten versehen, spiegeln die Aufnahmen Hoffnung und Zuversicht der Menschen wider. „Wir alle haben ein Recht auf ein sicheres und glückliches Leben“, sagte Zandieh. Die Ausstellung ist noch bis zum 6. Oktober während der Öffnungszeiten des Neuen Rathauses zu sehen.

Von Christoph Mischke

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