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Göttingen Sternwarte: Ältestes Linoleum der Welt restauriert
Die Region Göttingen Sternwarte: Ältestes Linoleum der Welt restauriert
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17:52 07.11.2018
Das Linoleum in der Kuppel der Sternwarte wird saniert: Sigrid und Wolfgang Lüttge freuen sich über das Ergebnis. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Die Göttinger Sternwarte ist ein einzigartiger Kulturschatz: Dort lebte, forschte und wirkte der große Gelehrte Carl Friedrich Gauß von 1816 bis 1855. Er ließ das Gebäude bauen. Unverkennbar ist die Kuppel des klassizistischen Gebäudes an der Geismar Landstraße.

Quelle: Die Kuppel von Innen. Christina Hinzmann

Im Inneren der Kuppel ist noch das Gaußsche Teleskop erhalten. Die Kuppel lässt sich bis heute problemlos über einen Mechanismus mit Rädern und Drahtseilen öffnen. An der Innenseite ist das Dach mit Linoleum aus dem Jahr 1886 ausgeschlagen. Auch das ist vermutlich einzigartig. Denn: „Das ist das wahrscheinlich älteste Linoleum der Welt”, sagte Sigrid Lüttge, Vorsitzende der Göttinger Gauß-Kuppel-Gemeinschaft. Rund 130 Jahren ist es alt, und damit auch an vielen Stellen marode. Es diente all die Jahre als Schutz vor Feuchtigkeit und Kälte.

Gauß Teleskop in der Göttinger Sternwarte

Seit Frühsommer wurde der Behang restauriert, in der kommenden Woche nimmt die Denkmalbehörde die Arbeiten ab. Noch aber steht ein Gerüst in der Kuppel, in der Gauß und nachfolgende Generationen von Wissenschaftlern die Sterne beobachteten. Mechanik, Optik, all das funktioniert noch. Und auch die einzigartige Linoleum-Bespannung der Kuppelwände ist jetzt wieder für die kommenden Jahre konserviert. Rund 50.000 Euro hat die Restaurierung gekostet, 40.000 davon hat der Gauß-Kuppel-Verein organisiert. „Der Großteil der Arbeit ist geschafft”, sagt Sigrid Lüttge, Vorsitzende des Vereins.

Historisches Linoleum restauriert

Die Restaurierung des Linoleum-Behangs im Inneren der Sternwarten-Kuppel hat wegen des langen Winters im Frühsommer begonnen, die Vorarbeiten aber noch früher. „Es stecken etwa zehn Monate Arbeit darin”, sagt Lutz Walter. Der Restaurator aus Wernigerode ist einer der wenigen Spezialisten, der mit historischem Linoleum arbeiten und es sanieren kann.

06.11.2018 Das Linoleum war schwer beschädigt. Quelle: Christina Hinzmann / GT

„Das Linoleum war teils schwer beschädigt”, sagt Walter. Temperatur, Luft und ein Wassereinbruch haben ihm zugesetzt, und zwar stärker, als zu Beginn der Restaurierung vermutet. Vor allem dort, wo die 60 Linoleum-Platten auf die darunter liegenden hölzernen Leisten genagelt waren, war der Behang ausgerissen. Löcher und Risse mussten repariert werden. „Wir haben das Linoleum statt mit Nägeln mit Edelstahlschrauben wieder angebracht”, erläutert Walter. Das verhindere zum einen Korrosion und zum anderen sei es reversibel, da Schrauben problemlos wieder aus dem Holz gedreht werden können.

Kuppel-Sanierung fast abgeschlossen

Walter hat versucht, so wenige Platten wie möglich abzunehmen, die meisten wurden „in situ”, also direkt unter der Decke konserviert, zwei im Atelier. Auf der Rückseite des Linoleums sorgt Jutegewebe für Stabilität. Das Konzept der Restaurierung, so Walter weiter, habe er im laufenden Prozess immer wieder überprüft und häufig geändert. Tausende Nägel mussten entfernt werden, bevor der Behang wieder fit für die Zukunft gemacht werden konnte. Das „fragile Material” restaurierte Walter mit speziellem Kleber. Linoleum wird unter anderem aus Leinöl, Kalk, Pigmenten und Korkmehl gefertigt. Es dient in der Kuppel der Sternwarte dazu, Wasser und Kälte fernzuhalten. „Gauß und seine Kollegen saßen ja auch im Winter, bei klarem Himmel hier oben ”, sagt Lüttge. „Eine Heizung gab und gibt es hier aber nicht”, fügt ihr Mann Wolfgang hinzu.

In die Sanierung der gesamten Kuppel sind nach Angaben der Lüttges insgesamt bereits 200.000 Euro geflossen. 2006 hatte der Verein begonnen, dafür Spenden zu sammeln. Der Duderstädter Unternehmer Hans-Georg Näder zählt zu den Förderern.

Von Britta Bielefeld

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