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Göttingen Gefälschtes Schreiben: Straßenumbenennung in Göttingen
Die Region Göttingen Gefälschtes Schreiben: Straßenumbenennung in Göttingen
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18:19 25.02.2013
Straßen in Weende: Namen bleiben erhalten. Quelle: Heller
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Weende / Göttingen

Diese sei in einer nicht öffentlichen Sitzung des Kulturausschusses vom 7. Dezember ebenso einstimmig beschlossen worden, wie die Aberkennung von Reins Ehrenbürgerschaft der Stadt Göttingen und die Entfernung von Büsten der beiden Wissenschaftler im „Physiologischen Institut“ und im „Seminar für Deutsche Philologie“.

„Es wird Zeit aus dem Göttinger Stadtbild jene Namen zu entfernen, die mit der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten in einen negativen Zusammenhang gebracht werden“, heißt es in dem gefälschten Schreiben zur Begründung. Anlass seien Reins und Stichs „offene Sympathiebekundungen und die Mittäterschaft“ zum „nationalsozialistischen Regime“. Als neue Namenspaten für die Straßen werden die Schriftstellerin Johanna Neumann und die Ärztin Lily Ehrenfried genannt.

Einer genaueren Überprüfung hält das gefälschte Schreiben nicht Stand. Statt des Göttingen-Gs prangt das Firmenlogo des Computerherstellers Commodore im Briefkopf. Nach diesem wird die Stadt von einer „Oberbürgermeisterin“ regiert. Von dem Mitarbeiter „Herr Reinfall-Kokke“, der Auskünfte erteilen soll, hat im Rathaus niemand gehört. Am 7. Dezember gab es keine Sitzung des Kulturausschusses. Inzwischen hat die Stadt auf das Schreiben, das auch an die Ratsfraktionen die Universität, das Klinikum und das Max-Planck-Institut ging, reagiert.

Weder stamme es von der Stadt, noch sei eine Umbenennung der beiden Straßen beschlossen worden, heißt es in einer Stellungnahme. Wer hinter dem gefälschten Schreiben steckt, ist unklar. Wegen mangelnder Aussicht auf Erfolg, so Verwaltungssprecher Hartmut Kaiser, habe die Stadt davon abgesehen, gegen die Urheber der Fälschung vorzugehen. Anzeige sei nicht erstattet worden.

Die Vergangenheit des Chirurgen Rudolf Stich lässt die Universität durch eine Forschungsgruppe bereits seit Anfang 2012 überprüfen. Die möglichen Verstrickung des NSDAP-Mitglieds Stich in die Euthanasiepläne der Nationalsozialisten soll dabei unter anderem untersucht werden. Gerd Tamke und Rainer Dreiver nennen Stich in ihrer Veröffentlichung „Göttinger Straßennamen“ einen „überzeugten Nationalsozialisten. Stich wurde nicht nur die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen, sondern auch das Große Verdienstkreuz des Bundesverdienstordens. Eine Gedenktafel am Haus Weender Landstraße 14 erinnert an ihn. Seit 1971 trägt die Straße in Weende seinen Namen. Nach Auskunft von Uni-Sprecher Romas Bielke sollen die Untersuchungsergebnisse zum Mediziner Stich Anfang 2014 vorliegen.

Nach Angaben von Tamke und Driever gehörte Hermann Rein 1933 zu den Unterzeichnern des „Bekenntnisses der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat“. Trotz seiner Mitgliedschaft in verschiedenen NS-Organisationen sei eine politische Integretität durch die Machthaber negativ beurteilt worden. Er war ab 1937 Direktor des Luftfahrtmedizinischen Forschungsinstitutes in Göttingen, mit Kriegsbeginn Oberkriegsarzt und beratender Physiologe bei der Luftwaffe. 1946 wurde Rein Rektor der Göttinger Uni. Die Straße trägt seit 1961 seinen Namen. Der Rat der Gemeinde Weende hatte das einstimmig beschlossen.

Der Artikel wurde aktualisiert.

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