Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen „Fußballfans sind keine Verbrecher“
Die Region Göttingen „Fußballfans sind keine Verbrecher“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:13 29.10.2009
Undurchsichtig: Blick auf die Front eines Göttinger Sportwettenanbieters. Quelle: Mischke
Anzeige

Drinnen ist es am Nachmittag noch ruhig. Nur wenige Wetter beschäftigen sich mit ihren Tipps für die kommenden Spiele, obwohl der Wetttag theoretisch schon am Morgen mit den Spielen der Qualifikation zur U-17-Fußball-Europameisterschaft begonnen hat. Spartanisch die Einrichtung: einige einfache Tische und Stühle, an den Wänden große Flachbildschirme mit Sportübertragungen, für die Betätigung zwischendurch ein paar Glücksspielautomaten.

Schlupflöcher im System

In der Mitte eine große freie Fläche – eine Art Loch, das sich auch symbolisch sehen lässt: Dorthin fließt das Geld der Spieler. Daneben der Tresen, an dem die abgegebenen Wetten in das Computersystem eingespeist werden. Denn alle Göttinger Buchmacher sind Franchise­nehmer, die das Recht auf Nutzung des Namens und der Infrastruktur des Konzessionsgebers erworben haben (siehe Infokasten). Die Organisation eines Wettbetriebs, der täglich dutzende Spiele verschiedener Sportarten auf der ganzen Welt im Programm hat, erfordert gewisse Ressourcen. Noch hat man hier Muße: Die Dame am Schalter erklärt dem Laien gerne ausführlich, wie das mit dem Wetten eigentlich funktioniert.

Ganz klar wird das System, bei dem auf den Ausgang eines Spiels, bestimmte Ergebnisse oder andere Konstellationen gewettet werden kann, jedoch nicht. So viel erschließt sich sofort: Der Unterschied zum staatlichen, monopolisierten Spielbetrieb liegt in den Quoten. Die nämlich sind in den Zockerhallen wesentlich besser, wie anhand der ausliegenden, sorgsam gehefteten Spieltagsübersichten klar wird.

Gegen Abend in einem anderen Wettbüro in der Göttinger Innenstadt zeigt sich ein ähnliches, nur belebteres Bild. Die Luft ist geschwängert vom Zigarettenrauch der zehn Männer, von denen ein großer Teil an den wiederum einfachen Tischen sitzt, fast wie in einem Vereinsheim. Dazu gibt es Bier. In der einen Ecke steht ein Automat für Erfrischungsgetränke, in der anderen ein aufblasbarer schwarz-weißer Fußballsessel, an den Wänden hängen die obligatorischen Bildschirme. Eine Gruppe von Mittvierzigern schaut gemütlich ein Spiel der türkischen ersten Liga. Später kommen noch zwei Jugendliche dazu, greifen sich einen Zettel mit Wettquoten und nehmen Platz.

Der Quotenbildschirm ist der Anziehungspunkt für die echten Spieler. Während die Partien in der Ukraine, Italien oder der fünftklassigen Bayernliga über die Bühne gehen, werden schnell neue Scheine ausgefüllt, auf das nächste Tor, den nächsten Schützen oder ein kommendes Spiel gesetzt. An der Feuertür neben dem Monitor pappt ein Aufkleber, auf dem zu lesen ist: „Fußballfans sind keine Verbrecher“.

Von Erik Westermann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Einen leichten Rückgang der Zahl arbeitsloser Südniedersachsen hat die Agentur für Arbeit im Monat Oktober registriert: 19 120 Menschen, fast 54 Prozent davon Männer, hatten keinen Job, 511 weniger als im September. Die Arbeitslosenquote lag bei 8,5 Prozent.

29.10.2009

Morgen ist Halloween. Das Tageblatt hat sich in Göttingen umgeschaut, was man dazu benötigt. Eine orange-leuchtende Kürbislaterne ist ebenso angesagt wie schaurig-schöne Accessoires.

29.10.2009
29.10.2009
Anzeige