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Göttingen Fünf Jahre auf der Flucht vor den Nazis
Die Region Göttingen Fünf Jahre auf der Flucht vor den Nazis
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22:08 27.01.2016
Spricht im Alten Rathaus in beeindruckender Weise von seiner Flucht vor den Nazis: Der 83 Jahre alte Bert Woudstra. Quelle: Wenzel
Göttingen

Selten erlebt man ein Publikum, das so gebannt einem Vortrag verfolgt. Dreizehn Mal, so erzählte er, musste der heute 83-Jährige als Sohn einer Deutschen und eines Niederländers zwischen 1940 und 1945 sein Versteck wechseln. Einmal habe ein Gestapo-Mann während eines Zahnarzt-Besuchs von einer bevorstehenden Razzia geplaudert, woraufhin der Arzt den neunjährigen Bert gerade noch rechtzeitig warnen konnte. Dann verlangte ein anonymer Erpresser 10 000 Gulden von Berts Mutter, andernfalls werde er ihr Versteck verraten.

Woudstra beschrieb, wie sie zehn Tage im Wald lebten, bevor sie bei einem alten Fischer unterkamen. Dort habe  er als Großstadtjunge  aus Enschede zum ersten Mal in seinem Leben Holzschuhe tragen müssen und seine schwarzen Haare blond gefärbt.

Das alles erzählt Woudstra, der sich der Erinnerung an die Vergangenheit zur Lebensaufgabe gemacht hat, in eindringlichen Worten. Mehrmals betont er, wie tief ihn die Erlebnisse von damals bis heute belasten und prägen, und dennoch klingt aus seinen Worten kein Groll, keine Anschuldigung. Er betont, welch eine Ehre es für ihn sei, in Göttingen sprechen zu dürfen.

Er hat am Ende eine einfache Botschaft: „Respektiert alle Menschen“. Die jungen Zuhörer – die einen beträchtlichen Teil des Publikums ausmachten –  fordert er auf, mit ihren Eltern und Großeltern zu sprechen, „nicht nur über den Krieg, sondern über das Leben an sich, weil es wichtig ist, zu wissen, wie es früher war“.

Von Hauke Rudolph

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