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Göttingen Geburtshelferkröte bekommt Platz am Dransfelder Silbersee
Die Region Göttingen Geburtshelferkröte bekommt Platz am Dransfelder Silbersee
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00:58 16.06.2015
Mehr Licht für den Silbersee: Helga Zeddies Manfred Budde und Jörg Brandt (v.l.)  schaffen Sonnenplätze für die Geburtshelferkröte. Quelle: CH
Dransfeld

„Auf Anregung der Unteren Naturschutzbehörde haben wir an der Böschung des Silbersees, die von der Mittagssonne beschienen wird, auf fast 700 Quadratmetern alle Gehölze entfernt“, berichtet der Revierförster des Stadtwaldes Dransfeld, Manfred Budde (62). „Die Tiere benötigen trocken-steinige Flächen, die sich bei gutem Wetter stark erwärmen“, erläutert Biologin Helga Zeddies (54) aus Bördel. Beim Wasser sind die Kröten dagegen anspruchslos.

 
Am Silbersee, der in einem aufgegebenen Basaltsteinbruch liegt, ist nun von April bis August wieder das glockenhelle Rufen der Männchen zu hören. Die Weibchen der Glockenfrösche, wie die Kröten auch genannt werden, antworten. Nach der Befruchtung wickeln sich die Männchen die Laichschnur mehrmals um die Hinterbeine. Das gab dem Tier seinen Namen. Bis zu drei solcher Schnüre von verschiedenen Weibchen können die Männchen tragen. 20 bis 50 Tage lang sind sie mit ihnen unterwegs. Sie suchen gezielt warme Orte auf, damit sich die Eier gut entwickeln.

 
„Wenn die Kaulquappen in den Eiern anfangen, sich zu bewegen, springt die Kröte in den nahen Teich“, berichtet Zeddies. Dort platzen die Eier und die Kaulquappen schwimmen davon. Bei Tieren, die im Spätsommer schlüpfen, reicht die Zeit meistens nicht, um sich bis zum Herbst zum erwachsenen Tier zu entwickeln. So überwintern die Kaulquappen und erreichen im kommenden Jahr dann eine Länge von neun bis elf Zentimetern. Damit sind sie doppelt so groß wie die Kröte. An die vielen Riesenkaulquappen im Silbersee kann sich Jörg Brandt (50), der Vorsitzende der Realgemeinde, noch lebhaft erinnern. Als Junge hat er oft im See gebadet.

 
Dass die Zahl der Geburtshelferkröten drastisch zurückgegangen ist, hat viele Gründe, teilt die Untere Naturschutzbehörde auf Anfrage mit. Die kleinen Steinbrüche und Tongruben in der Region wurden aufgegeben und sind zugewachsen. Fische, die von Menschen in die Laichgewässer eingesetzt wurden, fressen die Kaulquappen. Seit einigen Jahren breitet sich zudem der Chytrid-Pilz aus, dem die Kröte zum Opfer fällt. Wegen des Verschwindens gehört die Amphibie zu den streng geschützten Arten, die das Bundesnaturschutzgesetz aufzählt.

 

Von Michael Caspar

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