Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen GEW-Landesvorsitzende: „Die Schulen verrotten“
Die Region Göttingen GEW-Landesvorsitzende: „Die Schulen verrotten“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:29 01.03.2018
Rüdiger Heitefaut und Laura Pooth von der GEW. Quelle: Christina Hinzmann
Anzeige
Göttingen

„Das ist keine demokratische Teilhabe. So geht es nicht“, sagte der niedersächsische GEW-Geschäftsführer Rüdiger Heitefaut im Tageblatt-Gespräch am Montag. Er kritisierte das Vorgehen des Landkreises Göttingen bei der geplanten Zusammenlegung der Oberschulen Hattorf und Herzberg sowie der angekündigten Schließung des Standortes Wulften. „In so einem Fall müssen Kollegen und Eltern vor Ort befragt werden“, forderte Heitefaut. Der GEW-Kreisverband werde gegebenenfalls „Rabatz“ machen. Schulschließungen, ergänzte Pooth, gingen „nur mit den Betroffenen, nicht gegen sie“.

Attraktivität des Lehrerberufs

Ihr Anliegen sei es, so Pooth, die Attraktivität des Lehrerberufs zu steigern. Das gelänge auch durch eine höhere Besoldung der Lehrer. Sie plädierte dafür Grund-, Haupt- und Realschullehrer wie Gymnasiallehrer zu bezahlen. So seien die unterschiedlichen Studiengänge zwar inzwischen zeitlich angeglichen, Lehrer an Gymnasien würden aber nach Besoldungsgruppe A13, Grund-, Haupt- und Realschullehrer aber nach A12. „Bei 450 bis 500 Euro pro Monat liegt dabei der Unterschied“, erläuterte Heitefaut. Hinzukomme, dass Gymnasiallehrer eine Unterrichtsverpflichtung von 23,5 Wochenstunden haben, Lehrer an anderen Schulen von 28 Stunden.

Warnsignal für die Politik

„Wir brauchen eine neue Arbeitszeitverordnung“, forderte Pooth. Nach einer GEW-Studie arbeiten Lehrer im Schnitt eine Stunde und 40 Minuten länger als vergleichbare Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Immer mehr Aufgaben seien für die Lehrer hinzugekommen – etwa im Bereich der Kommunikation mit Eltern, Schülern und Kollegen und im Bereich der Integration und Inklusion. Konsequenz sei eine schlechtere Vorbereitung auf den Unterricht. „Das muss ein Warnsignal für die Politik sein“, sagte Pooth. „50 000 Stunden bekommt das Land wöchentlich von den Lehrer geschenkt“, rechnete Heitefaut vor.

Abwanderung in benachbarte Bundesländer

Als Konsequenz aus weniger Geld und mehr Arbeit würden viele Lehrer aus Niedersachsen in benachbarte Bundesländer abwandern, in denen die Besoldung bereits angeglichen worden ist, schilderte Pooth. Gleichzeitig würden in Niedersachsen an Schulen Lehrer, Therapeuten und Erzieher fehlen. Akut seien 200 Stellen nicht besetzt. Das werde sich verschärfen, sagte Pooth.

Deutliche Worte der Gewerkschafterin zum Zustand von Schulgebäuden: „Die Schulen sind in den vergangenen Jahren kaputtgespart worden. Die Schulen verrotten“, sagte Pooth. Sie betonte, dass das kein niedersächsisches Problem sei, sondern ein bundesweites.

Marode Schulen gesucht

Wenn auch Sie Stellen in ihrer Schule kennen, an denen dringend nachgebessert werden muss, wenden Sie sich unter dem Stichwort „Schule2020“ an die Redaktion. Per E-Mail an online@goettinger-tageblatt.de oder über WhatsApp an 01 60 / 90 66 09 11.

Von Michael Brakemeier

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Göttingen Tagestipp für Dienstag - „Milchbar“ im Nörgelbuff

Eine Band, einige Sängerinnen und Sänger – fertig ist die „Milchbar“. Am Dienstag um 18 Uhr ist die Talentschmiede zu Gast im Göttinger Live-Club Nörgelbuff, Groner Straße 23.

26.02.2018

Die Gewinner stehen fest, jedenfalls aus Sicht der Bürger. Bei der Bürgerbeteiligung zur Stadthallensanierung entfallen die meisten Stimmen auf den Fassadenentwurf der PFP Architekten. Bei der Gestaltung des Hallenumfeldes liegt der Vorschlag der Cityförster vorne.

01.03.2018
Göttingen Tagestipp für Dienstag - Das Phänomen „Mode“

Einen melancholisch-heiteren Text über die Faszination, die Mode von jeher auf den Menschen ausübt, hat die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek mit „Das Licht im Kasten“ geschrieben. Eine Theateraufführung basierend auf Jelineks Text zeigt das Deutsche Theater in Göttingen am Dienstag, 27. Februar, um 19.45 Uhr.

26.02.2018
Anzeige